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DGB-Index Gute Arbeit 2012 zur Alterssicherung

DGB-Index Gute Arbeit 2012 zur Alterssicherung

Kein Vertrauen in die Alterssicherung

21.11.2012 Ι Die Menschen haben Angst vor Altersarmut. Das ist kein Wunder, so Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall. Angesichts des sinkenden Rentenniveaus, der Rente mit 67 und kaum altersgerechten Arbeitsplätzen befeuern Unternehmen und Politik geradezu die Ängste bei den Beschäftigten.

Es vergeht keine Woche, in der in den deutschen Medien nicht über das Thema Altersarmut debattiert wird. Zu Recht, denn es ist absehbar, dass künftig selbst Normalverdienende im Alter in Richtung Armut abrutschen. Ein Hauptgrund ist das Absinken des Rentenniveaus auf bis zu 43 Prozent bis zum Jahr 2030.


Arbeitnehmer mit einem Monatseinkommen von 2 500 Euro Brutto müssen dadurch künftig allein 35 Jahre lang Rentenbeiträge zahlen, nur um eine Rente knapp über der Grundsicherung im Alter zu bekommen. Bei einem Einkommen von 2 000 Euro wären dafür schon 43 Jahre nötig.


Schon heute mangelt es vielen Arbeitnehmern am Vertrauen in die Alterssicherung: 38 Prozent der Beschäftigten gehen davon aus, dass sie im Alter von ihrer Rente nicht leben können. So das Ergebnis einer Befragung des DGB-Index Gute Arbeit. "Die Zahlen des DGB-Index belegen eindeutig, dass ein weiteres Absenken des Rentenniveaus unverantwortlich ist. Hier gibt es keine Luft nach unten, sondern nur Luft nach oben", sagte Hans-Jürgen Urban. 


Dagegen gäbe es bei der Regelaltersgrenze keinen Spielraum mehr nach oben, höchstens nach unten. Denn derzeit sind im Organisationsbereich der IG Metall nur knapp ein Prozent der Beschäftigten über 63 Jahre alt und das zeigt, dass es die Arbeitsbedingungen nicht zulassen, dass die Menschen bis zur Rente noch arbeiten. Tatsächlich gibt es in kaum einem Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie altersgerechte Arbeitsbedingungen, das zeigt eine Befragung der IG Metall in ihrem Organisationsbereich unter Betriebsräten. Nach den Arbeitsbedingungen befragt, gaben 92 Prozent an, dass es "selten" oder "nie" Maßnahmen zur altersgerechten Arbeitsgestaltung gäbe. Zudem belegt diese Befragung, dass die Situation für Jüngere noch dramatischer ist. Fast 80 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass die Beschäftigten aus den Jahrgängen 1964 und jünger das gesetzliche Rentenalter nicht gesund erreichen werden.

Aktuell ist die Rentenkasse voll. Doch es ist kurzsichtig, nun den Rentenbeitrag abzusenken. Das führt nur dazu, dass die Rücklagen schneller aufgebraucht werden und die Rente entwertet wird. Auch ein Mini-Zuschuss, wie ihn die CDU/CSU und die FDP diskutiert, wird Altersarmut nicht verhindern. So wird das Vertrauen in die gesetzliche Rentenversicherung massiv erschüttert - und das, obwohl sie mitten in der Finanzkrise so gut da steht wie lange nicht mehr.


Daher fordert die IG Metall von der Politik, dass

  • es nach 45 Versicherungsjahren möglich sein muss, ohne finanzielle Einbußen früher in Rente zu gehen,
  • ab einem Lebensalter von 60 Jahren und 40 geleisteten Versicherungsjahren ein Ausstieg ohne finanzielle Einbußen ebenfalls möglich sein muss,
  • eine neue öffentlich geförderte Altersteilzeit geschaffen wird,
  • der Rentenzugang für Erwerbsgeminderte erleichtert wird und die Abschläge bei der Erwerbsminderungsrente gestrichen werden,
  • die Menschen ab 65 abschlagsfrei in Rente gehen können.

Unternehmen und Politik sind in der Pflicht, die Arbeitswelt gerechter zu machen, Möglichkeiten zu schaffen, damit die Menschen gesund in Rente gehen können und jedes Lebensalter mit seinen Bedürfnissen anerkannt und respektiert wird. Dazu gehört es, dass die Unternehmen die Arbeitsbedingungen alters- und alternsgerechter gestalten. Das ist nicht nur human, das ist auch produktiv.

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