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Bessey Steel Bietigheim

Mit Streik zurück in die Tarifbindung

11.03.2015 Ι Lange Monate hatten der Betriebsrat von Bessey Stahl und die IG Metall Ludwigsburg vergeblich über eine Tarifbindung verhandelt - auch Warnstreiks haben nichts gebracht. Fünf Tage Streik waren nötig, ehe die Geschäftsleitung nachgab. Jetzt ist der Hersteller von Präzisionsstahl aus Bietigheim-Bissingen wieder Mitglied des Arbeitgeberverbandes und damit voll tarifgebunden.

Die Freude über den erfolgreichen Arbeitskampf ist groß bei den 80 Beschäftigten, berichtet Horst Schoch, der betriebliche Streikleiter. "Alle können jetzt vom neuen Tarifabschluss 2015 profitieren, was will man mehr?" - "Wir haben dem Arbeitgeber unser Recht abgetrotzt und uns Respekt verschafft", sagt Sabine Grau, die Vorsitzende der IG Metall-Vertrauensleute.
 
Mit dem Jahreswechsel 2013/2014, ausgerechnet zum 125-jährigen Firmenjubiläum trat Bessey aus dem Arbeitgeberverband Südwestmetall aus. Gleichzeitig wurde der Betrieb mit rund 250 Beschäftigten in die Bereiche Präzisionsstahl und Tools aufgespalten. Während Tools sich nach zähen Verhandlungen und Warnstreiks die Tarifbindung bald wieder zurückholte, stellte sich die Geschäftsleitung bei Stahl stur.

Die Arbeitszeit sollte unbezahlt auf 42 Stunden verlängert, Urlaubs- und Weihnachtsgeld komplett gestrichen werden. Schon in den Jahren vorher wurden übertarifliche Leistungen abgebaut, es hakte bei der Umsetzung des Era-Tarifvertrags und den korrekten Eingruppierungen. "Wir waren in einer richtigen Abwärtsspirale und fühlten uns respektlos behandelt", sagt Grau. Als besonders empörend empfanden es die Beschäftigten, dass sie für hausgemachte Probleme des Managements geradestehen sollten. Viele Jahre wurde nicht mehr in den Betrieb investiert, so dass die Gewinne zurückgingen, berichtet Grau. "Die notwendigen Mittel wollte sich die Geschäftsleitung mit Einschnitten bei der Belegschaft holen."

 


Große Mehrheit für Arbeitskampf

Als im Februar nach monatelangem Verhandlungsmarathon die Vorstellungen von Geschäftsleitung und Beschäftigten noch immer weit auseinanderlagen, "hatte die Belegschaft endgültig genug und entschloss sich zum Streik", sagt Sabine Grau. In der Urabstimmung votierten 89 Prozent der stimmberechtigten IG Metall-Mitglieder für den Arbeitskampf. Gleich am folgenden Tag ging es los. "Trotz eisiger Kälte steht der Streik", meldete am dritten Tag Markus Linnow, der Streikleiter der IG Metall. Fünf Tage stand die Produktion still, dann warf die Geschäftsleitung das Handtuch. In einer E-Mail an den Ludwigsburger Bevollmächtigten Konrad Ott erklärte sie ihren sofortigen Wiedereintritt bei  Südwestmetall und damit die Rückkehr zur Tarifbindung.

 

"Das Streikziel wurde zu 100 Prozent erreicht", sagt Horst Schoch am Ende
der Auseinandersetzung. Mit rund 90 Prozent Ja-Stimmen wurde das Ergebnis in der Urabstimmung angenommen. Schoch und Grau zeigten sich überrascht darüber, dass die Geschäftsleitung so bald aufgegeben hat. "Wir waren darauf eingestellt, dass es länger dauern wird. Die Geschäftsleitung hat uns unterschätzt." 

"Mich als Gewerkschafter der jungen Generation haben die große Solidarität und die Disziplin der Streikenden besonders beeindruckt", sagt Markus Linnow.

"Alle Beteiligten sind stolz auf diesen Erfolg." Die Streikenden wiederum freuten sich über die große Unterstützung aus den Betrieben der Region und die des baden-württembergischen Bezirksleiters Roman Zitzelsberger. "Das hat uns sehr geholfen", sagt Grau. "Wichtig ist das Signal an andere Betriebe", so Linnow, "die Arbeitgeber können sich nicht alles erlauben, die Beschäftigten wehren sich." - "Auf diesem Erfolg gilt es jetzt aufzubauen und  dranzubleiben", sagt Konrad Ott. "Die Arbeitgeber werden uns auch künftig nichts freiwillig geben."

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