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Die Rolle der Rating-Agenturen bei der Griechenland-Krise

Rating entscheidet über Wohl und Wehe des Euro

21.07.2011 Ι Drei Privatunternehmen weltweit entscheiden darüber, wie kreditwürdig Unternehmen und Staaten sind. Die Rating-Agenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch bewerten die Zahlungsfähigkeit ihrer Kunden, zu denen auch Banken gehören, mit Noten von AAA bis D. Von ihrem Urteil hängt ab, ob und zu welchen Konditionen Kredite vergeben werden und zu welchem Preis Banken ihre Finanzprodukte verkaufen können.
Öffentlich in die Kritik gekommen sind Rating-Agenturen nicht erst durch die Euro-Krise. Praktisch keine einzige der großen Finanz- und Wirtschaftskrisen der vergangenen Jahrzehnte haben die Analysten vorausgesehen. Zuletzt bei der Finanzkrise seit 2007 zeigte sich, dass gute Noten bei Standard & Poor's, Moody's oder Fitch die Anleger nicht vor großen Verlusten schützen. Damals bekamen selbst hochriskante Finanzprodukte und schon angeschlagene Unternehmen die besten Ratings. Noch am Morgen des Tages, als Lehman Brothers zusammenbrach, hatte die Agentur Fitch die Bank mit der drittbesten Note A+ bewertet.

Vorhersagen sind praktisch unmöglich
In den USA müssen Unternehmen vor einer Zulassung für den Kapitalmarkt ein Rating von zwei der drei großen US-Rating-Agenturen vorlegen. Das soll unter anderem dem Verbraucherschutz dienen. Weil aber US-Pensionsfonds auch Länder-Anleihen kaufen dürfen, müssen sich auch Staaten einem Rating unterziehen. Wenn die Agenturen Länder bewerten, beurteilen sie die Wahrscheinlichkeit, dass ein Land seine Staatsanleihen in fünf oder in zehn Jahren den Anlegern zurückzahlen kann. Diese Vorhersage ist aber praktisch gar nicht möglich, weil sie von unendlich vielen Faktoren abhängig ist, etwa vom Wirtschaftswachstum und den damit verbundenen Steuereinnahmen, von der Höhe der Arbeitslosigkeit, von künftigen Wahlausgängen und Regierungsbildungen oder von überraschenden "Wirtschaftswundern".

Macht und Einfluss auch in Europa
Bis 2005 hatte die EZB auf die eigenen Volkswirte und deren Urteil vertraut. Ab Ende 2005 hat sie dann den großen US-Agenturen auch in Europa Macht und Einfluss gesichert. Die EZB knüpfte die Ausgabe von Euro an ein Euroland an die Bedingung, dass es von wenigstens einer der drei Rating-Agenturen mit mindestens A- bewertet wurde. Die Politik hoffte, dass die privaten Analyseunternehmen den Finanzmarkt disziplinieren würden: Schließlich konnten überschuldete Euroländer wie Griechenland oder Italien kaum höhere Zinsen genommen als etwa von Deutschland.

An den Rand des Abgrunds getrieben
Vorerst aber reagierte der Finanzmarkt nicht. Die Risikoaufschläge für Anleihen an die verschuldeten Euroländer blieben bis 2008 fast unverändert. Erst als Griechenland 2009 selbst Probleme mit der Neuverschuldung zugegeben hatte, verschlechterten die Rating-Agenturen die Noten drastisch. Nun reagierten auch die Märkte - und trieben das überschuldete Land immer schneller an den Rand des Abgrundes. Damit wird das Urteil der Rating-Agenturen zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Das Land bekommt Geld nur zu sehr teuren Konditionen und wird nur um so schneller in die Pleite getrieben.

Dem Treiben der Agenturen einen Riegel vorschieben
Ein Problem sind nach Einschätzung von Experten vor allem die Tatsache, dass nicht transparent ist, auf welchen Grundlagen die Noten vergeben werden. Auch die Methoden der Entscheidungsfindung sind umstritten: Sie funktionierten nur in wirtschaftlich ruhigen Zeiten, taugen aber nicht in Krisenzeiten. Als Privatunternehmen leben die Agenturen von ihren Kunden - den Unternehmen und Banken. Diese bestellen und bezahlen ihr eigenes Rating selbst. Interessenskonflikte sind dadurch nicht unwahrscheinlich. Dem Treiben der Rating-Agenturen muss nach Ansicht von Wirtschaftsexperten der IG Metall ein Riegel vorgeschoben werden. Die EU muss so schnell wie möglich von den Finanzmärkten unabhängige Rating-Institute unter Beteiligung der EZB schaffen.

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