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Fachkräftesicherung braucht gute und alternsgerechte Arbeitsbedingungen

Die Entdeckung der Älteren

03.08.2012 Ι Forever-young? Der demografische Wandel zwingt die Firmen dazu, neue Wege einzuschlagen. Da immer weniger junge Fachkräfte nachkommen, bauen kluge Unternehmen vor. Sie schaffen alters- und alternsgerechte Arbeitsplätze.

Um den Fachkräftebedarf auch in der Zukunft zu decken, brauchen wir mehr Menschen in Arbeit. Doch nur jeder zweite Arbeitnehmer kann sich vorstellen, unter den derzeitigen Arbeitsbedingungen bis zum Rentenalter standhalten zu können. Das belegt eine Befragung des DGB-Index Gute Arbeit. Tatsächlich bleibt sogar nur etwa jeder zehnte bis zum gesetzlichen Rentenalter im Beruf. Die Arbeitsbedingungen in den Unternehmen zehren an der Gesundheit vieler Arbeitnehmer. Das zeigt: Die Unternehmen müssen mehr dafür tun, dass die Menschen ein ganzes Arbeitsleben lang gesund bleiben.

Belastungen reduzieren

Die Arbeitsbedingungen müssen alters- und alternsgerechter werden, dann wird sich auch die Beschäftigungsdauer verlängern. Das ist nicht nur für die älteren Arbeitnehmern gut, das nutzt allen Altersgruppen. Dazu gehören lernförderliche Arbeitsorganisationen ebenso wie betriebliche Qualifizierungsmaßnahmen. Dazu gehört auch die Reduzierung der physischen und psychischen Belastungen. Dann haben es die Beschäftigten leichter, ihre Kompetenzen zu erhalten und weiterzuentwickeln. Doch nur wenige Betriebe nehmen das Problem wirklich ernst.  

Beim Autobauer BMW und dem Stahlkonzern ThyssenKrupp Nirosta hat man die Zeichen der Zeit erkannt. Bei Nirosta wurde das Programm JAN - Jung und Alt für Nirosta - initiiert. Eines der zentralen Ziele des Programms ist die Weiterbildung. Zwei von drei über 50-jährigen Mitarbeitern nehmen im Rahmen dieses Programms an Weiterbildungsmaßnahmen teil. Das ist deutlich über dem Durchschnitt. Tatsächlich bieten nur 21 Prozent der Metall- und Elektrobetriebe spezielle Angebote für ältere Mitarbeiter. Das ist das Ergebnis einer Befragung von TNS Infratest. 


Beschäftigte beteiligen

Aufgrund der demografischen Entwicklung ist auch der Autobauer BMW tätig geworden. Er führt im Werk Dingolfing ein Demografieprojekt durch. Dies wurde inzwischen auf alle deutschen Werke ausgedehnt. Ein wichtiger Aspekt dabei ist die Ergonomie an den Arbeitsplätzen. Bisher wurden an bestehenden Fertigungsanlagen nur einzelne ergonomische Verbesserungen durchgeführt. Mit Beteiligung der Mitarbeiter wurden die Änderungen entwickelt. Seit kurzem wird an einer komplett nach ergonomischen Kriterien gestalteten Fertigungsanlage gearbeitet. Schwere Fahrzeugteile müssen nicht mehr angehoben werden, gleichzeitig müssen sich die Beschäftigten weniger bücken - dank der neuen Anlage. Aber nicht nur in diesem Bereich hat BMW die Arbeitsplätze umgestaltet.

Auch in der Achsgetriebemontage werden neue ergonomische und organisatorische Prinzipien auf ein bereits bestehendes System angewendet. Dabei werden die Fahrzeugkarosserien mit einem Schwenkband transportiert. Wo früher über Kopf gearbeitet werden musste, kann heute der Mitarbeiter den Arbeitsvorgang seitlich ausführen. Um die monotonen Arbeitsvorgänge aufzulockern, routieren die Beschäftigten zwischen den Arbeitsplätzen. So wird die Arbeit interessanter. In einem eigens dafür eingerichteten Physioraum können die Beschäftigten an einem Physioprogramm teilnehmen.

Nicht nur in einzelnen Unternehmen wird das Demografieproblem aufgegriffen. In der Stahlindustrie und bei VW gelten Tarifverträge zum demografischen Wandel. Diese sehen vor, entsprechend einer Alterstrukturanalyse konkrete Maßnahmen zu ergreifen. Beispielsweise bei der Gesundheitsförderung und der Arbeitsgestaltung, der Qualifizierung und der Arbeitszeit. Mitarbeiterteams werden altersgemischt zusammengestellt und die Einsatzplanung ist gesundheits- und alternsgerechter.

Ältere ebenso produktiv wie Jüngere

Der demografische Wandel ist keine wirtschaftliche Katastrophe. Mit den richtigen Maßnahmen können die Unternehmen vorsorgen. Kluge Unternehmen müssen keinen Engpass bei den Fachkräften befürchten. Dazu sind aber weitreichende Änderungen bei den Arbeitsbedingungen notwendig. Wenn die Bedingungen stimmen, sind ältere Arbeitnehmer nicht weniger produktiv als jüngere. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie, die im LKW-Werk von Mercedes-Benz in Wörth durchgeführt wurde. Danach bringen Ältere mehr Erfahrung mit, können oft besser mit Stress umgehen, machen weniger grobe Fehler und können meist besser improvisieren als Jüngere. Diese Vorzüge sollten die Unternehmen nutzen.

Hinderlich sind dagegen Vorschläge, die Arbeitszeit zu verlängern und den Urlaub zu kürzen. Arbeitszeitverlängerungen würden die Arbeitsbelastungen weiter steigern und das Risiko erhöhen, dass die Beschäftigten ihren Beruf aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aufgeben müssen.

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