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Bundesverdienstkreuz für Georg Keppeler; Foto: igmetall

Bundesverdienstkreuz für Georg Keppeler

Der Mensch ist unser Maßstab

26.03.2014 Ι Der Erste Bevollmächtigte der IG Metall in Olpe, Georg Keppeler kümmert sich darum, dass Arbeitslose wieder eine Chance auf dem Arbeitsmarkt bekommen. Im Interview spricht er über ehrenamtliches Engagement, die Politik der großen Koalition und die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes.

Georg, Du bist Erster Bevollmächtigter der IG Metall in Olpe, Vorstandsmitglied der IG Metall und stellvertretender Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft christlich-demokratischer Kolleginnen und Kollegen der IG Metall. Wofür hat Dir diese Woche Bundespräsident Joachim Gauck das Bundesverdienstkreuz verliehen?
Ich bin ehrenamtlicher Vorsitzender des Ketteler-Cardijn-Werks, einer Beschäftigungs-und Qualifizierungsgesellschaft. Sie wurde gegründet von Katholischer Arbeitnehmer-Bewegung und Christlicher Arbeiterjugend. Seit 30 Jahren sorgt diese Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft dafür, Arbeitslose mit Eingliederungshemmnissen in den ersten Arbeitsmarkt zu bringen.

Wie viele Menschen haben über diesen Weg Arbeit gefunden?
In dieser langen Zeit haben wir etwa 3000 Menschen in unterschiedlichen Maßnahmen trainiert und beschäftigt. Wie viele davon auf Dauer Zugang zum ersten Arbeitsmarkt gefunden haben, kann ich nicht sagen. Es geht aber immer darum, bei Problemen sozialverträgliche Lösungen zu finden ganz nach dem Motto "Der Mensch ist unser Maßstab".

Welchen Stellenwert hat für einen hauptamtlichen IG Metaller ehrenamtliches Engagement?
Unsere Gesellschaft lebt, egal ob in Gewerkschaft, Partei, in Kultur oder auch im Sport, vom ehrenamtlichen gesellschaftlichen Engagement. Hier unterscheide ich mich nicht von sehr vielen anderen Mitgliedern in der IG Metall. Auch für Hauptamtliche muss das möglich bleiben.

Welche Rolle spielt die Arbeitsgemeinschaft der Christlich-Sozialen innerhalb der IG Metall?
Eine starke und durchsetzungsfähige IG Metall funktioniert nur durch die Beteiligung aller politischen Strömungen. Die Christlich-Sozialen sind eine der tragenden Säulen der Einheitsgewerkschaft. Die Arbeitsgemeinschaft christlich-demokratischer Kolleginnen und Kollegen sieht sich als Vertreter derjenigen IG Metall-Mitglieder, die sich der christlich-sozialen Bewegung zurechnen. Grundlage für unser Handeln in der Einheitsgewerkschaft sind die Sozialpartnerschaft und christliche Gesellschaftsethik.

Für die IG Metall gehen die Pläne der großen Koalition bei vielen Themen in die richtige Richtung. Wie viel CDA steckt im Koalitionsvertrag?
Angela Merkel und die CDU haben gemerkt, dass man ohne breite Unterstützung der abhängig Beschäftigten keine Wahlen erfolgreich bestehen kann. Mit dieser Erkenntnis hat der Einfluss der CDA zugenommen. Die Pläne beim Mindestlohn oder zur Leiharbeit spiegeln diesen Einfluss wieder.

Wie bewertest Du die Rentenpläne der Regierung?
Sie gehen zwar in die richtige Richtung. Insgesamt ist es aber zu kurz gesprungen, weil nur ein kleiner Fortschritt damit verbunden ist. Wir sind vom ungekürzten Ausscheiden nach 45 Versicherungsjahren für alle noch weit entfernt.

Wie ist es mit den Eckpunkten für einen allgemeinen Mindestlohn, für den sich die CDA mit ihrer Kampagne "Weil Arbeit wertvoll ist" eingesetzt hat?
Die CDA will einen robusten Mindestlohn, der Bestand hat und regelmäßig an die Entgeltentwicklung angepasst wird. Einen Flickenteppich von Branchen und Regionen wollen wir nicht. Wer eine Altersgrenze wünscht, dem rate ich zu mehr Vertrauen in unsere Jugend. Diese will eine qualifizierte Berufsausbildung und lässt sich mit vorübergehenden, nur zunächst besseren Verdiensten nicht ködern.

Die CDA wirbt für Betriebsratswahlen, Mitbestimmung ist ihr wichtig. Was ist mit der Ausweitung der Mitbestimmung bei Werkverträgen wie von der IG Metall gefordert?
Die Idee der paritätischen Mitbestimmung ist Markenkern der christlichen Gesellschaftslehre und geht vom Gleichgewicht von Kapital und Arbeit aus. Ihr Ursprung ist die Idee des machtverteilenden Prinzips. Betriebsverfassung und die Mitbestimmung bei wirtschaftlichen Angelegenheiten und damit auch die Mitbestimmung bei Werkverträgen gehören selbstverständlich dazu.

Wo seht die Arbeitsgemeinschaft weiteren Handlungsbedarf für die Regierung, Stichwort Energiewende und Industriepolitik?
Man hat den Eindruck, die große Koalition hat bei der Energiewende bisher noch nicht den richtigen Kurs gefunden. Unser Land hat nur eine Chance mit einem starken Industriebesatz, bei Nutzung von umweltfreundlich hergestellter und bezahlbarer Energie.

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