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Fachkräftesicherung und Elektromobilität; Foto: Fotolia, Martin Steinbach

© Fotolia/Manfred Steinbach

Fachkräftesicherung Elektromobilität

Mit Strom wird beim Auto vieles anders

13.09.2011 Ι Wer seine Mitarbeiter heute schult, hat morgen im internationalen Wettbewerb die Nase vorn. In besonderem Maße trifft das auf die Entwicklung des Elektroautos zu, das im Mittelpunkt der Internationalen Automobilausstellung vom 15. bis 25. September steht. Die Unternehmen müssen schon heute damit beginnen, den Fachkräftebedarf von morgen zu sichern.

Durch den Elektroantrieb wird das Auto praktisch neu erfunden. Alle großen Autohersteller tüfteln an der Entwicklung des Elektroautos. Milliardenbeträge werden in Forschung und Entwicklung investiert. Der Staat hilft kräftig mit. Die Automobilindustrie steht vor großen Veränderungen in der Wertschöpfungskette.

Die Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) rechnet damit, dass bis zum Jahr 2020 zusätzlich 30 000 neue Arbeitsplätze in der Automobilindustrie entstehen. Die IG Metall, die in der Nationalen Plattform vertreten ist, drängt darauf, dass das Thema Qualifizierung nicht zu kurz kommt.

Neue Qualifikationen gefragt
"Für die Beschäftigten verändern sich fachliche Anforderungen", sagt Heinz-Rudolf Meißner, der für die IG Metall die Folgen der Elektromobilität wissenschaftlich untersucht. "Viele Chancen und Risiken des Strukturwandels sind zwar noch nicht in Gänze absehbar. Schon jetzt ist aber klar, dass man in die Aus- und Weiterbildung von Technikern, Ingenieuren und Facharbeitern große Summen investieren muss."

Allerdings ist die Betroffenheit sehr unterschiedlich ausgeprägt. "Die Automobilhersteller nehmen die Herausforderung an und reagieren mit sehr differenzierten Bildungskonzepten", erklärt der IG Metall-Bildungsexperte Klaus Heimann. Er vertritt die IG Metall in der Gruppe Qualifizierung der Nationalen Plattform Elektromobilität. Vor wenigen Wochen haben sich 500 Bildungsexperten und Betriebsräte in Ulm zur ersten Nationalen Bildungskonferenz Elektromobilität getroffen.

Schon jetzt zu wenig Ingenieure

Um die Herausforderungen der neuen Technologie zu meistern, braucht man qualifizierte Wissenschaftler, Ingenieure und Facharbeiter. Unmittelbar in der Automobiliproduktion arbeiten etwa 1,8 Millionen Beschäftigte. Fast zwei Drittel sind Fachkräfte mit entsprechend hoher Qualifizierung. Doch die Anforderungen ändern sich durch die neue Technologie des Elektromotors.

Insbesondere im Ingenieurbereich zeichnet sich eine Unterversorgung mit qualifizierten Fachkräften ab. Eine aktuelle Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) beziffert die Unterversorgung der Branche mit Akademikern auf 20 000. Die Zahl der jungen Ingenieure, Chemiker, Physiker und Informatiker reiche nicht aus, um die Elektromobilität und andere Wachstumsbranchen ausreichend mit Personal zu versorgen.

Die Automobilunternehmen sind deshalb schon seit geraumer Zeit dabei, ihren Bedarf an qualifizierten Beschäftigten mit internen Programmen und Zusatzausbildungen zu decken. Bewusst wird dabei auf Weiterbildung gesetzt. Ingenieure, Meister, Techniker und Facharbeiter werden für die Stromzukunft des Autos geschult. "Gerade in der Entwicklung und beim Bau von Prototypen gibt es Teams aus allen Qualifikationsbereichen", sagt Klaus Heimann.

Deutschland als Leitanbieter
Die Elektrifizierung des Antriebsstranges wird sich über den Zeitraum der nächsten 20 Jahre durchsetzen. Dieser Systemwechsel wird nicht abrupt erfolgen. Die Unternehmen und Beschäftigten können sich also darauf vorbereiten, müssen aber schon heute damit beginnen. Den Gestaltungsspielraum des Übergangs gilt es zu nutzen. Die Chancen für Deutschland als technologischer Leitmarkt und Leitanbieter für Elektromobilität sind groß.

Batterien made in Germany
Zusätzliche Beschäftigung in Deutschland ist vor allem in den Bereichen chemische Prozesse und Elektronik zu erwarten. Durch das Elektroauto kommt auch die Batteriefertigung wieder nach Deutschland zurück, denn die neuen Autos brauchen leistungsstarke und langlebige Batterien. Es zeichnen sich drei Standorte für Batteriefertigung ab. Ein Gemeinschaftsunternehmen von Daimler und Evonik im sächsischen Kamenz befindet sich in der Anlaufphase. Bosch plant eine Zell- und Batteriefertigung in Eisenach. Für die Fertigung von Hochleistungsbattereien sucht Johnson Controls einen Standort in Deutschland.

"Der Strukturwandel in der Automobilindustrie bringt tiefgreifende Veränderungen mit sich", bestätigen Rudi Meißner und Klaus Heimann. Sie plädieren dafür, die Entwicklung nicht allein den Marktkräften zu überlassen. Und eine gute Qualifizierung der Beschäftigten ist das A und O.      

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