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Entlohnung von Leiharbeitern

Entlohnung von Leiharbeitern

Ein bisschen Lohndumping ist immer noch Lohndumping

13.10.2010 Ι Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt fordert den Mindestlohn für Leiharbeiter. Gleichzeitig wehrt er sich aber gegen den Equal Pay-Grundsatz. Mit seiner Forderung will er also eigentlich den Grundsatz "Gleiche Arbeit - Gleiches Geld" umgehen. Denn Lohndumping wäre für die Unternehmen dann immer noch möglich. Dabei ist es genau das, was die Menschen hierzulande laut einer Umfrage ablehnen.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt forderte am 12. Oktober 2010 in Berlin den Mindestlohn für Leiharbeiter. Die gesamte Branche solle in das Entsendegesetz aufgenommen werden. Damit wollen Arbeitgeber und Leiharbeitsfirmen vor allem das Image der Leiharbeitsbranche verbessern. Eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach hat ergeben, dass fast 60 Prozent in Deutschland Leiharbeit ablehnen. Vor drei Jahren waren es noch 40 Prozent. Allensbach-Geschäftsführerin Köcher führt das vor allem auf die schlechtere Bezahlung von Leiharbeitnehmern zurück. Die Umfrage habe gezeigt, dass dies "den Gerechtigkeitsvorstellungen der überwältigenden Mehrheit" widerspricht.

Warum wollen die Arbeitgeber den Mindestlohn in der Leiharbeit?
Ab Mai 2011 gilt in der EU die Freizügigkeit für Arbeitnehmer aus den EU-Beitrittsstaaten wie Polen. Dann könnten die ausländischen Leiharbeitsfirmen die in Deutschland geltenden Löhne unterbieten. Bei polnischen Leiharbeitsfirmen sind Stundenlöhne von rund 4,80 Euro üblich. Hundt begründet seine Forderung damit, dass ein derartiger "Missbrauch unterbunden werden müsse".

Das klingt zunächst recht nobel vom Arbeitgeberpräsident. Allerdings wendet er sich gleichzeitig entschieden gegen den Grundsatz Equal Pay. Die Schlussfolgerung, dass Hundt mit seiner Forderung nach einem Mindestlohn für Leiharbeiter eigentlich die Gleichbezahlung von Leiharbeitern und Stammbeschäftigten umgehen will, liegt also nahe. Das sieht auch Detlef Wetzel, Zweiter Vorsitzender der IG Metall so: "Die drastische Wortakrobatik von Herrn Hundt kann über seine Strategie des Lohndumpings mit Leiharbeit nicht hinwegtäuschen. Die Verhinderung von osteuropäischen Billiglöhnen ist kein Equal Pay."
Hundt gibt immerhin auch ganz offen zu: Equal Pay würde Leiharbeit so verteuern, dass der Einsatz vieler Geringqualifizierter nicht mehr in Betracht käme. Mindestlohn ja, aber keine gerechte Bezahlung entsprechend der Arbeit. Das ist für Leiharbeiter nicht akzeptabel.

Was verbessert die Einkommenssituation von Leiharbeitern wirklich?
Ein Mindestlohn, der von Gewerkschaften - auch der IG Metall - und allen Parteien mit Ausnahme der FDP befürwortet wird, würde die Branche vor Lohndumping durch Leiharbeitsfirmen aus dem EU-Ausland schützen. An der ungleichen Bezahlung von Leiharbeitskräften ändert das jedoch kaum etwas. Leiharbeiter, die die gleiche Arbeit verrichten wie Festangestellte, müssen auch die gleiche Bezahlung dafür erhalten. Dafür setzt sich die IG Metall mit ihrer Initiative "Gleiche Arbeit - Gleiches Geld" ein. In der Stahlindustrie wurde dieser Grundsatz bereits in einem Flächentarifvertrag festgehalten. Das muss auch in allen anderen Branchen umgesetzt werden. Weiterhin muss die Bundesregierung das entsprechende Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) nachbessern.

Detlef Wetzel dazu: "Nur wenn Leiharbeiter die gleiche Bezahlung wie die Stammbelegschaften im Entleihbetrieb erhalten, ist das Prinzip von Equal Pay gewährleistet. Aber nicht wenn weiterhin die Leiharbeitnehmer 30 bis 40 Prozent weniger erhalten. Der Missbrauch der Leiharbeit wird durch die Wortklauberei von Herrn Hundt nicht verhindert."

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