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Beschäftigungssicherung: Berthold Huber im Interview

Beschäftigungssicherung: Berthold Huber im Interview

"Eine Nullrunde kommt nicht in Frage"

11.02.2010 Ι In den Sondierungsgesprächen über ein "Jobpaket" für die Metall- und Elektroindustrie wurde aus Sicht der IG Metall ein Stand erreicht, der es ermöglicht, jetzt konkret zu verhandeln. Dazu ein Interview mit Berthold Huber.

Seit Dezember hat die IG Metall mit den regionalen Arbeitgeberverbänden Sondierungsgespräche geführt. Obwohl die Entgelt-Tarifverträge erst Ende April auslaufen. Warum so früh?
Weil die Krise noch lange nicht vorbei ist und wir jetzt dringend Instrumente schaffen müssen, um die Beschäftigung zu sichern. Wir gehen davon aus, dass es noch mindestens zwei Jahre dauert, bis wir die Verluste aufgeholt haben. Wenn wir jetzt nichts dagegen unternehmen, drohen bis 2012 bis zu 700 000 Arbeitsplätze in der Metall- und Elektroindus­trie verloren zu gehen.

Und die Chancen stehen gut, dass es bald Lösungen gibt?
Die Sondierungsgespräche haben gezeigt, dass wir substanziell vorankommen. Darum hat der Vorstand ja beschlossen, dass jetzt offiziell verhandelt wird, und zwar in Nordrhein-Westfalen und in Baden-Württemberg.

Das heißt, es gibt jetzt vorgezogene Tarifverhandlungen.
Ja. Und es muss sich jetzt sehr schnell zeigen, ob wir einen Abschluss hinbekommen.

Warum in NRW und in Baden-Württemberg?
Weil wir in diesen beiden Tarifgebieten Gesprächsstände erreicht haben, die uns aussichtsreich genug erscheinen, um bundesweite Vereinbarungen für eine wirksame Beschäftigungssicherung zu erzielen.

Was sind denn bei den Verhandlungen die Kernpunkte für die IG Metall?
Vor allem diese: Wir wollen Beschäftigung sichern, auch wenn die Kurzarbeit ausgeschöpft ist. Darum wollen wir die gesetzliche um eine tarifliche Kurz­arbeit ergänzen. Wir wollen sicherstellen, dass junge Leute, die ihre Ausbildung erfolgreich beendet haben, nicht in der Arbeitslosigkeit landen. Und: die Reallöhne sichern.

Das heißt: Beim Entgelt gibt es keine Nullrunde?
Genau. Eine Nullrunde kommt nicht in Frage. Das Entgelt wird mitverhandelt. Ob dabei am Ende eine Einmalzahlung oder eine prozentuale Erhöhung herauskommt - das ist alles offen.

Es gibt ja auch Forderungen an die Politik. Spielt die schwarzgelbe Koalition mit?
Bei einem Punkt ja. Seit Januar kann Kurzarbeitergeld bis zu 18 Monate beantragt werden. Aber die Arbeitsagenturen erstatten den Unternehmen nur noch bis Ende 2010 die kompletten Sozialversicherungsbeiträge vom siebten Monat an. Wir fordern, diese Sonderregelung auch auf 18 Monate zu verlängern. Dazu gibt es positive Signale aus Berlin.
Bei der tariflichen Kurzarbeit wollen wir einen Teillohnausgleich erreichen. Den soll der Gesetzgeber für eine begrenzte Zeit von Sozialabgaben befreien. Dieser Punkt ist noch nicht entschieden.

 

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