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Hohe Arbeitslosenquote bei den Älteren. Foto: Fotolia

Hohe Arbeitslosenquote bei den Älteren

Trotz Fachkräftemangel kaum Chancen für Ältere

09.08.2012 Ι Bis 67 arbeiten? Für viele Beschäftigte unvorstellbar. Die Arbeitsbedingungen lassen das in der Regel nicht zu. Wer das nicht schafft, muss Einbußen in der Altersversorgung und manchmal sogar Altersarmut hinnehmen. Diese Probleme löst auch das neue Rentenkonzept der Bundesarbeitsministerin nicht.

Eigentlich ist Karlheinz B. topfit. Der gelernte Kfz-Mechaniker kennt jedes Teil im Motorblock eines Ford-Fiesta, weiß wann der Auspuff ausgetauscht werden muss und kann die meisten Getriebe- und Motorgeräusche eines Fahrzeuges zuordnen und analysieren. Doch dieses Wissen interessiert niemanden mehr. Wie so viele andere Ältere ist der 61jährige Karlheinz seit einigen Monaten arbeitslos.


Unternehmen haben keine Strategie und ...

Ohne Job mit über 60 Jahren - das ist keine Seltenheit. Obwohl hierzulande die Bevölkerung immer älter wird und die Politik will, dass die Menschen länger arbeiten, hat sich die Beschäftigungssituation von Älteren kaum verbessert. Je älter man ist, umso geringer sind die Chancen auf einen Job, wenn man mal raus ist. Von den 60jährigen sind noch 38 Prozent in einer regulären sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Von den Arbeitnehmern, die 62 Jahre alt sind, haben nur noch knapp 29 Prozent einen Arbeitsplatz und von den über 64jährigen sind gerade einmal 14 Prozent erwerbstätig. Diese Zahlen hat die Bundesagentur Mitte Juni 2011 erhoben und in ihrer Beschäftigtenstatistik 2012 veröffentlicht. Daran hat sich seither kaum etwas geändert - trotz Aufschwung und fehlender Fachkräfte. Tatsächlich sind viele Beschäftigte schon lange vor dem gesetzlichen Rentenalter verschlissen. Sie scheiden aus gesundheitlichen Gründen früher aus, weil das Tempo und die Anforderungen in den Unternehmen zu hoch sind. Erwartet werden Arbeitskräfte, die so viele leisten wie 20- bis 30jährige.


Kaum eine Woche vergeht, in der in den Medien nicht über Fachkräftemangel debattiert wird. Die Angst vor fehlenden Arbeitskräften und die demografischen Entwicklungen sind über alle Branchen verbreitet. Nun ist die Rente mit 67 beschlossen und seit Beginn diesen Jahres steigen die Regelaltersgrenzen. Doch die meisten Unternehmen haben keine Strategie, um älteren Arbeitnehmern die Arbeitsfähigkeit zu erhalten. Die Firmen beschäftigen sich nicht damit, wie alternsgerechte Arbeitsbedingungen sein können. Tatsächlich sind viele Beschäftigte vorzeitig verschlissen, sie wollen und müssen früher aufhören, denn den ruhigen Job an der Pforte haben die meisten Firmen outgesourct.


... setzen auch nach der Rente 67 auf Junge

Der Arbeitsmarkt in Deutschland gerät immer mehr aus dem Gleichgewicht. Davon sind junge ebenso wie ältere Menschen betroffen. Die Jungen landen immer häufiger in prekären Arbeitsverhältnissen und sehen einer ungewissen Zukunft entgegen. Ältere schuften bis zum Umfallen oder haben eben gar keinen Arbeitsplatz mehr. Denn viele Firmen setzen auf jüngere Arbeitskräfte. Ein Arbeitnehmer, der älter als 55 ist und seinen Job verliert, hat kaum eine Chance auf einen neuen Arbeitsplatz. So wie Karlheinz. Zurzeit bekommt er noch Arbeitslosengeld I. Das bedeutet etwa 60 Prozent seines letzten Nettoverdienstes. Da er viele Jahre lang sozialversicherungspflichtig beschäftigt war, hat er darauf 24 Monate lang einen Anspruch. Irgendwie will er die Zeit bis zur Rente überbrücken - auch wenn er dann mit Abschlägen rechnen muss. Denn er kann sich nicht vorstellen, wieder in seinem Beruf zu arbeiten. Wenn nicht ein Wunder geschieht - so wie ein Sechser im Lotto -schmelzen die Ersparnisse eines langen Arbeitslebens wie Schnee in der Sonne.

Dass die Situation für die Älteren schwierig ist, weiß auch Arbeitsministerin von der Leyen. Doch das von ihr vorgelegte Rentenkonzept löst die Probleme nicht. Um der Altersarmut zu begegnen, setzt die Arbeitsministerin auf eine Kombi-Rente mit höheren Hinzuverdienstmöglichkeiten. Das setzt aber voraus, dass Ältere auch einen Zusatzjob finden. Gegenwärtig haben jedoch nur wenige, die älter als 60 sind, überhaupt noch einen Arbeitsplatz.


Die IG Metall kritisiert das von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen vorgelegte Rentenkonzept: "Die präsentierten Vorschläge sind eine Mogelpackung. Sie sind ungeeignet, Altersarmut zu bekämpfen. Wer 'bedürftig' ist, erfüllt im Regelfall die Anspruchsvoraussetzungen wie Privatvorsorge oder Versicherungs- und Beitragsjahre nicht. Wer alle Anspruchsvoraussetzungen erfüllt, ist in vielen Fällen nicht mehr bedürftig", sagte Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied und Sozialexperte der IG Metall, am Donnerstag in Frankfurt.


Zudem kritisierte Urban die geplante Absenkung des Rentenbeitragssatzes als "Dogma der Rentenpolitik von Frau von der Leyen". "Den Beitrag senken und gleichzeitig die Rente mit 67 einführen, ist absurd". Die Beschäftigten seien durchaus bereit, höhere Rentenbeiträge zu bezahlen, wenn sie dafür auch eine ordentliche Alterssicherung erhalten. "Das ist aber mit diesem Konzept nicht möglich", sagte Urban.


Die IG Metall fordert mehr alternsgerechte Arbeitsplätze in den Betrieben und neue Möglichkeiten für einen flexiblen Altersausstieg. Nur so kann verhindert werden, dass der demografische Wandel zur unzumutbaren sozialen und gesundheitlichen Belastung für die Beschäftigten wird. In den kommenden Monaten will die IG Metall unter dem Motto "Gute Arbeit - gut in Rente" gegenüber Politik und Arbeitgebern Druck machen. Sie fordert flexible Ausstiegsmodelle für ältere Beschäftigte und mehr alternsgerechte Arbeitsplätze.

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