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Ein Jahr nach dem Beschluss zum Atomausstieg: Foto: fotolia

Ein Jahr nach dem Beschluss zum Atomausstieg

Vorfahrt für Sonne, Wind und Biogas

04.06.2012 Ι Der Umstieg zur Energiewende geht nur schleppend voran. Der Ausbau der Offshore-Windparks stockt. Die Solarwirtschaft kämpft um ihre Existenz. Und auch der Netzausbau stockt. Die IG Metall fordert ein Gesamtkonzept, das die Akteure aus Politik, Unternehmen, Umweltverbänden und Gewerkschaften beteiligt.
Atomstörfälle, Naturkatastrophen, mysteriöse Seuchen und Krankheiten: Die tragischen Ereignisse mehren sich. Sie sind ein mahnendes Zeichen dafür, dass wir anders mit unserer Umwelt umgehen müssen. Doch kaum sind die schlimmsten Schäden beseitigt, wird weiter gemacht wie bisher.

Seit einem Jahr ist der Atomausstieg in Deutschland beschlossene Sache. Damals löste in Japan ein Tsunami eine Atomkatastrophe aus. Bei uns führte dieses Ereignis zu einer Abkehr vom Atomzeitalter. Alle Atommeiler sollen bis 2022 abgeschaltet und erneuerbare Energien ausgebaut werden. Im Jahr 2011 lag der Anteil der grünen Energiequellen bei 20 Prozent der gesamten Energieerzeugung. Bis 2030 soll er die Hälfte erreichen und im Jahr 2050 auf 80 Prozent ansteigen.

Grüne Energiequellen stärken

Doch auch die Erwärmung der Erde und der enorme Ressourcenverbrauch machen einen konsequenten Umbau unserer Energieerzeugung notwendig. Vor allem die fossilen Energiequellen wie Kohle oder Erdgas enthalten Kohlenstoff, der als Treibhausgas Kohlendioxid CO2 die Atmosphäre vergiftet und den Klimawandel beschleunigt. Die Alternativen sind Sonne, Wind und Biogas. Diese grünen Energiequellen müssen gestärkt und der Ressourcenverbrauch gleichzeitig drastisch gesenkt werden. So kann der rücksichtslose Raubbau unserer Lebensgrundlagen gestoppt werden.

Hürden sind überwindbar

Ein Jahr nach dem Atomausstiegsbeschluss der Bundesregierung kommen jedoch Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Energiewende auf. Viele Hindernisse sind noch zu überwinden. Es entsteht der Eindruck, die Barrieren werden größer statt kleiner. Das zeigt die Debatte um die Kürzung der Solarförderung ebenso wie der stockende Ausbau der Offshore-Windparks und der Stromnetze. Ein Großteil des Stroms wird in den Offshore-Windparks im Norden erzeugt. Da die Ballungscentren und großen Industriestandorte jedoch bisher ihre Energie von den AKWs und Kohlekraftwerken erhalten, muss der Strom vom Norden aus zu den Verbrauchern transportiert werden. Dazu müssen im Netz neue Kapazitäten ausgebaut werden.

Von den rund 3800 Kilometern Hochspannungsleitungen, die bis 2022 benötigt werden, sind erst 214 Kilometer vorhanden. Und es gibt noch zu wenige Speicher, um die regenerativen Energien aufzubewahren. Ein Jahr nach dem Ausstiegsbeschluss sind immer noch viele Fragen ungeklärt.

Ökologischer Umbau ist ein globales Projekt

Die Energiewende ist eine enorme Herausforderung. Die Branchen der Metall- und Elektroindustrie können maßgeblich beim ökologischen Umbau mitwirken. Sie haben die Kompetenz und die Technologien, um viele Probleme zu lösen:

  • Speichersysteme, die regenerative Energie im System integrieren
  • Verkehrs- und Mobilitätskonzepte, die nachhaltig sind
  • Recyclingsysteme, die nicht mehr benötigte Produkte einer neuen Verwendung zuführen
  • Produkte und Prozesse, die Energie und Material effizienter einsetzen.


Der ökologische Umbau darf kein nationales Projekt bleiben. Weltweit müssen verbindliche Klimaziele vereinbart werden. Das ist auch notwendig, um zu verhindern, dass beispielsweise CO2-intensive Produktionsschritte einfach in Länder ohne eine aktive Klimapolitik verlagert werden. Die Energiewende muss ein globales Projekt werden. Dazu gehört, eine gezielte Industriepolitik. Dass dies möglich ist, zeigt die "Nationale Plattform Elektromobilität". Hier ist erstmals in Deutschland ein Fahrplan für eine Zukunftstechnologie entwickelt worden - durch eine koordinierte Industriepolitik, an der die IG Metall maßgeblich mitgemischt hat.

Zwar sind die Beschäfigten von den Auswirkungen der Energiewende betroffen, doch bislang nicht am Prozess beteiligt. Die IG Metall fordert einen Masterplan, bei dem alle Akteure mitmachen. Unterschiedliche Zielsetzungen dürfen nicht gegeneinander gestellt werden, sondern müssen miteinander verzahnt werden."

Green New Deal nur mit guten Arbeitsbedingungen

Doch eine Grundvoraussetzung ist, dass in den Betrieben der Ökoindustrie gute Arbeitsbedingungen zum Standard werden. Es wäre ein schlechter Witz, wenn sich ausgerechnet in den Umweltunternehmen eine mitbestimmungs- und gewerkschaftsfreie Zone etablieren würde. Ein "Green New Deal" kann nur gelingen, wenn daraus gleichzeitig ein "Good Deal" für die Beschäftigten wird. Nachhaltigkeit darf es nur im Doppelpack geben - ökologisch und sozial.

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