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Hauptkassierer Jürgen Kerner im Interview

Mehr Geld für die Arbeit vor Ort

Der Hauptkassierer der IG Metall Jürgen Kerner hat den Kassenbericht für 2016 vorgelegt. Er zeigt: Die IG Metall ist finanziell solide aufgestellt. Im Interview erläutert er, wie die IG Metall die Beiträge ihrer Mitglieder verwendet.

Du hast dem IG Metall-Vorstand vor kurzem über unsere Einnahmen und Ausgaben 2016 berichtet. Dabei ist uns etwas aufgefallen.
Jürgen Kerner: Nämlich?

Dass den Geschäftsstellen mehr Geld zur Verfügung gestellt wird als in früheren Jahren.
Ja, das ist auch gewollt. Wir wollen die Arbeit vor Ort stärken.

Und dieses Jahr?
... werden sie weitere 12,1 Millionen Euro zusätzlich bekommen. Dabei verteilen wir das Geld nicht mit der Gießkanne, sondern nach Bedarf. Wir fördern gezielt Geschäftsstellen in ländlichen Gebieten, mit schwacher Wirtschaftsstruktur und geringen Einnahmen aus Mitgliederbeiträgen, die nur mit dauerhafter finanzieller Unterstützung ihre gute gewerkschaftliche Arbeit fortsetzen können. Zum Beispiel in Ostbrandenburg oder Oranienburg. Im Gegensatz zu vielen anderen Organisationen ziehen wir uns nicht aus strukturschwachen Gebieten zurück, mit dem traurigen Ergebnis, dass Rechtsextreme in diese Lücke stoßen können, sondern engagieren uns da, wo der Einsatz für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen besonders wichtig ist.

Der zweitgrößte Ausgabenposten ist die Vorstandsverwaltung.
Stimmt, aber das Geld geben wir sinnvoll, im Interesse unserer Mitglieder, aus. Mit diesen knapp 112Millionen Euro finanzieren wir Dienstleistungen, die der Vorstand zentral für sie erbringt. Dazu gehört bundesweites Aktions und Kampagnenmaterial, Angebote und Hilfestellungen für Vertrauensleute, Betriebs- und Aufsichtsräte und für bestimmte Gruppen, wie Frauen, Angestellte, junge Menschen, Migrantinnen und Migranten. Unsere Bildungsexpertinnen und -experten sorgen mit dafür, dass die Aus- und Weiterbildung stetig verbessert wird und auf dem aktuellen Stand ist. Und unsere Fachleute im sozialpolitischen Bereich engagieren sich in der Rentenpolitik und im Gesundheitsschutz. Außerdem gehört zu den zentralen Dienstleistungen unsere Arbeit in politischen und wirtschaftlichen Gremien für den Erhalt und die Zukunft unserer Wirtschaftsstandorte und Arbeitsplätze. Um nur einige Beispiele zu nennen.

27,7 Millionen Euro gab die IG Metall 2016 für Rechtsschutz aus, weitere 21,4 Millionen für direkte Unterstützungsleistungen für Mitglieder. Was zählt dazu?
Zum Beispiel Streikgelder und Hilfen in außerordentlichen Notfällen. Mit knapp 300000 Euro haben wir Flutopfer unterstützt und Angehörige von vier IG Metall-Mitgliedern, die Opfer der Anschläge in Berlin oder München wurden.

Wo setzt die IG Metall dieses Jahr besondere Akzente?
Unsere großen Projekte sind die Arbeitszeitdebatte, die Vorbereitung der Tarifbewegung in der Metall- und Elektroindustrie, die Beschäftigtenbefragung und die Bundestagswahl. Gestützt auf die Beschäftigtenbefragung werden wir unsere politischen Forderungen an die künftige Bundesregierung formulieren. Und wir haben ein ganz großes Thema, das uns permanent beschäftigt: Wir wollen neue Mitglieder gewinnen. Denn wir sind nur dann stark und durchsetzungsfähig, wenn wir viele und engagierte Mitglieder im Rücken haben. Solidarität ist der Grundpfeiler der IG Metall!

Mehr Mitglieder bedeuten auch mehr Beitragseinnahmen. Wie ist die Mitgliederentwicklung denn im Moment?
Wir sind die einzige Großorganisation, die keine Mitglieder verliert. Im Gegenteil: Wir haben sie sechs Jahre in Folge erhöht oder zumindest stabil gehalten. Aber die Herausforderung wird immer größer. Die Zahl der älteren Mitglieder wächst. In der Produktion sinkt die Zahl der Beschäftigten, während sie in den Büros zunimmt.

Auch in der IG Metall sind immer mehr Mitglieder Angestellte, zum Beispiel Ingenieure oder Beschäftigte im Vertrieb. Aber wenn wir auf Dauer stabil bleiben wollen, müssen wir uns noch stärker bemühen, Junge und Beschäftigte in allen betrieblichen Bereichen zu gewinnen.

Bist du eigentlich sauer auf Mario Draghi, den Chef der Europäischen Zentralbank?
Nicht übermäßig. Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank tut uns als Anlegern des IG Metall-Vermögens natürlich nicht gut, aber wir erwirtschaften deswegen kein Minus. Im Übrigen jagen wir nicht den Superrenditen hinterher, die ja auch immer mit den höchsten Risiken behaftet sind. Wir legen das Vermögen unserer Mitglieder solide und sicher an. Darauf können sie sich verlassen.

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