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Fachkräftemangel im ITK-Sektor muss nicht sein

Fachkräftemangel im ITK-Sektor muss nicht sein

Gegen Fachkräftemangel hilft Ausbildung

02.08.2012 Ι Der deutsche ITK-Sektor klagt zunehmend über Fachkräftemangel. Kein Wunder, der Hunger der Branche nach qualifizierten Personal ist groß. Denn trotz Eurokrise legt der weltweite Markt deutlich zu. Doch statt Klagen sind Taten gefragt. Ausbildung heißt das Zauberwort. Obwohl Fachkräftebedarf besteht, bilden die Betriebe nicht mehr, sondern weniger aus. Das passt nicht zusammen.
Die Eurokrise lässt die Branche für Informations- und Kommunikationstechnik (ITK) kalt. Laut Branchenverband Bitkom wächst der Markt kontinuierlich. Voraussichtlich wird der globale Umsatz des ITK-Sektors in diesem Jahr um über fünf Prozent steigen, prognostiziert der neue ICT Market Report 2012/13 des European Information Technology Observatory (EITO). Allein der Walldorfer Softwarekonzern SAP hat weiter zweistellig zugelegt.

Der Grund dafür sind unter anderem neue technologische Entwicklungen wie "Cloudcomputing", in der Kunden auf eine Software zurückgreifen und ihre Daten speichern können. Doch auch die Bedeutung der Informations- und Telekommunikationstechnologie sowie von IT-Services im Consumerbereich und in klassischen Industriezweigen nimmt deutlich zu. Allein die Green-IT birgt ein Riesen-Potenzial.

Zwölf Prozent offene Stellen

Doch der Erfolg der Branche hinterlässt auch Spuren bei den Beschäftigten. Das Personal ist knapp, es fehlen Fachkräfte. Hinzu kommen Leistungs- und Termindruck. Die Folge: Lange Arbeitszeiten und Überstunden sind in vielen Bereichen der Branche Arbeitsalltag. Das Arbeiten unter ständigem Druck gehört zu den am häufigsten genannten Belastungen in der ITK-Branche.

Also müssen mehr Fachleute her. Und die sind rar, beklagt die ITK-Banche ebenfalls kontinuierlich wie zuletzt auf der diesjährigen Computermesse CeBIT. Die Studie "Recruiting Trends 2012" der Universitäten Frankfurt am Main und Bamberg zeigt, dass ITK-Unternehmen in diesem Jahr verstärkt Mitarbeiter einstellen wollen. Doch die Arbeitsplätze für IT-Experten können oftmals nicht besetzt werden: Zwölf Prozent der offenen Stellen bleiben voraussichtlich unbesetzt, weil Betriebe keine passenden Kandidaten finden können.

Der wachsende SAP-Konzern konnte seinen Fachkräftehunger anscheinend noch stillen. Binnen eines Jahres hat SAP seine Beschäftigtenzahl um 7000 auf 61 000 aufgestockt. Mit 3000 neu eingestellten Mitarbeitern hat der Softwarekonzern bereits im ersten Halbjahr mehr Kräfte an Bord geholt als im gesamten Vorjahr. In Deutschland hat SAP seit Jahresanfang 500 Beschäftigte eingestellt.

Fachkräftelücke war absehbar

Der Mangel an Fachkräften trifft den ITK-Sektor empfindlich. Das Problem ist zum Großteil aber auch selbst gemacht. Von 2001 bis 2011 haben ITK-Arbeitgeber ihre Ausbildungszahlen von 20 000 auf 15 600 reduziert. Das kann nicht gutgehen. Jetzt fehlt es an Nachwuchs. Und Deutschlands Ingenieure sind nicht mehr die Jüngsten. Nach Angaben des Verbands Deutscher Ingenieure gehen ab 2018 jährlich rund 44 000 in den Ruhestand. Die jährlich rund 10 000 Studienabsolventen der Elektro- und Informationstechnik reichen nicht aus, um diese Lücke zu schließen.

Und es werden immer weniger. Junge Leute drängt es immer seltener in ein Ingenieursstudium. Viele von ihnen brechen ihr Studium vorzeitig ab. Allein 2009 hat die deutsche Volkswirtschaft durch unbesetzte Ingenieurpositionen rund 3,4 Milliarden Euro verloren. Doch nicht nur in den Ingenieurstudiengängen schwindet die Zahl der Studierenden seit Jahren, sondern auch in allen MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik). Eine Ursache hierfür ist die Qualität des Angebots und die Studienbedingungen in den MINT-Fächern an den Hochschulen, attestiert selbst der Stifterverband für die Deutsche Wirtschaft.

ITK-Sektor verliert an Attraktivität

Hinzu kommt: Die Branche hat mit massiven Imageproblemen und mangelnder Attraktivität zu kämpfen. Vor allem Frauen zieht es nicht in eine "nerdige" IT-Karriere. "Es wählen immer noch zu wenige Frauen einen Ausbildungsplatz in dieser wachsenden Branche", konstatiert Christiane Benner vom Vorstand der IG Metall. "Der Frauenanteil bei den Auszubildenden liegt bei nur noch 8,4 Prozent." Die ITK-Betriebe müssten insgesamt mehr ausbilden und mehr in die Weiterbildung der Mitarbeiter investieren. Nur so könne die Branche im internationalen Wettbewerb bestehen, betont Benner.

Nachwuchs systematisch qualifizieren

Seit Jahren engagiert sich die IG Metall für eine moderne, fundierte und systematisch aufgebaute Aus- und Weiterbildung im ITK-Sektor. In Deutschland gibt es dazu bereits ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung anerkanntes IT-Aus- und Weiterbildungssystem mit klar definierten Berufsprofilen und Kompetenzen. Seit 2004 bemühen sich Branchenverbände, Bildungsexperten, Unternehmen und die IG Metall darum, einen europäischen Rahmen für die IT-Aus- und Weiterbildung zu schaffen.

Einzelne Firmen, wie beispielsweise Airbus, haben bereits den ITK-Kompetenzrahmen (European e-Competence Framework) für den europäischen Arbeitsmarkt umgesetzt. Der Rahmen beschreibt klare Berufsprofile und Kompetenzen für die Personalentwicklung im IT-Bereich.

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Foto: panthermedia / Mykola Velychko
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