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Hohes Entlassungsrisiko in der Leiharbeit. Foto: IG Metall

Hohes Entlassungsrisiko in der Leiharbeit

Immer wieder arbeitslos

23.02.2011 Ι Von einem Job zum nächsten - das ist die Realität für jeden zweiten Leiharbeiter. 2010 endeten 55 Prozent der Leiharbeitsverhältnisse nach weniger als drei Monaten. Für die Migranten unter den Leiharbeitnehmern ist die Situation noch dramatischer. Bei ihnen hängt häufig auch noch die Aufenthaltserlaubnis daran, dass sie einen Arbeitsvertrag vorweisen können.

Die Verleihbranche reagiert wie keine andere Branche auf das Auf und Ab der Konjunktur. Im aktuellen Aufschwung boomt die Branche. Nach dem massiven Stellenabbbau zu Beginn der Krise ist die Zahl der Leiharbeiter nach oben geschnellt und liegt deutlich über dem Vorkrisenniveau. Trotz Aufschwung ist die Fluktuation in der Branche hoch. Mehr als die Hälfte der Leiharbeitsverhältnisse wird nach weniger als drei Monaten wieder beendet. Allein im ersten Halbjahr 2010 wurden mehr als 540 000 Arbeitsverhältnisse geschlossen. Im gleichen Zeitraum endeten 461 800 Leiharbeitsverhältnisse. 

Sobald ein Arbeitsverhältnis In den Einsatzbetrieben endet, werden meist neue Leiharbeiter eingesetzt oder Beschäftigte für einen befristeten Zeitraum. Nach und nach werden so Stammbeschäftigte aus dem Unternehmen gedrängt. Immer mehr Menschen landen in unsicheren Arbeitsverhältnissen. Die Angst wächst. Nicht nur Leiharbeitnehmer fürchten sich davor, ihren Job zu verlieren. Auch Stammbeschäftigte haben Angst, aus dem Betrieb gedrängt zu werden. Das ist nicht fair.

Viele Migranten arbeiten als Hilfskräfte
Gerade für die Migranten unter den Leihbeschäftigten kann es dramatische Folgen haben, wenn sie ihren Job verlieren. Denn ihr Aufenthaltsrecht ist gefährdet, wenn sie entlassen werden. Sie sind dadurch leichter erpressbar und nehmen ungerechte Bezahlung und unfaire Arbeitsbedingungen eher hin als andere.

Weil ihre Ausbildung in Deutschland häufig nicht anerkannt wird, sind zudem viele Migranten gezwungen, Anlernjobs auszuüben. Auch diejenigen, die ihre Schulbildung in ihrem Herkunftsland mit Abitur abgeschlossen haben, müssen feststellen, dass dieser Bildungsabschluss in Deutschland nicht anerkannt wird. Das bedeutet, entweder müssen sie den Abschluss in Deutschland noch einmal machen. Oder sie verzichten auf die Anerkennung und begnügen sich mit einem Anlernjob.


Lohndumping auf Kosten der Gesellschaft
Dazu kommen dann noch die schlechte Bezahlung. Wenn die Leiharbeiter auf der Basis des Leiharbeitstarifvertrags arbeiten, bedeutet das, sie erhalten im Westen einen Stundenlohn von 7,60 Euro und 6,65 Euro in den ostdeutschen Bundesländern. Da davon keiner leben kann, stockt der Staat die Löhne auf. Fast 40 Millionen Euro musste der Bund allein im Juni 2010 zuschießen, um die niedrigen Gehälter von Leiharbeitern aufzustocken.

Verlieren die Leiharbeitnehmer ihren Job, ist das Risiko zu verarmen sehr hoch. Viele erhalten kein Arbeitslosengeld, da sie in den kurzen Arbeitsphasen keine Ansprüche an die beitragsfreie Arbeitslosenversicherung aufbauen konnten. Bei den übrigen sind die Lohnersatzleistungen so gering, dass sie zusäzlich auf Hartz IV angewiesen sind. 

 

Am 24. Februar wird die IG Metall bundesweit gegen prekäre Beschäftigung und die  Dumping-Strategie der Unternehmer demonstrieren. Denn auch die im Vermittlungsausschuss zu den Hartz-IV-Gesetzen von CDU/CSU, FDP und SPD vereinbarte Lohnuntergrenze für Leiharbeitnehmer wird dem Missbrauch von Leiharbeit zum Lohndumping nicht verhindern. Die beschlossenen Mindestlöhne lösen die strukturellen Probleme am Arbeitsmarkt nicht.

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