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Gira_Lutz-Fassbender

© Privat

Gira Giersiepen in Radevormwald

Beschäftigte an der Gestaltung von Arbeit 4.0 beteiligen

Innovation ist für Gira, dem 111 Jahre alten Unternehmen, das sich auf die Herstellung von Elektroinstallationstechnik und Gebäudesystemtechnik spezialisiert hat, lebensnotwendig. "Wir brauchen die besten Mitarbeiter", sagt Betriebsratsvorsitzender Lutz Faßbender, "und die kriegen wir nur, wenn wir sie in den Mittelpunkt stellen, nicht die Technik." Das Projekt Arbeit 2020 der IG Metall Nordrhein-Westfalen unterstützt genau das: Betriebsräte und Beschäftigte an der Gestaltung von Industrie und Arbeit 4.0 zu beteiligen.

Mitarbeiterbeteiligung ist bei Gira kein Fremdwort, sondern Teil der Unternehmenskultur. Auf Vorschlag des Betriebsrats ist vor ein paar Jahren eine Art Ideenwerkstatt entstanden. Die Vorgehensweise ist einfach: Die Geschäftsführung und ausgewählte Mitarbeiter halten Impulsvorträge zu einem, vom Betriebsrat definierten Themenbereich, diese orientieren sich an den, für den Betriebsrat wichtigen, aktuellen und zukunftsorientierten Themen, zuletzt zum Thema "Vertrauen führt -  zu Innovation?".

 

Eine repräsentative Runde von drei Dutzend Beschäftigten - vom Ungelernten bis zum Manager - kommt zusammen, definiert die wichtigsten Aspekte des Themas und beschäftigt sich in mehreren Arbeitsgruppen mit jeweils einem davon. Am Ende des ganztägigen Workshops werden die Ideen der Geschäftsführung vorgestellt und offen diskutiert. Zu den Spielregeln zählt, dass die Ideen der Belegschaft weder in der Schublade noch im Papierkorb landen dürfen, sondern Spuren hinterlassen müssen.

 

So kam es auch zur Beschäftigung mit Industrie 4.0 erinnert sich der Betriebsratsvorsitzende Lutz Faßbender, inzwischen ist ihm dieses Thema "unheimlich wichtig". Denn erstens produziert Gira Produkte rund um das sogenannte Smart Home, der Vernetzung und Steuerung von Haustechnik und Haushaltsgeräten. Und zweitens ist Gira selbst ein zunehmend digitalisiertes Unternehmen - beinahe folgerichtig kamen denn auch Gira und die IG Metall NRW zusammen, genauer das Projekt Arbeit 2020 der IG Metall NRW. Denn hinter diesem Projekt steckt die Idee, dass Digitalisierung und Vernetzung die Arbeitsbedingungen aller Beschäftigten entlang der gesamten Wertschöpfungskette neu ordnen wird - und deshalb  Mitbestimmung und Mitgestaltung von Industrie 4.0 notwendig ist, um die Chancen der neuen Technologien für Beschäftigung, für Qualifikation und für gute Arbeit frühzeitig herauszuarbeiten.

 

Workshops zusammen mit den Beschäftigten

Mitte Oktober 2016 fand der vierte 4.0-Workshop bei Gira statt, dieses Mal mit Managern. Die Veranstaltung kam bei ihnen "sehr positiv" an, berichtet der Betriebsratsvorsitzende. Denn im Arbeitsalltag haben auch sie selten Gelegenheit, sich in größerer Runde zu solchen Themen auszutauschen.

 

Auch bei Gira werden jetzt Fragen gestellt wie: Sinken die Arbeitsbelastungen oder steigen sie? Werden Arbeitsplätze auf- oder abgewertet? Welche Qualifizierungsmöglichkeiten gibt es? Welche Beschäftigtengruppen erhalten Zugang zu ihnen? Steuert der Mensch die Technik oder die Technik den Menschen? Hat Industrie 4.0 im Betrieb bereits Einzug gehalten? Wenn ja, wo und inwieweit? Mit welchen Auswirkungen auf Zahl und Qualität der Arbeitsplätze?

 

Um diese Fragen beantworten zu können, gibt es die sogenannte Betriebslandkarte 4.0. Entwickelt wurde sie zunächst von der Dortmunder Beratungsfirma Sustain Consult; ihre Weiterentwicklung zu einer Betriebslandkarte "Industrie und Arbeit 4.0" erfolgte mit der
IG Metall Bezirksleitung NRW. Sie unterstützt die Bestandsaufnahme grundlegender Veränderungen im Betrieb, ermöglicht die gezielte Orientierung auch in Großunternehmen wie Gira und signalisiert, wo sich Handlungsbedarf abzeichnet.

 

Für jeden Funktionsbereich lässt sich farblich darstellen, welcher Grad an Vernetzung und Selbststeuerung dort jeweils besteht. Mithilfe einer zweiten Skala wird der Grad der Steuerung durch Technik sichtbar gemacht. Und wie wirkt sich das alles auf die Arbeitssituation der Beschäftigten aus? Jeder Faktor - Beschäftigungsentwicklung, Arbeitsanforderungen und Arbeitsbedingungen - wird mit einem Piktogramm visualisiert. Ist die jeweilige Entwicklung positiv oder negativ, wird das Piktogramm grün oder rot eingefärbt.

 

Für den Betriebsratsvorsitzenden Lutz Faßbender ist die Betriebslandkarte "ein Instrument zur Reduktion von Komplexität". Wie ein Seismograf Erdbeben ankündigt, verrät die Karte, wie viel Industrie 4.0 bereits im Betrieb steckt. Gleichzeitig ist sie ein Navigator, der zeigt, wo Handlungsbedarf besteht.

 

Gira ist ein "sehr mitarbeiterorientiertes Unternehmen", sagt der Betriebsratsvorsitzende. Was andernorts mit gewerkschaftlicher Unterstützung erkämpft werden muss, gibt's in Radevormwald frei Haus. Die Firma ist tarifgebunden, die Geschäftsleitung hat ein offenes Verhältnis zu Betriebsrat und IG Metall. "Sie schätzt unsere Kompetenz", sagt Betriebsratsvorsitzender Lutz Faßbender. Für ihn bietet das IG Metall-Projekt Arbeit 2020 die Chance, den Beschäftigten zu zeigen, dass die Gewerkschaft "die beste Interessenvertretung ist, wenn es um die Gestaltung der Arbeit geht".

 

Und die wird benötigt, denn bei Gira herrscht noch in manchen Bereichen noch die alte tayloristische Arbeitsorganisation, wonach Arbeitsabläufe detailliert vorgeschrieben sind. "Die Untergebenen tun, was der Meister sagt - damit wird Schluss sein", sagt Lutz Faßbender. "Künftig werden die Mitarbeiter stärker selbst entscheiden." Deshalb würden Führungskräfte nicht überflüssig, "aber sie werden eine andere Rolle finden müssen, künftig wird ein kooperativer Führungsstil gefragt sein".

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Werner Bachmeier
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