IG Metall
IGMetall.de - Springe direkt:
Inhalt
     
elterngeld_kind_120

Ergebnisse des Mikrozensus 2010

Risiko von Kinderarmut steigt

04.08.2011 Ι In Deutschland gibt es immer weniger Kinder. im Jahr 2000 zählte das Statistische Bundesamt noch 15,2 Millionen Kinder, 2010 waren es nur noch 13,1 Millionen. Dieser Trend werde sich fortsetzen. Außerdem sei in Deutschland jedes sechste Kind von Armut bedroht. Die meisten leben in Haushalten von Alleinerziehenden. Und die haben die schlechtesten Aussichten auf einen Job, der nicht im Niedriglohnsektor liegt.

Im Jahr 2010 gab es in Deutschland 2,1 Millionen minderjährige Kinder weniger als vor zehn Jahren. Das ist ein gravierender Rückgang, der zwischen West- und Ostdeutschland unterschiedlich stark ausfällt. Laut statistischem Bundesamt betrug der Rückgang in Westdeutschland rund zehn Prozent und in Ostdeutschland sogar 29 Prozent im Vergleich zum Jahr 2000. Zusätzlich geht aus dem Bericht hervor, dass jedes sechste Kind von Armut bedroht ist. Das ist auch eine Folge des wachsenden Niedriglohnsektors.

Was hat das mit dem Arbeitsmarkt zu tun?

Aus den Ergebnissen der Studie lassen sich zwei Schlussfolgerungen ableiten, die den Arbeitsmarkt betreffen.

Berufschancen alleinerziehender Mütter sind schlecht

Vor allem Alleinerziehende haben schlechte Chancen auf einen Vollzeit-Job oder überhaupt eine Stelle, die nicht im Niedriglohnsektor liegt: Für immerhin 33 Prozent der Kinder von Alleinerziehenden stellen nämlich Transferleistungen die Haupteinkommensquelle der Familie dar. Zu den Transferzahlungen zählen beispielsweise so genannte Hartz IV-Leistungen oder Sozialhilfe. Damit steigt gleichzeitig das Armutsrisiko der Kinder: 15 Prozent der über 13 Millionen Kinder und Jugendlichen in Deutschland gelten als armutsgefährdet. Das bedeutet, dass das Netto-Einkommen in ihrem Elternhaus unter dem Schwellwert von 11 151 Euro pro Jahr liegt. Die meisten armutsgefährdeten Kinder leben in Haushalten von Alleinerziehenden. Mehr als jedes dritte Kind, dass nur von Mutter oder Vater betreut wird, gilt als armutsgefährdet.

Dass 33 Prozent der Kinder Alleinerziehender von Transferleistungen leben und damit indirekt vom ausufernden Niedriglohnsektor betroffen sind, ist für Berthold Huber, den Ersten Vorsitzenden der IG Metall, keine Perspektive: "Mit prekären Jobs können Alleinerziehende ihre Kinder nur schwer versorgen. Wir brauchen endlich wieder eine faire Ordnung am Arbeitsmarkt. Dazu gehört ein flächendeckender Mindestlohn und bessere Chancen für Frauen, von Teilzeit und Minijobs in Vollzeitstellen zu wechseln." Alleinerziehende Mütter seien besonders von prekärer Beschäftigung betroffen.


Seit der Wiedervereinigung arbeiten in Deutschland 16 Prozent mehr Frauen. Gleichzeitig hat die Vollbeschäftigung insgesamt aber um 20 Prozent abgenommen. Das heißt, Frauen arbeiten derzeit vor allem in Teilzeit und in Mini-Jobs.

Kinderbetreuungsangebot in Deutschland noch nicht ausreichend

Die Betreuungsangebote für Kinder sind noch immer nicht ausreichend. Während bei insgesamt 51 Prozent der minderjährigen Kinder in Paarfamilien beide Eltern einen Job haben, ist das bei Kindern unter drei Jahren nur noch bei 28 Prozent der Fall.
Und besonders bei Alleinerziehenden nimmt die Erwerbsform der Teilzeit zu. So ist der Anteil der teilzeittätigen Alleinerziehenden in Westdeutschland von 48,9 Prozent im Jahr 2000 auf 59,4 Prozent im Jahr 2010 gestiegen und in Ostdeutschland sogar von 24,1 Prozent auf 44,2 Prozent.

Berthold Huber, Erster Vorsitzender der IG Metall, spricht sich in diesem Zusammenhang erneut für bessere Kinderbetreuung aus: "Die IG Metall fordert einen Rechtsanspruch auf qualifizierte und kostenlose Ganztagskinderbetreuung bis einschließlich zum 14. Lebensjahr." Dann könne sich die Regierung auch das Betreuungsgeld sparen. Denn damit würden nur die alten Rollenbilder gefestigt, so Huber. Die zwei Milliarden könnten jährlich sinnvoller für flächendeckende Kinderbetreuung investiert werden.

Themen

Alles rund um Ihren Arbeitsplatz.

Links und Zusatzinformationen
Servicebereich