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Für eine solidarische Gesellschaft: Arbeitsmaterial für die Praxis. Foto: Werner Bachmeier, Archiv

Migration: Arbeitsmaterial für die Praxis

Wenn der Name zur Hürde wird

17.03.2011 Ι Sie heißen Ercan, Isaf, Kemal oder Güsin. Schon beim Blick auf das Adressfeld der Bewerbung wird klar, dass sie nicht deutscher Herkunft sind. Das ist keine Schande. Aber ein Vorteil ist es nicht. Denn bei gleicher Qualifikation werden meist deutsche Bewerber bevorzugt. Diese Erfahrung machen bereits junge Migranten, wenn sie einen Ausbildungsplatz suchen. Und das setzt sich im Arbeitsleben fort.

Das Bildungs- und Ausbildungssystem in Deutschland steckt in einer Krise. Menschen mit Migrationshintergrund sind davon besonders betroffen. Gerade die jungen Migranten werden systematisch benachteiligt. 2008 hatte jeder dritte Jugendliche mit Migrationshintergrund keinen beruflichen Abschluss, bei den Jugendlichen ohne Migrationshintergrund traf das nur auf jeden elften zu. Diese Zahlen werden in der Öffentlichkeit häufig mit einer fehlenden Ausbildungsfähigkeit entschuldigt. Doch entscheidend dafür sind oft andere Gründe. Diese Situation wird noch dadurch verschärft, dass weniger Ausbildungsplätze zur Verfügung gestellt werden. In Konkurrenz mit ihren Altersgenossen, die einen Realschulabschluss oder Abitur vorweisen, sind die jungen Migranten dann fast chancenlos.

Migranten werden ausgesiebt
Manche Firmen berücksichtigen die Bewerbungen von Migranten nicht. So laden 24 Prozent der Klein- und Mittelbetriebe und 14 Prozent der Großbetriebe Bewerber mit einem nichtdeutschen Namen erst gar nicht zu Vorstellungsgesprächen ein - unabhängig davon, wie gut deren Zeugnisnoten sind. Dabei sind Jugendliche mit türkischen oder islamischen Namen überdurchschnittlich betroffen. Das belegt eine Studie des "Instituts zur Zukunft der Arbeit" in Bonn, die 2010 durchgeführt wurde.



Dass bei gleicher Qualifikation meist der deutsche Bewerber vor dem ausländischen bevorzugt wird, will niemand offen zugeben. Damit die Auslese nicht schon vor dem ersten Gespräch beginnt, verfährt das NRW-Arbeitsministerium seit einiger Zeit anders: Dort werden nur noch anonyme Bewerbungen angenommen. Persönliche Angaben wie Name, Alter, Familienstand, Geschlecht oder auch Nationalität werden der Personalabteilung vorenthalten. Und das klassische Bewerbungsfoto fehlt ebenfalls.

Weniger qualifiziert
Nach der Ausbildung setzt sich die Diskriminierung fort. Eine Folge dieser sozialen Auslese ist, dass vor allem die junge Generation der Migranten von Leiharbeit und prekärer Beschäftigung betroffen ist. Viele von ihnen sind nur als Hilfskräfte beschäftigt. Und nur wenige Migranten bekommen die Chance, sich beruflich weiterzubilden.

Gleichzeitig jammern die Unternehmen über Nachwuchsmangel und wollen Fachkräfte aus dem Ausland anwerben. Derartige Forderungen sind zynisch. Vor allem vor dem Hintergrund, dass junge Migranten nach der Schule ohne Ausbildungsplatz oder Job auf der Strasse stehen. Notwendig sind stattdessen Änderungen im deutschen Bildungssystem, damit Menschen mit Migrationshintergrund besser in der Arbeitswelt integriert werden können. Das ist gerade für die Metall- und Elektroindustrie wichtig. Deutsche Firmen verlagern immer mehr Arbeitsplätze mit niedrigen Qualifikationsprofilen ins Ausland. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an den heimischen Arbeitsplätzen. Neue Formen der Arbeitsorganisation, höheres technisches Know-how, sowie Team- und Kommunikationsfähigkeit wird verstärkt benötigt. Bildung, Ausbildung und kontinuierliche Weiterbildung sind dafür eine Grundvoraussetzung. Die Grundlagen dafür werden bereits in der Schule gelegt. Deshalb fordert die IG Metall den gleichberechtigten Zugang zu Bildung in allen Phasen der Schullaufbahn und der Erwerbstätigkeit.

Was die IG Metall fordert
Die IG Metall fordert ein längeres gemeinsames Lernen bis zur Sekundarstufe I. Das nutzt jungen Migranten und Nicht-Migranten. Sie fordert ein Recht auf qualifizierte Berufsausbildung für alle Jugendlichen und die Öffnung der Hochschulen für Berufstätige unter Anrechnung bisher erworbener Kompetenzen. Dazu gehört auch der Zugang für berufliche Fort- und Weiterbildung und damit Aufstiegsoptionen für alle Beschäftigten. Neben den Migranten gehören dazu auch Un- und Angelernte, Beschäftigte in Teilzeit und anderer bislang benachteiligter Gruppen.

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