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Delphi-Betriebsrat Reinhold Schung. Foto: Martin Leissl

Delphi-Betriebsrat in der Muckibude

Arbeitnehmervertreter fit gemacht

26.03.2010 Ι Die IG Metall-Betriebsräte beim Autozulieferer Delphi in Langenlonsheim in Rheinland-Pfalz haben mit einer besonderen Aktion für die Betriebsratswahl geworben: Sie machten sich mit einem zweistündigen Kampfsport-Training fit für harte Zeiten. Das Motto "Wir boxen Eure Rechte durch". Wir sprachen mit Reinhold Schug, dem Betriebsratsvorsitzenden, über die ungewöhnliche Aktion.

Reinhold, warum seid ihr ins Fitness-Studio zum Trainieren gegangen?
Wir wollten klar machen: Wir stecken in harten Zeiten. Und dafür wollen wir uns fit machen. Damit haben wir auch auf unseren Flugblättern geworben. Die Aktion kam sehr gut an: 80 Prozent Wahlbeteiligung. Bei der letzten Wahl waren es nur 62 Prozent. Aber es ging auch darum, uns gegenüber einer neuen gegnerischen Liste bei der Betriebsratswahl durchzusetzen.

Eine neue gegnerische Liste? Wie kommt das?
Wir hatten einen harte Restrukturierung bei Delphi Deutschland im letzten Jahr. In der Krise sind die Umsätze um ein Drittel eingebrochen. Die US-Mutter war in Insolvenz. Wir kämpfen ums Überleben. 140 von 670 Beschäftigten mussten bei uns am Standort in eine Transfergesellschaft gehen, vor allem im indirekten Bereich. Und das schieben einige Beschäftigte dem Betriebsrat in die Schuhe. Ausgerechnet in der Krise haben wir daher eine Listenwahl, statt zusammenzurücken.



Was werfen die Euch Eure Gegner denn genau vor?
Die andere Seite hat keine Ahnung, macht uns aber zum Sündenbock. Der Infofluss sei schlecht, sagen sie. Dabei haben wir immer alles im Intranet und per Aushang veröffentlicht. Und wir haben wirklich noch das beste rausgeholt für die 140, die gehen mussten: Aufhebungsverträge, Beschäftigungsgesellschaft.

Und wie lief die Betriebsratswahl für Euch?
Unter diesen Umständen gut. Wir haben 67 Prozent erreicht. Ein Riesenproblem war, dass der Arbeitgeber zwei Tage vor der Wahl alle 38-Stunden-Verträge gekündigt und in 35-Stunden-Verträge umgewandelt hat. Und das ist wieder uns in die Schuhe geschoben worden. Aber: Mit Unterstützung der IG Metall Bad-Kreuznach haben wir uns richtig reingekniet - auch mit solchen Aktionen wie im Fitness-Studio. Damit haben wir Aufmerksamkeit erregt, um die Leute aufzuklären. Wenn wir das hätten schleifen lassen, hätte es übel für uns ausgesehen.

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