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Fachbeitrag: Gute Arbeit in Zeiten der Krise. Foto: m.p.3. / flickr.com

Gute Arbeit in Zeiten der Krise - Fachbeitrag von Klaus Pickshaus

Argumente, Werkzeuge, Handlungsmöglichkeiten

21.09.2009 Ι In wirtschaftlich schwierigen Zeiten hat das Thema Gute Arbeit nicht gerade Konjunktur. Mit zunehmender Krisendauer werden Unternehmen "Notwehrstrategien" präsentieren, die auf tiefe Einschnitte in Beschäftigungs-, Arbeits- und Sozialstandards zielen. Um schlechte Arbeit abwehren zu können, empfiehlt Klaus Pickshaus von der IG Metall ein handlungsorientiertes Aktionsprogramm.

Der deutschen Exportwirtschaft sind mit einer rasanten Geschwindigkeit Märkte und Aufträge weggebrochen. Dem folgte ein massiver Rückgang von Produktion und Kapazitätsauslastung. Unternehmen sehen sich durch die drastisch verschlechterten Finanzierungsbedingungen in ihrer Existenz bedroht. Jetzt rächen sich die Liquiditätsengpässe der Unternehmen, die trotz exorbitanter Gewinne in den vergangenen Jahren keine stabile Eigenkapitalbasis aufgebaut haben. Maßlose Dividendenausschüttungen und üppige Aktienrückkaufprogramme haben die Unternehmen ihrer ökonomischen Substanz beraubt, die sie nun zum Überleben in der Krise schmerzlich vermissen.

"Notwehrstrategien" der Unternehmen
Mit zunehmender Krisendauer werden Betriebe "Notwehrstrategien" präsentieren, die auf tiefe Einschnitte in Beschäftigungs-, Arbeits- und Sozialstandards zielen. Steigende Arbeitslosigkeit und die Angst vor Arbeitsplatzverlust könnten die Arbeitnehmer massiv unter Druck setzen. Es ist absehbar, dass die Arbeitgeber einen verschärften Kostensenkungskurs verfolgen. Ein solcher "Cost-Cutting-Kurs" wird nicht sehr fantasievoll ausfallen, wie es ein Manager vor einiger Zeit angedeutet hat: "Das Band kann schneller laufen, die Leute können länger arbeiten oder die Löhne sinken. Mehr Möglichkeiten sehe ich nicht."

Die IG Metall befürchtet, dass Unternehmen unter dem Slogan "Hauptsache Arbeit" Qualitätsstandards in der Arbeit absenken. In den Betrieben könnte sich das ereignen, was Peter Bofinger prognostizierte: dass die "bekannten Rezepte wieder an die Oberfläche gespült werden", die mit in die Krise hineingeführt haben. Bofinger ist Ökonom und Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Würzburg. Seit März 2004 gehört er den fünf Wirtschaftsweisen an, die regelmäßig die gesamtwirtschaftliche Entwicklung begutachten. Nach Bofingers Einschätzung werden Unternehmen versuchen, mit verschärften Cost-Cutting-Strategien, entgrenzten Arbeitszeiten und Leistungsbedingungen, Abbau des Kündigungsschutzes und Beschäftigungsunsicherheiten die Lasten der Krise auf die Beschäftigten abzuwälzen. (Für eine neue Balance von Staat und Markt, Frankfurter Rundschau, 07.04.2009)

Antikrisenkonzept der IG Metall
Unter dem Druck auf Arbeitsplätze und Einkommen rücken Beschäftigungssicherung und der Widerstand gegen die Abwälzung der Krisenlasten auf die Beschäftigten in den Vordergrund. Die Errichtung von Schutzdämmen werden somit zum zentralen Anliegen gewerkschaftlicher Politik in der Krise. Nicht nur Entlassungen verhindern, sondern auch Einkommenskürzungen und Verschlechterung von Arbeitsbedingungen abwehren - das sollte ein qualitativ ausgerichtetes Antikrisenkonzept beinhalten. Gerade bei der Arbeitszeit- und Leistungspolitik sowie der Arbeitsgestaltung können damit zentrale Anliegen angesprochen werden.

Broschüre der IG Metall
Die IG Metall bietet zu dem Thema eine Broschüre an: "Gute Arbeit unter Krisenbedingungen. Argumente, Werkzeuge, Handlungsmöglichkeiten". Sie kann kostenfrei per E-Mail bestellt werden unter: gutearbeit@igmetall.de 

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Thema Gute Arbeit

2007 beschloss der Gewerkschaftstag in Leipzig, dass "Gute Arbeit" ein eigen- ständiges und dauerhaftes Aufgabenfeld der IG Metall sein soll. Der DGB griff diese Idee mit dem Index Gute Arbeit auf. An dem Index sind die Gewerkschaften IG Metall, Verdi, IG BCE und NGG beteiligt.

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