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Erfolgreiche Tarifarbeit im Kfz-Handwerk; Foto: Fotolia, Joern Buchheim

Erfolgreiche Tarifarbeit im Kfz-Handwerk

Zusammen faire Entgelte durchsetzen

25.02.2016 Ι Die Beschäftigten im Kfz-Handwerk leisten gute Arbeit und haben Anspruch auf ordentliche Vergütung. Das ist nicht immer leicht durchzusetzen. Doch wo Belegschaften in den Betrieben gut aufgestellt sind, da können die IG Metall und Betriebsräte viel bewegen, wie unsere Beispiele zeigen.

Wer in einem tarifgebundenen Betrieb arbeitet, weiß um die Vorzüge von Tarifverträgen. Denn Beschäftigte sind dann stärker abgesichert, haben bessere Einkommen, mehr Urlaub und kürzere Arbeitszeiten. Wenn Arbeitgeber sich aus der Tarifbindung verabschieden, gibt es verständlicherweise heftige Gegenreaktionen der Beschäftigten, die auch vielerorts erfolgreich sind. Beim Unternehmen Nord-Ostsee Automobile (NOA) beispielsweise.

NOA hatte sich aus der Tarifbindung verabschiedet. Es drohte eine Absenkung der Entgelte. Auch Arbeitsplätze waren gefährdet. Die "Offensive Handwerk" der IG Metall kam in dieser Umbruchsituation zur rechten Zeit. Experten ermittelten exemplarisch am Beispiel des NOA-Standorts Husum, wo es bei NOA Einsparpotenziale bei Energie und Material gibt. Es ging darum, intelligenter zu sparen anstatt einfach Arbeitsplätze zu streichen, erklärt der NOA-Betriebsratsvorsitzende von Husum, Holger Hansen. Maßgeblich beteiligt waren dabei die Beschäftigten, denn sie wissen am besten, wo es bei den Arbeitsprozessen nicht rund läuft. Die Experten ermittelten ein Einsparpotenzial von jährlich 25 000 Euro nur bei den Energiekosten. Sie unterstützten die Betriebsräte dabei, mit der Geschäftsleitung selbstbewusster und auf Augenhöhe zu verhandeln. Viele Kollegen traten im Zuge der Verhandlungen in die IG Metall ein. Nach vielen Gesprächen gelang es, die Arbeitsplätze und den Tarif wieder für das gesamte Unternehmen zu sichern.

Auch beim Autohaus Krüll in Rostock hat der Kampf um Tarifbindung einiges bewegt. Dabei solidarisierten sich die Kunden mit der Belegschaft. "Wir wollen für unsere Kolleginnen und Kollegen endlich den Schutz eines Tarifvertrags", sagt Andreas Blume, Betriebsratsvorsitzender vom Autohaus Krüll in Rostock. Rückenwind dafür gibt
es von über 200 Kunden, die an einem Samstag im Januar 2016 ihre Unterschrift unter eine Solidaritätserklärung setzten. "Die Kunden wurden von Betriebsräten und anderen aktiven Metallern angesprochen, als sie das Autohaus betraten. Wenige Worte reichten, um sie dafür zu gewinnen", berichtet Thomas Bredow, Gewerkschaftssekretär der IG Metall in Rostock. Organisiert wurde diese Initiative von einem Aktionskreis, dem Beschäftigte vom Autohaus Krüll angehören. Schon im Dezember 2015 forderten die Kolleginnen und Kollegen mit roten Luftballons, Fahnen und Transparenten vor der Rostocker Niederlassung, dass die Geschäftsleitung endlich den Tarifvertrag des Kfz-Gewerbes für Mecklenburg Vorpommern anerkennt. 

 

Meinhard Geiken (rechts), Bezirksleiter der IG Metall Küste, setzt sich mit der Kampagne "Autohaus Fair" für Tarifbindung in Autohäusern ein. Foto IG Metall


Dass den Kunden nicht einerlei ist, ob in dem Servicebetrieb, bei dem sie ihr Auto abgeben, ordentliche Löhne oder Billigentgelte gezahlt werden, zeigt die Resonanz auf die Kampagnenseite www.autohaus-fair.de der IG Metall Küste. Auf dieser Seite werden Autohäuser aufgelistet, für die Tarifverträge, Betriebsräte und Ausbildung vor Ort zum Alltag gehören. Vorreiter ist das Audi- Zentrum Hamburg. Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste, erklärt den Sinn. "Wir wollen die guten Beispiele herausstellen, aber auch gleichzeitig den Druck auf diejenigen steigern, die Tarifverträge umgehen." Als erstes Unternehmen hat sich Audi Hamburg mit allen
Standorten zu den Zielen der AutohausFair-Kampagne bekannt. Das Autohaus wirbt damit nicht nur um Kunden, sondern auch um potenzielle Arbeitnehmer, weil es faire Arbeitsbedingungen anbietet und zu den wenigen gehört, die ihre Mitarbeiter nach dem Tarifvertrag entlohnen.

Die Beispiele zeigen, dass es sich lohnt zu kämpfen. Es ist möglich, den Trend zur Tarifflucht zu stoppen. Dafür ist es wichtig, dass sich die Arbeitnehmer im Handwerk  stärker in der IG Metall organisieren. Sind in einem Betrieb oder einer Branche viele Beschäftigte in der Gewerkschaft, erhöhen sie ihre Verhandlungsmacht massiv und können zum Beispiel einen Haustarifvertrag durchsetzen. Vordringliches Ziel für das Kfz-Handwerk ist weiterhin die Rückkehr zum Flächentarifvertrag. Aber solange die Arbeitgeber sich dem verweigern, will die IG Metall Betriebe alternativ über Haus- und Anerkennungstarifverträge in die Tarifbindung bringen. Derzeit gibt es über alle Branchen hinweg knapp 800 Haus- und Anerkennungstarifverträge. Die Tendenz des Abschlusses von Haus-, Anerkennungs- und Ergänzungstarifverträgen ist in allen Handwerksbranchen steigend.

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Die Tarifabschlüsse der IG Metall haben 2015 und 2016 in ihren zuständigen Branchen wieder deutliche Zuwächse gebracht. Alle Daten, Fakten und Infos (DFI) gibt es hier zum Bestellen. Für Mitglieder gibt es sie außerdem als PDF zum Herunterladen.

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Das Tariflexikon der IG Metall gibt es auch als Ringbuch.
Fluchthilfe aus Tarfverträgen
Mit "Mitgliedschaften ohne Tarif- bindung" (OT) befreien Handwerksi- nnungen ihre Mitgliedsfirmen von der Pflicht, mit ihnen abgeschlossene Tarifverträge zu übernehmen. Diese Fluchthilfe aus Tarifverträgen verstößt gegen das Gesetz - so ein Rechts- gutachten des DGB und der Hans-Böckler-Stiftung.
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