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Detlef Wetzel, Zweiter Vorsitzender der IG Metall

Detlef Wetzel über das Tarifergebnis, Leiharbeit und Hartz IV

Billigheimerei bricht Deutschlands Wirtschaftskraft

19.02.2010 Ι Der Zweite Vorsitzende der IG Metall Detlef Wetzel zeigt sich hochzufrieden mit dem in Nordrhein-Westfalen erzielten Tarifergebnis. Nun gelte es, die Herausforderungen des nächsten Aufschwungs im Auge zu behalten. Das Äußerungen von FDP-Chef Guido in der aktuellen Hartz-IV-Debatte bezeichnet er als Heuchelei.

Mit dem Tarifergebnis in Nordrhein-Westfalen haben die Unternehmen genügend Instrumente in der Hand, betriebsbedingte Kündigungen zu verhindern und Beschäftigung über die Krise hinweg zu sichern, bewertet Detlef Wetzel den Abschluss im Pilotbezirk. Mit der vereinbarten Entgelterhöhung in zwei Schritten sei zudem "deutlich mehr als die Reallohnsicherung" erreicht worden, sagt der Zweite Vorsitzende der IG Metall im Gespräch mit der "Braunschweiger Zeitung".

Signal für den öffentlichen Dienst?
Mit Blick auf die von ver.di im öffentlichen Dienst geführte Tarifauseinandersetzung bekräftigt Wetzel, man habe in der Metall- und Elektroindustrie eine andere Strategie anwenden müssen, da hier der Druck, Massenentlassungen zu verhindern, "unendlich höher" sei.  Er verteidigt das Forderungspaket der Dienstleistungsgewerkschaft: "Verdi sagt zu Recht, dass die Gehaltssteigerungen in den vergangenen zehn Jahren geringer ausfielen als beispielsweise bei uns." Das Tarifergebnis der IG Metall unterstütze daher die Position von ver.di.

Was kommt nach der Krise?
Für die Zeit nach der Krise sei mit einem weiteren Abbau der Stammbelegschaften zu Gunsten von Leiharbeit zu rechnen, bedauert Wetzel. Es gäbe Prognosen, nach denen im nächsten Aufschwung mit insgesamt 2,5 Millionen Leiharbeitnehmern zu rechnen sei. Davon dürften etwa 40 Prozent im Organisationsbereich der IG Metall zum Einsatz kommen. Dabei sei Laiharbeit nicht "zur Beschaffung billiger Arbeitskräfte", sondern zur vorübergehenden Flexibilisierung gedacht. 

Keine "Billigheimerei"
Nach Ansicht des Zweiten Vorsitzenden der IG Metall könne es nicht nur darum gehen, die Arbeitskosten zu drücken. Lohnsenkung allein schaffe keine Arbeit und es werde immer ein Land geben, "das uns im Preis schlägt". Die deutsche Wirtschaft könne daher nur mit Know-how, Qualität, Prozesssicherheit und einem hohen Kundennutzen überleben. Wetzel warnt: "Die Billigheimerei aber bricht die wirtschaftliche Kraft von Deutschland." Auch deshalb mache sich die IG Metall seit langem für einen Mindestlohn in der Leiharbeitsbranche stark. Mindestlöhne seien der einzige Weg, den derzeit viel diskutierten Lohnabstand zu sichern.

Debatte um Hartz IV
In der aktuellen Hartz-IV-Debatte wirft Wetzel dem FDP-Vorsitzenden Guido Westerwelle vor, das Klima auf "schäbige" Weise aus durchsichtigen parteipolitischen Motiven zu vergiften. Es sei richtig, bekräftigt Wetzel, dass jemand, der arbeitet, mehr Geld zur Verfügung haben sollten, als jemand der nicht arbeitet. Westerwelle versuche jedoch aus Opfern Täter zu machen: "Erst werden 20 Prozent der Leute in den Niedriglohnsektor gezwungen, andere werden arbeitslos, dann drückt man die Löhne und wirft den Menschen schließlich vor, dass der Lohnabstand nicht mehr eingehalten wird. Ein größeres Maß an Heuchelei habe er noch nicht erlebt, sagt der Gewerkschafter der "Braunschweiger Zeitung". Schließlich habe ausgerechnet die von Westerwelle vertretene Ideologie erst zu dieser Situation geführt.

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