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© (Archiv) Markus Scholz

Tarifrunde Holz und Kunststoff

"Das Angebot der Arbeitgeber ist eine Frechheit"

15.12.2017 Ι Eine Lohnerhöhung, die in den ersten 12 Monaten nicht einmal die Inflation ausgleichen würde. So sieht das erste Angebot der Arbeitgeber in den Tarifverhandlungen für die Holz- und Kunststoffindustrie in Niedersachsen, Bremen und Westfalen-Lippe aus. Die IG Metall plant nun Warnstreiks.

Vier Monate gar keine Tariferhöhung, dann ab Mai 1,5 Prozent mehr für zwölf Monate, danach noch mal 1,3 Prozent für sechs Monate. So sieht erste "Angebot" der Arbeitgeber in den Tarifverhandlungen für die Holz- und Kunststoffindustrie aus, das sie in den Tarifgebieten Niedersachsen, Bremen und Westfalen-Lippe vorlegten.

"Das Angebot der Arbeitgeber ist eine Frechheit", findet Heinz Knue, Betriebsratsvorsitzender beim Kunststoffteilebauer Röchling in Haren und Mitglied der Verhandlungskommission der IG Metall. "Es deckt nicht mal die Preissteigerung ab. Das käme im Prinzip einer Nullrunde gleich."

In den übrigen Tarifgebieten gaben die Arbeitgeber bislang noch kein Angebot ab.

Die IG Metall fordert sechs Prozent mehr Geld für 12 Monate. Die Branche ist im Aufwind, getragen vom Bauboom und vom privaten Konsum. Umsätze und Produktion steigen in allen Teilbranchen. Vor allem die Unternehmen der Möbelindustrie, der Spielwaren- und Verpackungsbranche sowie Hersteller von Spanplatten und Wohnmobilen haben eine gute Auftragslage und eine hohe Auslastung.


Dennoch sehen sich die Arbeitgeber "nicht in der Lage", ein besseres Tarifangebot abzugeben. Die Forderung der IG Metall sei "unrealistisch". Sie berufen sich darauf, dass die Lage in der Möbelindustrie nicht gut sei - und der Rest der Branche darauf Rücksicht nehmen müsse.

Tatsächlich jedoch beurteilen die Unternehmen der Möbelindustrie ihre Lage als gut. Der ifo-Geschäftsklimaindex bei den Möbelherstellern stieg im November um 19 Prozent.

 

IG Metall fordert Extra-Plus für Auszubildende

Für die Auszubildenden fordert die IG Metall eine überproportionale Erhöhung der Vergütungen für Auszubildende, über sechs Prozent hinaus. Damit will die IG Metall erreichen, dass die Holz- und Kunststoffindustrie für junge Menschen attraktiver wird. Die Ausbildungsvergütungen liegen 10 bis 20 Prozent unter der Metall- und Elektroindustrie. Viele Betriebe haben Probleme Nachwuchs zu finden.

Dennoch sehen die Arbeitgeber in Niedersachsen und NRW "keinen Handlungsbedarf". In anderen Tarifgebieten sind die Arbeitgeber eher gesprächsbereit, etwa in Hessen: "Die überproportionale Erhöhung der Ausbildungsvergütungen wird bei uns wohl kein Streitpunkt sein", meint Günter Heide, Betriebsratsvorsitzender beim Möbelhersteller Thonet. "Das haben sie in der Verhandlung klar angedeutet."

 

Warnstreiks geplant

Die IG Metall plant nun Warnstreiks, um die Arbeitgeber zum Einlenken zu bewegen. Die nächste Tarifverhandlung für die Holz- und Kunststoff verarbeitende Industrie ist am 10. Januar in Baden-Württemberg.

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Werner Bachmeier
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