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Griechischer Metaller Opfer rechter Gewalt

Messerstiche auf offener Straße

26.09.2013 Ι Erschüttert von Sozialabbau und Sparpolitik erlebt Griechenland eine dramatische Zunahme von rechter Gewalt. Die nazistische Partei "Goldene Morgenröte" verbreitet Angst und Schrecken. Opfer wurde jetzt der Musiker und Gewerkschafter Pavlos Fyssas, der sich gegen Faschismus engagierte.

Warum musste Pavlos Fyssas sterben? Warum wurde der 34-jährige Musiker, der sich gegen faschistische Tendenzen engagierte und Mitglied in der griechischen Metallgewerkschaft war, brutal ermordet? Auch wenn der Tod des Rappers noch viele Rätsel aufgibt, ist eines klar: Das Attentat auf Fyssas hat zu tun mit der Zunahme rechter Gewalt und den dramatischen Veränderungen der griechischen Gesellschaft durch die Krise.

 

Der Rapper Pavlos Fyssas bei einem Auftritt in Griechenland.

 

Der Schlägertrupp wartete schon

Der Mord an Pavlos Fyssas passierte am 17. September 2013 auf offener Straße. Der junge Mann besuchte mit seiner Freundin und einem Pärchen ein Athener Café. Am Nachbartisch saß eine Gruppe Männer aus der rechtsextremen Szene. Es kam zum Streit zwischen den Gruppen. Per Handy trommelten die Männer eine Schlägertruppe der nazistischen Partei "Goldene Morgenröte" zusammen. Als Pavlos Fyssas gegen Mitternacht das Café verließ, empfing ihn eine große Gruppe Männer in Tarnhosen und schwarzen T-Shirts. Sie bedrängten Fyssas und machten Jagd auf ihn. Auf offener Straße wurde er mit mehreren Messerstichen schwer verletzt und starb kurz darauf in den Armen seiner Freundin.

Der Fall ist deshalb so brisant, weil der festgenommene Täter enge Beziehungen zur Partei "Goldene Morgenröte" unterhält, die rassistische und nationalistische Stimmungen schürt. Neben dem Ausschlachten antieuropäischer Stimmungen bedient sich die "Goldene Morgenröte" altbekannter Methoden. Sie veranstalten, oft nur mit wenigen Teilnehmern, aber umso mehr Fahnen, nationale Propagandamärsche, um Aufsehen zu erregen. Sie schüchtern mit aggressivem Auftreten das öffentliche Leben auf Marktplätzen ein, um anschließend ihren vermeintlichen "Schutz" anzubieten. Sie projizieren alle Probleme und Missstände auf die Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds, die die Athener Regierung in regelmäßigen Abständen heimsucht und kontrolliert. Und sie lenken den Hass auf die Anderen, die Schwächeren, die Fremden.

Verbindungen in den Staatsapparat

Es gibt viele Hinweise darauf, dass Polizeibeamte die Aktionen der "Goldenen Morgenröte" bei ihren Aktionen stillschweigend dulden und nicht eingreifen. Auch in der fraglichen Nacht, als Fyssas zu Tode gehetzt wurde, schaute die Polizei zu statt die Täter zu stoppen. Nach Zeitungsberichten sollen nicht wenige Polizisten Mitglieder der Partei "Goldene Morgenröte" sein, die laut Meinungsumfragen etwa 12 Prozent Zustimmung hat und 18 von 300 Abgeordneten im Parlament stellt.

Der Mord an Pavlos Fyssas hat jetzt die griechische Öffentlichkeit aufgerüttelt. Bei Protesten gegen Rassismus und Rechtsextremismus diese Woche in Athen kam es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei. Rund 200 Vermummte hatten versucht, die Zentrale der rechtsradikalen Partei "Goldene Morgenröte" zu stürmen. Die Demonstranten protestieren gegen die Zunahme rassistisch motivierter Gewalt in Griechenland. Nach dem Mord an Fyssas wird jetzt gegen die "Goldene Morgenröte" ermittelt. Die griechischen Behörden versuchen herauszufinden, ob es sich um eine kriminelle Organisation handelt. Wenn das bewiesen werden kann, drohen den führenden Kräften Gefängnisstrafen von bis zu zehn Jahren.

Demokraten, Gewerkschafter, Christen sind jetzt aufgerufen, in Griechenland antifaschistische Komitees zu gründen. Für Pavlos Fyssas kommt das zu spät. In Griechenland ist es höchste Zeit, die rechte Gewalt entschieden zu bekämpfen. In den vergangenen eineinhalb Jahren gab es laut einer Studie über 280 Überfälle und Misshandlungen mit rassistischem Hintergrund. Vier Menschen kamen dabei ums Leben. Zum Schutz der Menschen, die auf Demokratie und die Überwindung der Krise hoffen, ist das Engagement nicht zu spät.

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