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Energiewende

Kohle aus der Biotonne

12.05.2011 Ι Pflanzenreste zu Kohle: Der Betriebsrat von Salzgitter Service und Technik sieht darin ein große Chance für Beschäftigung, Energiewende und Klima - und treibt gemeinsam mit Forschern ein Pilotprojekt voran.
Biomasse rein. Alles geht - sogar Klärschlamm. Und nach wenigen Stunden kommt Kohle raus. Mit minimalem Energieaufwand, CO2- neutral. Keine Science-Fiction: Physiker Thomas Greve demonstriert die "hydrothermale Karbonisierung" (HTC) an seinem kleinen Labor-Reaktor in der Fachhochschule Wolfenbüttel.

Das besondere: Die Anlage ist kein reines Wissenschaftler-Projekt. Facharbeiter und Techniker der Service und Technik GmbH des Stahlwerks Salzgitter kommen regelmäßig in ihrer Freizeit vorbei und verbessern die Anlage laufend. Ohne ihre Erfahrung ginge es gar nicht, meint Greve. "Das sind eben Praktiker,mit einer hohen Kompetenz im Anlagen- und Gerätebau, die unsTheoretikern einfach fehlt."

Innovation von unten
Für die "Praktiker" wie Automatisierungsmechaniker Jens Brendemühl sind es oft einfache Dinge: "Verschraubungen, Leitungen und Regler im Hochdruckbereich. Damit haben wir im Stahlwerk ja täglich zu tun." Die HTC-Anlage ist auch sein "Baby". Und nicht etwa per Order von oben.


Mechaniker Brendemühl, Betriebsrat Voges und Physiker Greve am Biokohle-Laborreaktor (von links nach rechts). Foto: Janko Woltersmann/attenzione

Es war der Betriebsrat, der das Projekt angestoßen und mit der IG Metall ein Netzwerk mit Hochschulen aufgebaut hat. Die treibende Figur ist Betriebsrat Reinhard Voges. 2007 gründete er einen Innovationsausschuss im Betriebsrat. Das Ziel: Neue Produkte, die nachhaltig Arbeitsplätze sichern. Auf einem Kongress zu alternativen Energien kam Voges mit Forschern ins Gespräch - und das HTC-Projekt ins Rollen.

Betriebsrat Voges und seine Kollegen sehen große Zukunftschancen. Etwa eine HTC-Anlage im Stahlwerk, die Kohle für die Hochöfen produziert. Das schafft Arbeit und macht unabhängig von importierter fossiler Kohle, mit einer viel besseren CO2-Bilanz. Möglich sind auch Brenn- und Autokraftstoff, Kohlefaser-Werkstoffe und Bodenverbesserer. Seit Anfang April ist der Weg frei für eine größere HTC-Pilotanlage.

Die IG Metall-Bezirksleitung in Hannover hat dieTüren geöffnet. Die Landesregierung fördert das Projekt mit 2,3 Millionen Euro. Die Salzgitter-Chefs winken bislang ab: Lohnt sich nicht. "Völlig unverständlich", findet Hannelore Elze, die für die IG Metall im Aufsichtsrat sitzt. "Die Kohlevorräte sind begrenzt. DieZeit für Alternativen drängt."

Auch "Praktiker" Brendemühl ist genervt von der Missachtung von oben. "Unsere Verbesserungsvorschläge werden ignoriert und unser großes Innovations-Potenzial vernachlässigt." Sei es drum: Das HTC-Projekt geht weiter. Auch ohne Chefs.

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