IG Metall
IGMetall.de - Springe direkt:
Inhalt
     
Leiharbeit_Gleiches_Geld

Endstation Leiharbeit

Familie und Haus weg

11.07.2011 Ι Reinhold N. ist Karosseriebauer in Leiharbeit. Seine alte Firma ging pleite. Und nun auch er. N. steht vor dem Nichts: Sein Leiharbeits-Lohn reicht weder für seine Familie noch sein Haus. Trennung, Privatinsolvenz und Zwangsversteigerung.
Du arbeitest als Facharbeiter in Vollzeit - und bist dennoch in Privatinsolvenz und verlierst Dein Haus? Wie das?
Reinhold N. (Bild links): Ich arbeite in Leiharbeit bei einem Haushaltsgerätehersteller für unter 1000 Euro netto im Monat. Ich kann die Raten für mein Haus nicht mehr bezahlen. Die Bank will jetzt zwangsversteigern. Auch meine Ehe ging kaputt. Meine Frau und mein Kind leben von mir getrennt von Hartz IV. Wenn wir zusammenleben, gibt uns das Amt nichts, wegen dem Haus. Wenn das Haus weg ist, weiß ich auch nicht wohin mit meiner 85- jährigen  Mutter, die bei mir lebt.

Reinhold N.. Foto: Fred SchwabFindest Du als gelernter Karosseriebauer nichts besseres?
Reinhold N.: Ich schreibe viele Bewerbungen. Doch überall gibt es nur noch Leiharbeit. Gerade kam vom Amt ein Angebot beim Frankfurter Flughafen: Dort soll ich Flugzeugreifen montieren. Für 7,60 Euro die Stunde, und das in einem Sicherheitsbereich, wo keine Fehler passieren dürfen. Aber für das Geld kann ich weder täglich 200 Kilometer von zu Hause fahren, noch mir ein Zimmer in Frankfurt leisten - und schon gar keine Familie.

Und was sagen die Leihfirmen zu Deiner Lage?
Reinhold N.: "1000 Euro mit Familie geht doch. Sie dürfen nur nicht auf großem Fuß leben", sagten die mir bei meiner Leihfirma. Und bei einem kürzlichen Bewerbungsgespräch hieß es: "Lassen Sie sich doch scheiden."

Wie geht es jetzt weiter?
Reinhold N.: Ich bin zur IG Metall gegangen. Die haben mir einen Schuldnerberater vermittelt. Außerdem hoffe ich, dass ich demnächst fest übernommen werde. Das hieße Sicherheit und 700 Euro mehr im Monat.

Warum outest Du Dich nun? Hast Du keine Angst?
Reinhold N.: Was habe ich noch zu verlieren? Ich bin nie krank und arbeite gern. Trotzdem sind wir Leiharbeiter das Letzte. Wir bekommen weniger Geld, kein Weihnachtsgeld, keine Einladung zur Feier, nicht mal einen Kühlschrank auf Raten. Und der Staat muss für meine Familie zahlen, weil ich es nicht kann. So darf es nicht weitergehen mit der Leiharbeit. Ich finde, von einem Lohn muss man leben können. Und ich kämpfe da nicht nur für mich, sondern auch für andere.

Themen

Alles rund um Ihren Arbeitsplatz.

Links und Zusatzinformationen
asf_box_kampagne_leiharbeit
Hotline für Mitglieder

Für alle Fragen rund um die Leiharbeit hat die IG Metall für Leiharbeitnehmer, die Mitglied sind, eine Hotline eingerichtet. Unter 0800 - 4463488 können sie sich kostenfrei beraten lassen.

Servicebereich