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Warum wir Elektromobilität brauchen. Foto: By Studio/Fotolia.de

Elekromobilität

Warum wir Elektromobilität brauchen

29.11.2010 Ι Am 3. Mai 2010 hat die Bundesregierung gemeinsame mit Gewerkschaften, Industrie und Wissenschaft die Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) gegründet. Dort sollen Schritte zur Erreichung eines Leitmarktes Elektromobilität mit mindestens einer Million Fahrzeugen bis 2020 erarbeitet werden. Die IG Metall sitzt mit am Tisch. Denn eines ist klar: Die Gesellschaft braucht Elektromobilität.

Immerhin 14 Prozent der CO-2-Emissionen, die für den Treibhauseffekt verantwortlich sind, verursacht der PKW-Verkehr in Deutschland. In der Energiebilanz sind elektrische Antriebe im Vergleich zum Verbrennungsmotor bereits heute effizienter und können damit zu einer Verringerung des CO-2-Ausstoßes beitragen. Erhebliche Klimavorteile werden aber erst dann erreicht, wenn der benötigte Strom nicht aus fossilen Energieträgern, sondern aus erneuerbaren Energien stammt.
Für viele Branchen bringt die Elektromobilität größe Veränderungen mit sich. "Der öffentliche Nahverkehr und Elektromobilität werden in Ballungsräumen zukünftig eine zentrale Rolle spielen. Es sind die integrierten Mobilitätskonzepte, die hier gebraucht werden. Diese neuen Konzepte müssen wir mit gestalten und unsere Vorstellungen einer nachhaltigen Industriepolitik einbringen", erklärt Berthold Huber, Erster Vorsitzender der IG Metall, zum Engagement der IG Metall in der Nationalen Plattform Elektromobilität.

Welche Hindernisse sind zu überwinden?
Damit Elektromobilität im großem Umfang genutzt werden kann, muss an zwei Stellschrauben gedreht werden:
Auf der einen Seite sind das die Kosten und die Leistungsfähigkeit der Batterien. Die Batteriekosten eines Elektroautos machen mit zur Zeit 8000 Euro noch fast 40 Prozent der Gesamtkosten aus. Die Senkung der Batteriekosten ist damit eine wesentliche Voraussetzung für eine breitere Markteinführung. Zusätzlich muss die Energiedichte der Batterien erhöht werden. Heute verfügbare Lithium-Ionen-Batterien haben eine Energiedichte von 100 Wh/kg, diese muss mittelfristig mindestens verdoppelt werden. Um langfristig eine Reichweite vergleichbar mit heutigen Autos zu erreichen, ist eine drastische Erhöhung der spezifischen Energiedichte mit ganz neuartige Batterietypen, wie zum Beispiel aufladbare Metall-Luft-Batterien, mit möglichen Energiedichten von bis zu 1000 Wh/kg, erforderlich. Hier ist noch Grundlagenforschung notwendig.
Auf der anderen Seite fehlt heute noch die Infrastruktur zum Aufladen der Batterien. Hier müssen völlig neue Konzepte entwickelt werden, da der Ladevorgang im Unterschied zur Kraftstoffbetankung von Autos wesentlich mehr Zeit in Anspruch nimmt.

Welche Herausforderungen kommen auf die Autohersteller zu?
Das Elektroauto stellt auch im Bau einen Systemwechsel gegenüber der jetzigen Fertigung dar. Es fallen weg: Verbrennungsmotor, Einspritzanlage, Abgasanlage, Tanksystem, Kupplung und einige Nebenaggregate wie Ölpumpe, Turbolader und Lichtmaschine. Stark verändern sich: Getriebe, Radaufhängung, Kraftübertragung, Heizung, Kühlung, Kühlwasserpumpe und Wärmedämmung. Neu hinzu kommt: Elektromotor und das Batteriesystem mit Elektronik und Ladegerät.
Damit reduziert sich die Komplexität eines Autos drastisch. Hat ein Auto mit Verbrennungsmotor noch rund 1400 Teile bei Motor und Getriebe, so liegt dies bei Elektroantrieb bei rund 210 Teilen. Ähnlich liegen die Verhältnisse, wenn man nur den Motor betrachtet. Ein 6-Zylinder-Motor besteht aus 140 mechanischen Einzelteilen, ein E-Motor nur noch aus 14 Bauteilen.

Wie wirkt sich die Elektromobilität auf die Arbeitsplätze aus?
Durch die Veränderung der Komponenten gehen auch Auswirkungen auf die Zahl der Arbeitsplätze aus. Nach Prognosen des Bundesumweltamtes von 2009 werden sich die Arbeitsplätze im Bereich der klassischen mechanischen Komponenten (was vor allem den Verbrennungsmotor betrifft) bis 2020 um 46 000 verringern. Gleichzeitig wird der Zuwachs an Arbeitsplätzen im Bereich neuer Komponenten (hier vor allem Batterie und Elektromotor) auf plus 250 000 geschätzt, was im saldo 200 000 neue Arbeitsplätze bedeuten würde. Eine Strukturstudie für Baden-Württemberg kommt im Saldo zu einem plus von 17 000 Arbeitsplätzen in diesem Bundesland.
"Es geht auch um die Sicherung von Millionen von Arbeitsplätzen. Wir wollen die Automobilindustrie im Sinne eines demokratischen, sozialen und ökologischen Zukunftsmodells gestalten. Gerade die ökologischen Herausforderungen, ja Notwendigkeiten, müssen wir stärker in den Vordergrund rücken", erläutert Berthold Huber den Anspruch der IG Metall.

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Hier können Sie den Zwischenbericht der Nationalen Plattform Elektromobilität einsehen.

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