IG Metall
IGMetall.de - Springe direkt:
Inhalt
     
Foto: Fotolia

Haushaltsnahe Dienstleistungen

Luft für Arbeit und Freizeit

04.03.2011 Ι Beruf, Hausarbeit, Kinder, pflegebedürftige Eltern: Alles unter einen Hut zu bringen ist schwer. Haushaltsnahe Dienstleistungen können Freiraum und Entlastung bringen. Dabei hilft sogar der Staat - zumindest ein wenig.
Der Jobwunsch klappt nicht, weil der Kindergarten schon um drei Uhr nachmittags dicht macht? Die 80-jährige Mutter braucht vormittags zwar Hilfe, ist aber nicht als pflegebedürftig anerkannt? Die Feierabende und Wochenenden gehen für Putzen, Waschen, Handwerken und Gartenarbeit drauf? Was tun?

In all diesen Fällen können die sogenannten haushaltsnahen Dienstleistungen Freiraum schaffen. Dabei hilft sogar der Staat - zumindest ein wenig: Wer jemanden in den eigenen vier Wänden beschäftigt, kann 20 Prozent der Arbeitskosten, bis zu 4000 Euro jährlich, von der Steuerschuld abziehen. Und wer eine Haushaltshilfe auf 400-Euro- Basis (Minijob) beschäftigt, kann bis zu 510 Euro steuerlich geltend machen.

Noch bessere Bedingungen gelten für die Kinderbetreuung: Alleinerziehende und Doppelverdiener können für einen Babysitter, eineTagesmutter oder einen Tagesvater bis zu zwei Drittel der Kosten, höchstens jedoch insgesamt 4000 Euro absetzen - auch bei außerhäuslicher Betreuung. Bei der Pflege ist es möglich, haushaltsnahe Dienstleistungen mit Leistungen aus der Pflegeversicherung durch professionelle Pflegedienste zu kombinieren. Und auch Handwerkerlöhne (ohne Materialkosten) sind zu 20 Prozent anrechenbar. Hier kann man maximal 1200 Euro im Jahr beim Fiskus geltend machen.

Besser als schwarz
Anmelden und korrekt abrechnen muss nicht teurer sein als Schwarzarbeit. Denn die Steuerersparnis gleicht die abzuführenden Sozialabgaben großteilswieder aus - ruhig schlafen inklusive. Gleiches gilt für Handwerkerarbeit rund um Wohnung oder Haus. Aber auch für die Haus- oder Gartenhilfe sowie den Babysitter, insbesondere bei Arbeitskosten von weniger als 800 Euro monatlich. Und wenn es schließlich mit dem Jobwunsch trotz enger Kita-Zeiten doch hinhaut, rechnet sich die haushaltsnahe Dienstleistung sozusagen "doppelt".

Besonders günstig und unbürokratisch können haushaltsnahe Minijobs bis 400 Euro über die Knappschaft im sogenannten Haushaltsscheckverfahren angemeldet werden: Die Knappschaft zieht die Sozialbeiträge ein - maximal 14,34 Prozent- und schickt einen Beleg für das Finanzamt zurück. Weitere Formalitäten, etwa die Anmeldung bei der Krankenkasse wie sie bei Entgelten über 400 Euro nötig ist, entfallen. Und: Die Beschäftigten sind versichert, und zwar auch bei Arbeitsunfällen. Die Knappschaft übernimmt im Krankheitsfall 80 Prozent der Lohnfortzahlung, im Mutterschutz sogar 100 Prozent.

"Saubere" Arbeit?
Das große Problem bei den haushaltsnahen Dienstleistungen insgesamt ist: Gute Arbeit, die zum Leben reicht und für das Alter vorsorgt, ist rar. Minijobber beispielsweise erwerben nur minimale Rentenansprüche, es sei denn, sie stocken selbst ihre Rentenbeiträge auf volle 19,9 Prozent auf. Haushaltsnahe Dienstleistungen sind in der Regel prekäre Jobs. Selbst dann, wenn sie über Pflegedienste und kommunale Servicestellen laufen: Pflegekräfte sind zwar üblicherweise fest beschäftigt - aber mit schlechter Bezahlung, hohen Belastungen und absurden Arbeitszeiten.

Und Tagesmütter und -väter, die über kommunale Servicestellen vermittelt werden, sind selbstständig, tragen also das volle Risiko - und erhalten gerade mal drei Euro oder sogar weniger pro Kind und Stunde, inklusive Essen. Die Experten der Dienstleistungs- Gewerkschaft Verdi raten: So lange es keine fairen Träger - etwa Agenturen für haushaltsnahe Dienstleistungen - gibt, sollten verantwortungsbewusste Auftraggeber genau hinschauen - und lieber privat eine Kinderbetreuung suchen und faire Bedingungen für beide Seiten aushandeln. Oft arbeiten Erzieherinnen und Erzieher in Teilzeit und sind eventuell an Nebenjobs interessiert.

Kampagnen

Für ein gutes Leben

Links und Zusatzinformationen
Infos vom Ministerium
Haushaltsnahe Dienstleistungen: Was dazu gehört und im Gesetz steht, vom Bundesfinanzministerium:
Haushaltsnahe Minijobs
Bei der Minijob-Zentrale der Knappschaft gibt es ausführliche Informationen und eine Hotline. Dort lässt sich online ausrechnen, welchen Kosten auf Auftraggeber zukommen.
Hier kann man fragen

Individuelle Beratung erhält man auch hier:

  • Beim Steuerberater
  • Beim Finanzamt
  • Bei lokalen Pflege- Beratungsstellen (Beko)
  • Kommunale Kinderbetreuungs- und Tagespflegestellen
  • Gewerkschaft Verdi
Servicebereich