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DIW-Studie: Zu viel Leiharbeit schadet der Wettbewerbsfähigkeit. Illustration: IG Metall

DIW-Studie: Zu viel Leiharbeit schadet der Wettbewerbsfähigkeit

Überdosis Leiharbeit schadet allen

16.08.2011 Ι Dass Leiharbeit ungerecht ist und Betroffene krank macht, ist schon lange kein Geheimnis mehr. In einer Studie hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) jetzt die wirtschaftlichen Risiken und Nebenwirkungen aufgedeckt: Zu viel Leiharbeit ist Gift für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen.

Die deutsche Wirtschaft boomt und mit ihr die Leiharbeit. Vom Autobauer BMW über den Flugzeughersteller Airbus bis zum Stahlkonzern ThyssenKrupp - Unternehmen setzen im Aufschwung massiv auf Leiharbeit. Im Mai dieses Jahres arbeiteten rund 800 000 Menschen als Leiharbeitnehmer. Das waren rund 20 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Betroffen sind überproportional junge Menschen.

Die Arbeitgeber jubeln über den Aufwärtstrend der Branche und feiern sie als "Sprungbrett aus der Arbeitslosigkeit" - so kürzlich der Interessenverband deutscher Zeitarbeitsunternehmen. Doch nicht nur der vielbeschworene "Klebeeffekt" erweist sich als Mythos. Denn nur sieben Prozent der Leiharbeiter, die vorher arbeitslos waren, werden von einem Einsatzbetrieb übernommen.

Zu viel Leiharbeit treibt die Lohnstückkosten nach oben

Betriebe setzen vor allem auch auf Leiharbeit, um die Arbeitskosten zu senken und den Leistungsdruck auf die Stammbeschäftigten zu erhöhen. Doch durch diese Rechnung hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) nun einen Strich gemacht. Offenbar ist Leiharbeit kein Patentrezept. In einer aktuellen Studie belegt das Institut: "Zu viel Leiharbeit erhöht die Lohnstückkosten." Wenn Unternehmen zu viele Stammarbeitskräfte durch Leiharbeiter ersetzen, riskieren sie ihre Wettbewerbsfähigkeit, haben die Forscher herausgefunden. Steigt der Anteil der Leiharbeitskosten an den Personalkosten kontinuierlich, führt dies zu steigenden Lohnstückkosten und damit zu sinkender Wettbewerbsfähigkeit. Mehr als zehn Prozent Leiharbeiter sind zu viel.

Für diesen Effekt nennen die Forscher zwei Gründe: Zum einen gehe den Betrieben mit jedem Ausscheiden eines Leiharbeitnehmers wertvolles Betriebswissen verloren. Zum anderen wirke es sich sowohl auf die Kernbelegschaft als auch auf die Leiharbeitnehmer demotivierend aus, wenn Stammarbeitsplätze abgebaut und durch Leiharbeit ersetzt würden.

Leiharbeit rechtlich begrenzen

Die IG Metall fordert, Leiharbeit rechtlich zu begenzen, etwa mit einer Höchstüberlassungsdauer und natürlich eines Equal-Pay-Grundsatzes. Damit wäre nicht nur den Beschäftigten gedient, sondern letztlich auch den Unternehmen, um sie vor den negativen Auswirkungen von zu viel Leiharbeit zu schützen.

Die Chancen für eine Gleichbezahlung von Leiharbeitern und Stammbeschäftigten in deutschen Unternehmen stehen nicht schlecht. Dazu meldete sich am 15. August 2011 die Deutschland-Geschäftsführerin Vera Calasan von der Zeitarbeitsfirma Manpower in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zu Wort. Sie rechnet damit, dass spätestens mit dem Auslaufen des jetzigen Tarifvertrages eine Einigung zustande kommt. Das ist jedoch erst 2013 der Fall.

Die Zeit drängt

Die Bezahlung von Leiharbeitern muss so schnell wie möglich tariflich geregelt werden. Detlef Wetzel, Zweiter Vorsitzender der IG Metall, kündigte an: "Die IG Metall wird diesen Fragenkomplex am 12. September beraten und entscheiden, inwieweit das Thema in die nächste Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie einfließen wird."

In der Stahlbranche hat die IG Metall die gleiche Bezahlung für Leiharbeiter bereits 2010 per Tarifvertrag durchgesetzt. Zudem gibt es in über 1000 Unternehmen in Deutschland Besservereinbarungen. Auch nach der EU-Richtlinie haben Leiharbeitnehmer das Recht auf gleiche Bezahlung und gleiche Arbeitsbedingungen wie Stammbeschäftigte. Von dieser Richtlinie können Arbeitgeber nur unter ganz engen Voraussetzungen abweichen. Dass es trotzdem Schlupflöcher gibt, zeigt sich Tag für Tag in den Betrieben.

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asf_box_kampagne_leiharbeit
Hotline für Mitglieder

Für alle Fragen rund um die Leiharbeit hat die IG Metall für Leiharbeitnehmer, die Mitglied sind, eine Hotline eingerichtet. Unter 0800 - 4463488 können sie sich kostenfrei beraten lassen.

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