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Kraftfahrzeugbetriebe beklagen Fachkräftemangel. Foto: ProMotor

Fachkräftemangel in der Kraftfahrzeugbranche: Nachwuchs anspruchsvoll qualifizieren

Da hilft kein Jammern und kein Klagen

10.12.2010 Ι Lautstark klagt die Kfz-Branche über Fachkräftemangel. Doch dieser ist hausgemacht. 2009 haben die Kfz-Betriebe weniger Ausbildungsplätze angeboten als im Vorjahr. Und mit Tarifflucht werden die Kfz-Arbeitsplätze nicht gerade attraktiver. Mit ihren Klagen über sinkende Bewerberzahlen und nicht "ausbildungsreife" Jugendliche versucht die Branche von eigenen Versäumnissen abzulenken. Das Kfz-Handwerk braucht dringend einen Kurswechsel.
Neun Prozent weniger Ausbildungsverträge haben die Kfz-Betriebe 2009 neu abgeschlossen als im Vorjahr. Das Kfz-Handwerk beschäftigt sechs Prozent weniger Auszubildende: insgesamt rund 84 000. "Den Fachkräftemangel hat das Kfz- Handwerk selbst verschuldet. Nun kommt der demografische Wandel hinzu: Immer weniger Schulabgänger bieten sich dem Ausbildungsmarkt an", konstatiert Wolfgang Rhode, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall. Fein raus seien die Betriebe, die in die Ausbildung investiert, die berufliche Chancen sowie soziale und faire, tariflich gesicherte Arbeitsbedingungen geboten haben.

Neue Wege in der Ausbildung nötig
Der Präsident des Zentralverbandes Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe Robert Rademacher meint sogar, es gebe zwar weniger Schulabgänger oder sie seien vielfach nicht "ausbildungsreif", fordert jedoch, die noch verbreitete "Ausbildungslethargie" abzulegen. Das Kfz- Handwerk müsse neue Wege gehen und dürfe sich nicht nur auf die "top qualifizierten" Jugendlichen fokussieren.

"Es bewerben sich weniger junge Leute, und die Schulnoten sind durchwachsen", berichtet Michael Steffens, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender der Mercedes-Benz- Niederlassung in Braunschweig. Jugendliche mit schulischen Defiziten würden gezielt unterstützt. "Damit haben wir gute Erfolge erreicht: Es gibt eben 'Spätzünder'."

Bessere Entlohnung statt markige Werbesprüche
"Autoberufe. Chance für Könner" oder "Was wäre die Welt ohne das Handwerk?": So oder ähnlich klingen die markigen Werbesprüche. Immerhin haben die Arbeitgeber erkannt, dass sie etwas für ihr Image bei der Jugend tun müssen.

Fred Balsam, früherer, langjähriger Betriebsratsvorsitzende bei Fleischhauer in Köln, meint dazu: "Was nützt die Imagekampagne den Jugendlichen? Sie fragen, was sie in dem Beruf verdienen. Und die Entlohnung widerstrebt oftmals dem Sozialstaatsgedanken der Bundesrepublik." Auch Mike Riemann, Betriebsratsvorsitzender bei Volkswagen Automobile Leipzig, ist überzeugt: "Die Bezahlung ist das Problem, um gute Fachkräfte zu finden und zu halten. Bei unserem Kampf für einen Tarifvertrag haben wir einen wichtigen Teilerfolg errungen."

Geld spielt nach beendeter Ausbildung weiter eine Rolle: "Wer ein Angebot von einem Ingenieursdienstleister bekommt, wechselt, weil er als Einstiegsgehalt rund 400 Euro mehr verdient", berichtet Helge Fahr, Betriebsratsvorsitzender beim Autohaus Wolfsburg. Zudem könne man dort mit weniger Druck und ohne enge Vorgabezeiten arbeiten.

Übernahmegarantie
"Bei der Einstellung von Auszubildenden dominiert stark das kurzfristige, kostenorientierte Denken. Und die Hoffnung, Fachkräfte aus insolventen Betrieben übernehmen zu können", betont Dieter Hahn, Betriebsratsvorsitzender beim VW Zentrum Kassel (Glinicke-Gruppe). Jetzt, wo "Not am Mann" ist, bleibe dem Kfz-Handwerk gar nichts anderes übrig, als die Hindernisse aus dem Weg zu räumen, für die man selbst gesorgt hat: die fehlende Übernahmegarantie, die oft mäßige Qualität der Ausbildung und die schlechte Bezahlung.

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