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Betriebsrätepreis 2017: Sonderpreis für die Saarstahl AG

"Unser Saarland hat ein Herz aus Stahl"

05.07.2017 Ι Die Stahlindustrie in Deutschland ist bedroht: Überharte Klimaschutzauflagen und Dumping-Konkurrenz summieren sich zu einer existenziellen Belastung. Bei der Saarstahl AG wehren sich die Beschäftigten - mit kreativen Ideen.

Die Ausgangssituation? Die Ausgangssituation ist schnell beschrieben, sie ist, zusammengefasst in einem Wort: dramatisch. "Die Stahlindustrie wird derzeit existenziell bedroht", sagt Stephan Ahr, der Konzernbetriebsratsvorsitzende der Saarstahl AG. "Uns war klar, dass wir kämpfen müssen, wenn wir nicht zulassen wollen, dass hier in der Region Arbeitsplätze wegbrechen und wir womöglich so enden wie einst der Bergbau."

Nun, sie haben gekämpft. Sie haben viel erreicht. Dafür werden sie jetzt ausgezeichnet: Obwohl etwas abseits der Projekt-Regularien würdigt die Jury des Deutschen Betriebsrätepreises auf besondere Weise den Konzernbetriebsrat der Saarstahl AG in Völklingen. Mit der Kampagne "Unser Saarland hat ein Herz aus Stahl" hat er, so die Juroren, eine vorbildliche Aktion geschaffen, die zum Nachahmen aufruft. "Wir haben gezeigt, dass wir uns wehren", sagt Stephan Ahr. "Wir haben gezeigt, dass wir alle zusammenstehen. Eine ganze Region."

Das ist wichtig, schließlich ist die Stahlindustrie existentiell für das Saarland. Die Stahlindustrie ist der größte Arbeitgeber des kleinen Bundeslandes. Seit Anfang 2016 steht die Saarstahl AG vor der größten Bewährungsprobe ihrer mehr als 150 jährigen Firmengeschichte - denn im Dezember 2015 haben sich die Teilnehmenden Staaten des Weltklimagipfels in Paris auf ein Ziel geeinigt: Die Erderwärmung soll auf weniger als 2 Grad Celsius begrenzt werden, womöglich gar auf 1,5 Grad. "Als sauberer Standort begrüßen wir das Abkommen", sagt Stephan Ahr. "Allerdingst stellt es uns vor gewaltige Probleme."

Um die vorgegebenen Werte erfüllen zu können, soll der weltweite CO2-Ausstoß verringert werden. Für Saarstahl aber ist das kaum mehr möglich. "Wir haben den Prozess bei unserer Roheisenerzeugung bereits soweit optimiert, dass wir den uns möglichen, geringsten technisch möglichen Ausstoß von CO2 erreicht haben." Um die Produktion aufrecht zu erhalten, seien sie deshalb gezwungen, Lizenzen zu kaufen, erzählt Stephan Ahr. "Im besten Falle würde das im Zeitraum 2021 bis 2030 rund 400 Millionen Euro Mehrbelastung bedeuten, im schlimmsten Fall 1 Milliarde Euro. Es ist eine Summe, die wir nicht aufbringen können."

Für die Betriebsräte der Saarstahl AG ist klar, dass das Abkommen Arbeitsplätze gefährden kann: Rund 22000 Menschen allein im Saarland seien direkt oder indirekt von der Stahlindustrie abhängig, erzählt Stephan Ahr, in Deutschland seien es sogar über 1 Million Menschen. Ebenso klar für die Betriebsräte der Saarstahl AG war, dass sie alle zusammen anpacken müssen.

Das tun sie - und sind dabei äußerst erfolgreich. "Gemeinsam mit der IG Metall haben wir das Konzept "Stahl ist Zukunft!" entwickelt und vorangetrieben", sagt Stephan Ahr. "Wir haben aber nicht nur dieses große Konzept mit aller Kraft verfolgt, sondern noch ein eigenes zur Ergänzung kreiert, um mit "Unser Saarland hat ein Herz aus Stahl" gezielt auf die Saarländische Bevölkerung einzuwirken." Sie erarbeiten ein Kommunikationskonzept, erreichen über Zeitungen, im Fernsehen und Radio eine breite Bevölkerungsschicht, sensibilisieren die Saarländer für ihr Thema. "Wir haben es geschafft, dass auf Landes-, Bundes- und sogar auf europäischer Ebene Diskussionen in Form einer "Stahldebatte" für den Erhalt dieser Letzen großen Grundstoffindustrie geführt werden", erzählt Stephan Ahr. "Wir geben nicht auf und verfolgen dieses Ziel mit aller Macht. Die bisherigen Erfolge geben uns Recht, dass wir auf einem guten Weg sind."

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