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DGB-Index Gute Arbeit

Vereinbarkeit muss für alle möglich sein

17.11.2017 Ι Arbeitsbedingte Belastungen sowie ungünstige Lagen und Längen der Arbeitszeit erschweren es vielen Beschäftigten, Arbeit, Familie und private Interessen unter einen Hut zu bringen. Das zeigt eine aktuelle Studie des "DGB Index Gute Arbeit". Für Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall ist klar: "Wir müssen Arbeitszeit neu denken."

Gute Arbeit ermöglicht Beschäftigten, Arbeit, Familie und private Interessen unter einen Hut zu bringen. Vielen Beschäftigten allerdings gelingt die Vereinbarkeit der verschiedenen Lebensbereiche kaum beziehungsweise nur schwer. Das ist das zentrale Ergebnis der aktuellen Auswertung des "DGB-Index Gute Arbeit", der heute in Berlin vorgestellt wurde. Demnach wird die Vereinbarkeit zum einen durch Arbeitsstress gestört, der zu Erschöpfungszuständen nach der Arbeit führt. Zum anderen gibt es zeitlich bedingte Schwierigkeiten, die in einem Zusammenhang mit ungünstigen Lagen und Längen der Arbeitszeit stehen. "Die Befunde zeigen, dass Arbeitszeitmodelle von gestern nicht mehr zur Gesellschaft von heute passen", sagt Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall.


Atypische Arbeitszeit zu Lasten der Familie

Insgesamt 41 Prozent der Beschäftigten, das ergab die bundesweite Repräsentativumfrage 2017, sind nach der Arbeit sehr häufig oder oft zu erschöpft, um sich noch um private oder familiäre Angelegenheiten zu kümmern - bei den Männern sind es 37, bei den Frauen 47 Prozent. Auch mit  Vereinbarkeitsschwierigkeiten, die durch die Arbeitszeit entstehen, haben viele Beschäftigte zu kämpfen: 27 Prozent der Beschäftigten haben sehr häufig oder oft Schwierigkeiten, die Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Personen, für die sie verantwortlich sind, und private Interessen mit ihrer Arbeit zeitlich zu vereinbaren - 25 Prozent der Männer und 30 Prozent der Frauen. Die Ergebnisse der Befragung zeigen klar: Die weite Verbreitung von atypischen Arbeitszeitlagen an Wochenenden, abends und nachts sowie überlange Arbeitszeiten gehen zu Lasten familiärer und privater Angelegenheiten.

 


"Wenn mehr als jeder Vierte Befragte sagt, dass er oft oder sehr oft Schwierigkeiten hat, Privatleben und Arbeit zeitlich zu vereinbaren, dann zeigt das, wie drängend dieses Problem ist. Wir sprechen hier von Menschen, die ihre Kinder in die Schule oder die Oma zum Arzt bringen", sagte Jörg Hofmann bei der Vorstellung der Umfrage in Berlin. "Und jetzt kann man das wie die Arbeitgeber abtun und behaupten, 27 Prozent seien ja nur ein kleinerer Teil der Beschäftigten, die große Mehrheit sei ja zufrieden. Aber die Momentaufnahme zeigt nicht das ganze Bild." Zeitbedürfnisse seien nie statisch, sondern sie wechseln je nach Lebenslage. "Das Leben hat ja keinen Tempomat. Kinder brauchen ihre Eltern mal mehr, mal weniger. Plötzlich gibt es einen Pflegefall in der Familie. Und Körper und Geist sind auch nicht immer gleich funktionsfähig." Vor diesen Herausforderungen stehe jeder im Leben früher oder später. "Und deshalb brauchen wir mehr Selbstbestimmung bei der Arbeitszeit für alle Beschäftigten."


Alle Risiken auf die Beschäftigten abgeschoben

Allerdings: Seit Jahren gibt es auch in der Industrie steigende Flexibilisierungsanforderungen, der Druck ist mittlerweile immens hoch. "Die Arbeitgeber haben das Arbeitszeit-Modell 'Vollzeit plus Überstunden plus Leistung plus Flexibilität' zur Generallösung für alle Probleme modernen Wirtschaftens erklärt und bürden damit alle Risiken ihren Belegschaften auf", so Jörg Hofmann. "Dieses Mantra wollen wir brechen." Flexibilität dürfe keine Einbahnstraße sein. Darum gehe es auch in den Tarifverhandlungen mit der Arbeitgeberseite der Metall-Elektro-Industrie. Die Verhandlungen mit den Arbeitgebern starten in den Bezirken. "Die IG Metall fordert dabei einen verbrieften Anspruch für alle Beschäftigten, die Arbeitszeit zeitweise reduzieren zu können - etwa um in familiär angespannten Situationen Entlastung zu schaffen oder die eigene Gesundheit zu schützen", sagte der Erste Vorsitzende der IG Metall.


Nachtarbeit macht unzufrieden

Die aktuelle Auswertung des DGB-Index zeigt auch klar, welche Faktoren zur Unzufriedenheit führen. Ganz weit oben steht die Nachtarbeit. 52 Prozent in dieser Gruppe haben Probleme, Arbeit und Privatleben miteinander in Einklang zu bringen. Weitere Risikofaktoren sind Arbeitszeiten, die auf 48 Stunden oder mehr ausufern. In dieser Gruppe haben 46 Prozent Vereinbarkeitsprobleme. Dem folgen Beschäftigte, die oft am Abend noch arbeiten (45 Prozent) oder am Wochenende (44 Prozent). Ein weiterer Risikofaktor ist das Ständig-erreichbar-sein-müssen. Hier haben 44 Prozent der Beschäftigten Probleme, Arbeit und Privatleben miteinander zu vereinbaren.


"Das geht zulasten der Familien, der Erholung und der Gesundheit. Damit wollen wir, damit dürfen und damit werden wir uns nicht abfinden", so Jörg Hofmann. "Deshalb kämpfen wir für eine Wende bei der Arbeitszeit. Auf der Tarifebene genauso wie in der Politik." Dafür habe die IG Metall einen klaren Auftrag: "Mehr als 96 Prozent von den über 680 000 Teilnehmern unserer großen Beschäftigtenbefragung sagen ,Hände weg vom Arbeitszeitgesetz'", so der Erste Vorsitzende der IG Metall: "Die Menschen wollen auch in Zukunft ein starkes Arbeitszeitgesetz, mit Ruhezeiten, mit einem Recht auf Abschalten. Ich kann die Koalitionäre in spe nur warnen: Wer die bestehenden Schutzregeln schleifen will, hat die Beschäftigten in Deutschland geschlossen gegen sich."

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Werner Bachmeier
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