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Auto und Umwelt: Für eine nachhaltige Mobilität

Keine Tretautos

03.06.2011 Ι Ein grüner Ministerpräsident in einer Gegend, die ihren Wohlstand vor allem ihren großen und schnellen Autos verdankt - neue Lage also in Baden-Württemberg. Grund zur Panik? Oder passt das zusammen? Die Auto-Betriebsräte sind gelassen. Sie sagen: Wir sind schön öko.

Baden-Württemberg grün-rot: Auf maroden Holperpisten stauen sich die Tretautos von Porsche. Auf dem Land streiten sich entlassene Maschinenbauer um Erntehelferjobs bei Biobauern. Arbeitslose Metaller schlagen die Zeit mit Pulloverstricken tot. Wer die Bild-Zeitung liest, könnte glauben, dass die Zukunft im Musterländle bald so ähnlich aussieht. "Darf Porsche bald nur noch Tretautos bauen?", titelte das Blatt nach der Landtagswahl.

Irritiert
Dem neuen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann war herausgerutscht, dass "weniger Autos besser sind als mehr". Im Stammland von Daimler, Porsche und Bosch kein guter Einstieg. "Ich bin irritiert, dass sich eine Partei in einem Land zur Wahl stellt und dann feststellt, dass dort Autos gebaut werden", sagt Uwe Hück, der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Porsche. "Baden-Württemberg ist stark geworden durch die moderne Industrie. " Und eine der wichtigsten ist die Autobranche. Passen Autos und Grün nicht zusammen? Sind die Grünen eine Gefahr für den Wirtschaftsstandort?

Offenbar nicht. Die meisten Betriebsräte in den Auto- und Zulieferfirmen machen sich jedenfalls keine Sorgen. "Ich bin mir sicher, dass wir weiter viele Autos bauen können", sagt Erich Klemm, der Konzernbetriebsratsvorsitzende von Daimler. "Dass die Autobranche nur eine Zukunft hat, wenn sie ökologisch nachhaltige Produkte entwickelt, wussten wir schon vor dem Wechsel der Landesregierung.

"Auch Thomas Bohlender von der Schuler SMG, einer Maschinenbaufirma in Waghäusel bei Bruchsal, sieht seine Firma für die ökologische Zukunft gut aufgestellt. "Wir profitieren vom Trend zu mehr Energieeffizienz." Schuler hat gerade eine größere Anlage an BMW geliefert, mit der leichtere Kunststoff-Karosserieteile geformt werden. Leichtere Materialien sind im Kommen, weil sie helfen, den Energieverbrauch zu senken. Auch bei Elektroautos mit ihren schweren Batterien ist Leichtbau ein großes Thema.

An Elektrofahrzeugen arbeiten alle Autokonzerne. Viele haben schon Fahrzeuge im Angebot: Porsche etwa das Hybridfahrzeug Panamera S, Daimler den S 400 und die B-Klasse F-CELL mit Brennstoffzellenantrieb. "Die Frage ist nicht, ob wir umweltfreundliche Autos bauen können, sondern, ob es genug Strom gibt und die Infrastruktur, wie Netze und Ladestationen, dafür da sind", sagt Uwe Hück.

Allerdings sind kleinere und mittlere Autozulieferer für die elektromobile Zukunft nicht so gut gerüstet wie die großen Autofirmen, wie eine Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung aufdeckte. Die Kleineren kümmern sich bisher wenig um Forschung und Entwicklung, weil sie unsicher sind, wohin die Reise geht.

Gerade beider Elektromobilität drohen deutsche Unternehmen insgesamt gegenüber ausländischen Konkurrenten ins Hintertreffen zu geraten. So wurden zum Beispiel 2007 in China 2350 Patente zu Batterien und Elektromotoren angemeldet, in Deutschland nur 700. Wenn Baden-Württemberg zum "Leitmarkt für alternative Antriebe" werden soll, wie dem SPD-Wirtschaftsminister Nils Schmid vorschwebt, gibt es einiges zu tun.  

Menschen mitnehmen
Die neue Landesregierung will die grünen Wachstumsfelder - nachhaltige Mobilität, also umweltfreundliche Verkehrskonzepte und -mittel, Umwelttechnologien und Techniken zum sparsameren Einsatz von Rohstoffen - zum Schwerpunkt ihrer Industriepolitik machen. Wie, ist noch unklar. "Wir freuen uns, wenn die Regierung uns dabei unterstützt", sagt Erich Klemm. "Sie sollte vor allem dafür sorgen, dass ökologische mit sozialer Nachhaltigkeit einhergeht. Das heißt, dass die Beschäftigten auf diesem Weg mitgenommen werden und ihre Arbeitsplätze erhalten bleiben.

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