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Tagung der IG Metall Vertrauensleute in Handwerkskammern. Foto: IG Metall

Handwerk: Tagung der IG Metall-Vertrauensleute in Handwerkskammern

Das Handwerk - nach der Wahl und in der Krise

14.10.2009 Ι Am 9. und 10. Oktober 2009 haben sich IG Metall-Vertrauensleute in der Handwerkskammer Braunschweig getroffen. Wolfgang Rhode vom IG Metall-Vorstand erörterte mit ihnen die Frage, ob und wie die große Krise das Handwerk trifft. Und was die IG Metall in Politik und im Betrieb bewirken kann, um Arbeitsplätze zu sichern und Arbeitnehmerrechte zu verteidigen.

Sind die Lohnnebenkosten für den Arbeitsmarkt der Dreh- und Angelpunkt? Welche Fördermöglichkeiten bietet das Sonderprogramm der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), um Beschäftigung zu sichern und Wachstum zu stärken? Welche Politik verfolgt der Deutsche Handwerkskammertag (DHKT) nach der Europa- und Bundestagswahl? Das Programm der zweitägigen Vertrauensleutetagung ließ keine Fragen offen, die die betrieblichen IG Metall-Akteure aktuell im Handwerk beschäftigen.

Was ist von der neuen Regierung zu erwarten?
Wolfgang Rhode vom IG Metall-Vorstand stellte die Frage, wer am Ende tatsächlich entlastet werde: die Unternehmen, die Vermögenden, die Verbraucher, das Handwerk oder die Arbeitnehmer? Eine Prognose wagte er nicht. Im schlimmsten Falle werde von der neuen Regierung die irrwitzige Idee verfolgt, "durch Steuersenkung und ein drastisches Kürzen öffentlicher Ausgaben zu mehr Wachstum zu kommen." Dabei verwies Rhode auf die ureigenste Aufgabe der IG Metall, nämlich die Interessen der Schwachen in diesem Land gut zu vertreten. "Das fängt an in jedem einzelnen Betrieb und reicht bis hin zur Interessenvertretung gegenüber der Regierung." Vor allem sei jetzt eine starke Mitgliederbasis, motivierte Vertrauensleute und auch Ideen nötig, "die sowohl uns und vor allem auch andere begeistern können."

Trifft die große Krise die kleine Welt des Handwerks?
Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise  - so scheint es - habe nichts mit der kleinen Welt des Handwerks zu tun. Doch die Frage laute nicht ob, sondern wann und wie stark die Krise das Handwerk treffe. Denn die Vergangenheit habe gezeigt, dass Krisen erst in der Industrie auftraten und dann zeitversetzt später im Handwerk. Die größte Branche, das Kraftfahrzeughandwerk, könne fast als Krisengewinner bezeichnet werden. Die "Abwrackprämie" habe nicht nur "proppenvolle" Werkstätten und Verkaufsräume beschert, sondern Herstellern und den Kraftfahrzeugbetrieben einen unvorstellbaren Kundenzuwachs und Geldregen. Statt der erwarteten 2,7 wurden rund 3,5 Millionen Neufahrzeuge zugelassen. Betriebsräte haben Sonderregelungen vereinbart, damit die Beschäftigten die Kundenströme bewältigen konnten, resümierte Rhode.

Wie geht es weiter im Kraftfahrzeughandwerk?
Um einem Rieseneinbruch im nächsten Jahr vorzubeugen, müsse es Ziel sein, die Kunden dauerhaft an die Autohäuser zu binden und die Nachfrage nach Dienstfahrzeugen wieder zu steigern, empfahl Rhode. Das bringe volle Werkstätten und sichere Arbeitsplätze. Das größte Problem sieht Rhode allerdings bei den Leasing-Fahrzeugen. Diese wurden in den letzten Jahren so kalkuliert, dass Autohäuser sie nur mit Verlusten zurücknehmen konnten. Wer keine Rücklagen habe, werde scheitern. Rhode befürchtet steigende Insolvenzen im Kraftfahrzeughandwerk. Bei 4,2 Millionen auf den Markt ausgerichteten Neuzulassungen, doch perspektivisch nur 2,7 Millionen tatsächlich neu zugelassenen Fahrzeugen pro Jahr werde es zwangsweise zu einer Marktbereinigung kommen. "Schon heute gibt es deshalb einen gnadenlosen Wettbewerb im Kraftfahrzeughandwerk, der, wen wundert es, in erster Linie auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen wird", stellte Rhode fest. Die Tarifflucht erwähnte er in diesem Wettbewerbskampf als bitterstes Beispiel.

Montierendes Handwerk
Die Förderung durch die KfW-Bank zur Energieeffizienz sowie das Konjunkturpaket II komme den montierenden Betrieben zu Gute. Das spiegele sich auch in den Tarifverträgen wider, so Rhode. Erfolgreiche Handwerksbetriebe verfolgten eine Strategie der Ganzheitlichkeit. Sie verknüpften wirtschaftliche Leistungsstärke eng mit den Kompetenzen und Qualifikationen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ihr Erfolgsrezept basiere auf eine gelebte Strategie "Besser statt Billiger". Das bedeute: faire soziale Leistungen bei den Einkommen, bei der Beschäftigungssicherung sowie bei Weiterbildung und Qualifizierung. "So bilden diese Unternehmen gleichzeitig und zunehmend das Rückgrad des gewerkschaftlichen Engagements und der Verbindung von Betriebs- und Tarifpolitik im Handwerk", befand Rhode.

Das Handwerk und die Energiewende
Volkswagen hat angekündigt, mit dem Hamburger Unternehmen Lichtblick 100 000 "Keller-Kraftwerke" zu einem virtuellen Kraftwerk zusammen zu schließen. Das Engagement von Lichtblick und Volkswagen zeige, dass die energiepolitischen Wege lange noch nicht ausgereizt sind, so Rhode. Die IG Metall unterstütze innovative Initiativen hinsichtlich einer Energiewende. Das Handwerk besitze seit vielen Jahren Erfahrungen bei Installation, Wartung und Service von Kraft-Wärme-Koppelungsanlagen. Sollte diese Technologie in Privathaushalten Einzug halten, werde die Beziehung zwischen den Gebäude- oder Hauseigentümer sowie den Handwerksunternehmen auf den Prüfstand gestellt. Aus Sicht der IG Metall sei das keine schlechte Entwicklung, da genau diese Unternehmen ein hohes Interesse an tarifpolitischen Ordnungsfunktionen haben.

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