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Bundesweiter Siemens-Aktionstag in Stuttgart. Foto: Hagen Reimer

Bundesweiter Siemens-Aktionstag

Gegen den Renditewahn

21.02.2013 Ι Bundesweit protestierten heute an vielen Siemens-Standorten die Beschäftigten gegen die Sparpläne des Konzerns. Sie fordern eine Abkehr vom kurzfristigen Renditedenken. Als global agierendes Unternehmen muss sich Siemens wieder auf das besinnen, was wirklich zählt: die Menschen, ihr Know-how und ihre Motivation.

Seit den frühen Morgenstunden kommt es heute an Siemens-Standorten zu Protesten. Die Beschäftigten wehren sich gegen den angekündigten Sparkurs des Konzerns und fordern eine Abkehr vom kurzfristigen Renditestreben. Unter dem Motto "Ohne Menschen keine Marge - Zukunft nur mit uns!" werden vielerorts Flugblätter an die Beschäftigten verteilt, die den Gegenentwurf der Arbeitnehmervertreter zum Kosteneffizienzprogramm "Siemens 2014" erläutern.

 

"Dieser Aktionstag ist eine laute und klare Botschaft an alle in- und außerhalb des Konzerns, die kurzfristige Renditeziele über die langfristigen Interessen von Siemens und der Siemensianer stellen. Nicht mit uns", sagte Jürgen Kerner, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall. Er sprach in Bocholt vor rund 2000 Siemens-Beschäftigten.
  

 

Protestaktion in Frankfurt, Foto: Sven Ehlers

 

"Was wir statt des ungezügelten Margenwahns und rigoroser Spar- und Personalabbauprogramme brauchen, ist 'Siemens 2020' - eine Unternehmenspolitik mit langem Atem. Eine Zukunft mit Arbeit", sagte Kerner. Im vergangenen Geschäftsjahr hatte Siemens das zweitbeste Ergebnis in seiner Firmengeschichte erreicht. Trotzdem verhält sich der Konzern wie ein Sanierungsfall, kritisiert Kerner. "Das versteht doch kein Mensch mehr", so Kerner. Er forderte Siemens auf, langfristige Perspektiven und Ziele anzugehen. Damit könne man die Menschen begeistern. Doch das Image des "Grünen Konzerns" werde von denen, die es ausgerufen haben, gnadenlos ramponiert.


Im Zuge von "Siemens 2014" hat das Unternehmen erklärt, sich von der solarthermischen Stromerzeugung, von der Photovoltaik, verschiedenen Wassertechnologien, von effizienten Gepäckfördersystemen sowie Brief- und Paketsortieranlagen zu verabschieden. Die Arbeitnehmervertreter haben eine ganze Palette konstruktiver Vorschläge. Sie fordern unter anderem, dass

  • die Wertschöpfung in Deutschland und Europa gestärkt wird,
  • die Aktivitäten sektorübergreifend angepackt und vernetzt werden,
  • in Zukunftstechnologien investiert wird, auch wenn diese nicht sofort eine 12-Prozent-Marge erzielen oder nicht zum Kerngeschäft gehören,
  • die Arbeitsbedingungen und das Arbeitsumfeld attraktiv gestaltet und
  • die Unternehmenskultur weiterentwickelt wird.

 


Die Kundgebungen finden teilweise in den Betrieben, aber auch außerhalb statt: Die Beschäftigten werden vielerorts an Infoständen oder durch Flugblätter informiert. Aber nicht nur: In Erlangen wurde dem Management die Gelbe Karte überreicht. In Berlin stiegen symbolisch Luftballons für die bedrohten Arbeitsplätze gen Himmel und in Stuttgart gab es die Postkartenaktion "Herr Löscher will bei Siemens in Rente gehen - wir auch". In Frankfurt tragen Beschäftigte mehrerer Standorte ihren Protest passenderweise vor die Börse, aus der der riskante Margendruck letztlich herrührt. Es gab auch Menschenketten, symbolische Geldsammlungen, Wunschzettelaktionen, Gewinnspielen und SMS-Aktionen an Beschäftigte im Montageeinsatz.  


Hintergrund des Aktionstages ist das Sparprogramm, das Vorstandschef Peter Löscher im November 2012 angekündigt hat. Danach will der Konzern bis 2014 etwa sechs Milliarden Euro einsparen. Bundesweit arbeiten bei Siemens 119 000 Beschäftigte.

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