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Engineering-Tagung 2010: ökologische Industriepolitik gefordert

Engineering-Tagung 2010: ökologische Industriepolitik gefordert

Greentech geht auch mit guten Arbeitsbedingungen

27.09.2010 Ι Die meisten Arbeitsplätze in Deutschland sind im industriellen Sektor angesiedelt. Der befindet sich aber gerade in einer entscheidenden Umbruchphase. Produkte und Produktionsprozesse müssen nachhaltiger und ökologischer werden. Damit dabei hochwertige Produkte herauskommen und auch die Arbeitsbedingungen gut sind, führen IG Metall und Ingenieure einen Dialog.

Entwickler und Ingenieure haben in der modernen Arbeitsgesellschaft eine Schlüsselrolle: Sie entwickeln neue Produkte und gestalten auch deren Produktionsprozesse. Damit haben sie großen Einfluss darauf, wie ökologisch die neuen Produkte und wie die Arbeitsprozesse rund um diese Produkte gestaltet sind. Genau diesen Zusammenhang hat die IG Metall gemeinsam mit vielen Ingenieuren und Entwicklern im Rahmen der Engineering-Tagung 2010 behandelt. Denn in einem sind sich alle einig: Deutschland braucht einen nachhaltigen Strukturwandel in der Industriepolitik, der aber gleichzeitig sozial ist. Das geht nur mit aktiver Industriepolitik.

Warum ein ökologischer Strukturwandel?
Die Industrie ist noch immer die Basis der deutschen Wirtschaft. Dort gibt es die meisten Arbeitsplätze und damit wird auch Wohlstand generiert. Das belegen ein paar Zahlen sehr deutlich:

  • 60 Prozent der deutschen Arbeitnehmer arbeiten im industriellen Sektor.
  • 80 Prozent aller Produktionswerte werden im industriellen Sektor erwirtschaftet
  • 90 Prozent der Forschung und Entwicklung in Deutschland findet im und für den industriellen Sektor statt.

Industrie hat also Zukunft. Sie muss nur auch zeitgemäß sein. In den Produkten und Produktionsprozessen.

Wie sieht der ökologische Strukturwandel aus?
Für den ökologischen Strukturwandel im industriellen Sektor Deutschlands gibt es zwei prominente und anschauliche Beispiele: die erneuerbaren Energien im Energiesektor und die alternativen Antriebstechnologien in der Automobilindustrie.

  • Erneuerbare Energien: Eines ist klar, auch wenn die Bundesregierung weiter auf Atomkraft setzt, ist das weder für die Gesellschaft, noch für den industriellen Sektor eine dauerhafte Lösung. Die erneuerbaren Energien stehen hier für den ökologischen Strukturwandel. Sie ermöglichen es, nachhaltig und umweltverträglich Energie zu erzeugen. Sozial verträglich wird der ökologische Strukturwandel in dieser Branche dann, wenn die Arbeitsplätze aus den Atomkraftwerken nicht einfach verloren gehen, sondern an anderer Stelle neu entstehen und es den Arbeitnehmern ermöglicht wird, daran teilzuhaben. Dafür brauchen sie Mitbestimmung. Zum Beispiel einen Betriebsrat, der die Forschung und Entwicklung im eigenen Unternehmen voranbringen kann oder der sich darum kümmert, dass die Arbeitsplätze nicht einfach verschwinden und es keine neue Perspektive gibt. Die Betriebsräte gestalten auch die Arbeitsbedingunge in den neuen Industriesektoren
  • Alternative Antriebstechnologien in der Automobilindustrie: In der Automobilindustrie geht der Trend eindeutig zum Elektroauto. Diese Entwicklung wird gefördert und ist ökologisch nachhaltig. Damit gehen aber auch Arbeitsplätze in den alten Antriebstechnologien und der dazugehörigen Produktion verloren. Damit die Arbeitnehmer hier weiterhin eine Perspektive haben, müssen neue Arbeitsplätze geschaffen werden und die Menschen dafür qualifiziert werden. "Die schrittweise Elektrifizierung des Antriebsstrangs darf nicht zum Risiko, sondern muss zu einer Chance für die Beschäftigten in der deutschen Automobilindustrie werden", erklärte Erich Klemm, Daimler-Gesamtbetriebsratsvorsitzender, auf der Engineering-Tagung. Das gilt nicht nur für die Produktion, sondern auch für die Entwicklung. "Wir müssen davon ausgehen, dass nur das, was hier entwickelt wird, später auch hier produziert werden wird", sagte Klemm.


Was hat aktive Industriepolitik damit zu tun?
Neue Produkte und Produktionsprozesse entstehen einerseits durch Nachfrage von Konsumenten oder anderen Unternehmen und andererseits aus den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen der Unternehmen heraus. Aktive Industriepolitik bedeutet nichts anderes, als dass die Politik diesen Prozess fördert und gestaltet. Fördern kann sie zum Beispiel durch Investitionen in Forschung und Entwicklung oder steuerliche Entlastungen innovativer Unternehmen. Oder auch, indem sie Mitbestimmung durch Betriebsräte und Aufsichtsräte ermöglicht. Die können sich dann direkt in den Unternehmen dafür einsetzen, dass Ingenieure und Entwickler auch tatsächlich entwickeln können und nicht mit dem Erstellen von Power Point-Präsentationen und dem betriebswirtschaftlichen Monitoring von Projekten überlastet werden. Das bedeutet nicht, dass Unternehmen bevormundet werden, sondern, dass der ökologische Strukturwandel in qualitativ hochwertige Produkte und weiterhin gute Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten mündet.

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Foto: panthermedia / Mykola Velychko
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