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Mitarbeiter von Wincor Nixdorf in Taucha kämpfen für gerechte Entgelte; Foto: Fotolia

Betriebliche Aktionen bei Wincor Nixdorf in Taucha

Mutig kämpfen für gerechte Entgelte

20.06.2012 Ι Wincor Nixdorf praktiziert bei seiner Tochtergesellschaft in Taucha bei Leipzig eine extrem unterschiedliche und ungerechte Bezahlung. Dagegen solidarisieren sich die Beschäftigten, überwiegend Frauen, und demonstrieren mit betrieblichen Aktionen ihre Geschlossenheit.

Den Namen Wincor Nixdorf kennen viele vom Bankautomaten. Die Geräte des Unternehmens drucken Kontoauszüge und zahlen Bargeld aus. Wincor Nixdorf gehörte ursprünglich zum Siemens Konzern, 1999 wurde es herausgelöst. Seitdem gilt für alle deutschen Mitarbeiter von Wincor Nixdorf der Metalltarif NRW, unabhängig vom tatsächlichen Arbeitsort in Deutschland.

Tarifbindung scheibchenweise aufgegeben
Seit 2004 gründete Wincor Nixdorf eine Reihe von Tochtergesellschaften und verabschiedete sich Zug um Zug von der Tarifbindung. In einem der neuen Tochterfirmen, der Wincor Nixdorf BAC in Taucha bei Leipzig, ist vor diesem Hintergrund jetzt ein Konflikt entbrannt. In Taucha werden seit 2010 die kaufmännischen Aufgaben zur Abwicklung aller deutschen Aufträge erledigt. Die Niederlassung erwirtschaftet gute Gewinne.  

Ein Teil der Belegschaft wird weiter nach Tarif bezahlt. Das gilt vor allem für die langjährigen Mitarbeiter. Darüber hinaus wurden in den vergangenen beiden Jahren weitere Beschäftigte vor Ort eingestellt. Das ging nach dem Motto: "Wie bekomme ich hochqualifiziertes Fachpersonal, zum Teil studierte Betriebswirtschaftler, möglichst billig", sagt der IG Metall-Bevollmächtigte von Leipzig, Bernd Kruppa.

Gewaltiger Unmut
Bei den neu eingestellten Mitarbeiter wird nämlich an allen Ecken und Enden gespart: Sie bekommen weniger Urlaubstage, kein Weihnachts- und Urlaubsgeld und keine  Leistungszulage. Sie müssen fünf Stunden in der Woche länger arbeiten und das alles zu einem deutlich niedrigeren Entgelt. "Sie liegen mit ihren Einkommen zum Teil mehr als 30 Prozent unter Tarifniveau", sagt die Betriebsratsvorsitzende Manuela Grimm.

Die Mitarbeiter von Wincor Nixdorf in Taucha tauschten sich offen über die unterschiedlichen Arbeitsbedingungen aus und merkten schnell, wohin der Hase läuft. Sie stellten fest, dass sie trotz gleicher Voraussetzungen wie Alter, Ausbildung und Berufserfahrung zu völlig unterschiedlichen Konditionen arbeiteten. Die langjährigen Beschäftigten begannen, um ihre Arbeitsbedingungen zu bangen. Denn es blieb ihnen ja nicht verborgen, zu welch schlechten Arbeitsbedingungen die "Neuen" eingestellt worden sind. Jedem war klar, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis diese Arbeitsbedingungen sie selbst einholen würden.

Verhandlungsweg erschöpft
2011 wurde eine betriebliche Tarifkommission gebildet, die den Arbeitgeber zu Verhandlungen aufforderte. Ziel: Gleiche Entlohnung der Beschäftigten und Abschluss eines Tarifvertrages. Erst nach langem Zögern willigte der Arbeitgeber in die Verhandlungen ein und legte ein mageres Angebot vor, das jedoch völlig unzureichend war. Ende Mai 2012 stellte die betriebliche Tarifkommission das Scheitern der Verhandlungen fest. Es kam spontan zu einer betrieblichen Aktion. Alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen verließen pünktlich zum Ende der Dienstleistungszeit um 15 Uhr das Büro und trafen sich zu einer Mitgliederversammlung.

"Nachdem der Verhandlungsweg erschöpft ist, wird es im Juni weitere betriebliche Aktionen geben, auch Arbeitskampfmaßnahmen sind nicht ausgeschlossen", sagt Bernd Kruppa. Betriebsrat und Belegschaft stehen geschlossen da, zumal fast alle inzwischen Mitglied in der IG Metall geworden sind.

Wille zur Veränderung
Die monatelange Hinhaltetaktik des Arbeitgebers hat die Belegschaft zusammengeschweißt. Auch diejenigen, die noch Tarif bekommen, wissen, dass sie etwas zu verlieren haben. Weil Wincor Nixdorf für seine Tochtergesellschaft die Tarifbindung aufgegeben hat, ist abzusehen, dass auch die Entgelte der Tarifbeschäftigten mittelfristig sinken werden. "Dem treten nun die Frauen  sehr selbstbewusst entgegen. Sie wissen, dass sie etwas verändern wollen", sagt die Metallerin Grimm.

"Die Kolleginnen und Kollegen gehen auch völlig offen damit um, dass sie in der Gewerkschaft sind, was bei uns im Osten beileibe nicht selbstverständlich ist."  Grimm ist zuversichtlich, dass die Beschäftigten auf einem guten Weg sind, sich bessere Arbeitsbedingungen zu holen, als sie der Arbeitgeber sie bislang gewähren will: "Schlechte Arbeitsbedingungen entstehen da, wo Arbeitgeber vermuten, dass sich die Belegschaften nicht dagegen zur Wehr setzen. Bei uns läuft das jetzt nicht mehr."

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Wozu sind Tarifverträge gut?

Tarifverträge regeln Löhne, Gehälter und Vergütungen für Auszubildende - aber auch die Zahl der Urlaubstage, Urlaubs- und Weihnachtsgeld und wie lange Beschäftigte arbeiten müssen. Ohne Tarifverträge sind die Arbeitszeiten länger und der Urlaub kürzer - laut Gesetz nur 20 Arbeitstage. Meist gelten die Tarifverträge für ein Jahr oder auch länger. Wenn sie ablaufen, wird über neue verhandelt.

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