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Detlef Wetzel über die Rolle der IG Metall in der Energiewende

Ökologisch und sozial nachhaltig

21.02.2013 Ι Die IG Metall versteht sich längst nicht mehr als reine Lohnmaschine. Sie sieht sich als treibende Kraft hin zu einem ökologischen Umbau der Industrie. Der Zweite Vorsitzende der Gewerkschaft Detlef Wetzel erklärt im Interview, was die Beschäftigten von einer "grünen" IG Metall haben.

Auf dem internationalen IG Metall-Kongress im vergangenen Dezember haben die Teilnehmer eine Erklärung verabschiedet, in der sie einen ökologischen Umbau der Industrie fordern. Warum ist das der IG Metall so wichtig?
Weil der entfesselte Kapitalismus auf Dauer die sozialen und ökologischen Grundlagen unserer Gesellschaft vernichtet, fordert die IG Metall einen grundlegenden Kurswechsel. Die Energiewende bietet uns die einmalige Chance, Schritt für Schritt auf ein nachhaltiges Wirtschaften umzusteigen. Diese Chance müssen wir nutzen. Nicht nur der Umwelt zuliebe. Es geht auch um den Erhalt und Ausbau von Beschäftigung und guter Arbeit.

Inwiefern?
Innovative Produkte und Verfahren sind der Schlüssel zur Zukunftsfähigkeit des Standorts Deutschland. Schon heute arbeiten 1,4 Millionen Menschen im Bereich der Umwelttechnik. Dass die deutsche Industrie mit ihrer breiten Produktpalette und hohen Innovationskraft im internationalen Wettbewerb bisher bestehen kann, verdankt sie ihrer wichtigsten Ressource: qualifizierten Fachkräften. 

Aber was haben die Beschäftigten davon, dass sich die IG Metall als Gewerkschaft der Energiewende begreift?
Eins ist klar: Ökologische und soziale Nachhaltigkeit gehen nur zusammen. Grüne Jobs zu frühkapitalistischen Arbeitsbedingungen wird es mit der IG Metall nicht geben. Die Beschäftigten in den Zukunftsbranchen brauchen - wie alle anderen auch - verbindliche Arbeitszeitregelungen, faire und transparente Löhne sowie passende Qualifizierungsmaßnahmen. Bei Bosch Solar in Erfurt, Siemens Windpower und Areva Wind haben wir das zum Beispiel bereits erreicht. Beim Windkraftanlagenhersteller Repower stecken wir mitten in Tarifverhandlungen.

Was haben die Beschäftigten in Unternehmen, die nicht zur Branche der erneuerbaren Energien zählen, von einer "grünen" IG Metall?
Auch für Branchen jenseits der Umwelttechnik gilt: Die Zeiten billiger Werkstoffe und preiswerter Energien sind vorbei. Eine Steigerung der Ressourceneffizienz ist da nicht nur eine Frage der ökologischen Vernunft, sondern auch der ökonomischen Notwendigkeit. Der Anteil der Material und Energiekosten im produzierenden Gewerbe in Deutschland beträgt mehr als 45 Prozent, die Lohnkosten liegen hingegen deutlich unter 20 Prozent. In einzelnen Bereichen der Metall- und Elektroindustrie noch weit darunter. Wenn Manager an Einsparpotenziale denken, fallen ihnen in der Regel aber immer nur die Personalkosten ein.

Wie lässt sich das ändern?
Nicht Billig-Strategien beim Lohn, sondern die Innovationsfähigkeit entscheidet über den nachhaltigen Erfolg von Unternehmen. Die IG Metall hat deshalb das Konzept "Besser statt billiger" entwickelt. Dabei zeigen wir den Unternehmen alternative Sparmöglichkeiten auf, die weder mit Beschäftigungsabbau noch mit schlechteren Arbeitsbedingungen einhergehen.

Wie muss man sich das vorstellen?
Ein Beispiel: Ein Unternehmen, das für Material und Energie zehn Prozent weniger ausgibt, spart mehr als doppelt so viel, als wenn es das Weihnachts- oder Urlaubsgeld nicht ausbezahlen würde. Oder: Allein mit modernen Druckluftsystemen lassen sich 35 Prozent der Energiekosten einsparen. Das ist nicht nur gut für die Umwelt. Das spart auch richtig Geld. Geld, das sich das Management nicht bei den Beschäftigten holen muss.

Dann sinkt die Stromrechnung des Unternehmens. Was bringt das den Beschäftigten?
Mit "Besser statt billiger" ist es schon oft gelungen, Standortschließungen zu verhindern und so Arbeitsplätze sowie flächentarifvertragliche Standards zu sichern. Erfolgreich ist das vor allem dann, wenn die Beschäftigten von Anfang an beteiligt sind und im Ernstfall den Konflikt nicht scheuen.

Wie hilft die IG Metall in solchen Fällen?
Für solche Krisensituationen haben wir vor vier Jahren eine Task Force mit eigenem Beraternetzwerk geschaffen, aus dem wir bei Bedarf auch Experten in die Betriebe vermitteln. Unser oberstes Ziel ist es, Entlassungen zu verhindern und betriebliche Strukturen zukunftsfähig zu gestalten. In vielen hundert Fällen ist uns das seither gelungen.

Müssen Unternehmen erst in Schwierigkeiten stecken, bevor sie sich auf eine solche Strategie einlassen?
Es stimmt. Zu häufig agieren wir noch als Feuerwehr. Unser Anspruch muss es aber sein, das Dach zu decken, solange die Sonne scheint. Das eröffnet Spielräume für gute Arbeits- und Lebensbedingungen. Daran arbeiten wir mit einer Vielzahl von Beratungsangeboten zum Thema Innovation. Betriebsräten, die das Thema Material- und Energieeffizienz in ihrem Betrieb anpacken wollen, bieten wir im Moment zum Beispiel einen Gutschein für eine kostenlose Erstberatung an. In den kommenden zwei Jahren werden wir außerdem im Rahmen unseres Projektes ARIBERA Betriebsräte zu Innovationspromotoren ausbilden und regionale Netzwerke aufbauen.

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Die IG Metall bietet Arbeitnehmer- vertretern das notwendige Wissen, damit sie den ökologischen Umbau in ihren Unternehmen vorantreiben und mitgestalten können. Interessenten können sich per E-Mail wenden an:

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Beratungsangebote und weitere Informationen zur Material- und Energieeffizienz finden Betriebsräte und Vertrauensleute im Extranet der IG Metall.

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Wie innovativ ist Ihr Betrieb? Das Diagnosewerkzeug InnoKenn hilft Betriebsräten und Unternehmen dabei,Stärken und Schwächen im Innovationsverhalten aufzudecken. Wer Interesse hat, das Tool auf CD zu bekommen,kann sich per E-Mail an arbeit-innovation@igmetall.de wenden.
Was heißt Besser statt Billiger?

Die Idee der IG Metall ist, Entgelt, Arbeitszeit und Arbeitsintensität dem "Billiger-Wettbewerb" zu entziehen. Stattdessen wollen wir gute Lebens- und Arbeitsbedingungen, eine hohe Produktqualität sowie Produkt- und Prozessinnovationen fördern. Wir helfen dabei, Argumente und Ideen für nachhaltige alternative "Besser-statt-billiger-Konzepte" im Betrieb zu entwickeln und umzusetzen. Unsere Ansätze:

  • Strategieworkshops und Zukunftswerkstätten
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  • Beratung zum Aufbau eines betriebswirtschaftlichen Frühwarnsystems
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