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Beschäftigung in Deutschland. Foto: Fotolia.de/Timur D

Beschäftigung in Deutschland

Wahrheit und Statistik

11.10.2010 Ι Durchschnittlich arbeitet ein deutscher Arbeitsnehmer 10,8 Jahre in einem Betrieb. Das zeigen Untersuchungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Sind deswegen die Zahlen, die auf stärker prekärer werdende Arbeitsverhältnisse hinweisen, widerlegt? Keineswegs.

"Eine Studie widerlegt Gewerkschaftsthesen" behauptet keck die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Als Begründung wird eine neue Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) herangezogen.
Danach hat sich die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit deutscher Arbeitnehmer von 10,3 Jahren 1992 auf 10,8 Jahre in 2008 erhöht. Reicht diese Zahl um daraus abzuleiten, dies "widerspricht den Klagen von Gewerkschaften über eine gefährlich Zunahme unsicherer Beschäftigungsverhältnisse"?

Wie aussagekräftig ist Statistik?
Schauen wir genauer hin. Selbst die IAB Statistik zeigt: Seit 2004 nimmt langsam die Dauer der Betriebszugehörigkeit ab. Wenn es einen Trend für die letzten vier Jahre (die IAB-Zahlen gehen nur bis 2008) gibt, dann ist dieser negativ. Zudem bleibt die Frage, was ein statistischer Mittelwert über die empirische Wirklichkeit realer Beschäftigter aussagt? Der IAB-Bericht weist selbst auf dieses  Problem "stark aggregierter Form"  hin. Hinter dem Mittelwert kann sich genau so gut eine Aufspaltung auseinanderdriftender Beschäftigtengruppen verbergen. Wer einen festen Job hat, versucht in mit allen Mitteln zu behalten, wer keinen hat nimmt jede andere Beschäftigungsform an.

Das Problem sind die Neueinstellungen
In zehn Jahren (1998 bis 2008) hat sich die Zahl der abhängig Beschäftigten von 29 Millionen auf 30,65 Millionen erhöht. Der Anteil der Normalarbeitnehmer mit unbefristeter Vollzeitstelle ist in diesem Zeitraum von 82 Prozent auf 75 Prozent zurückgegangen. Die Zahl atypischer Beschäftigten hat sich im gleichen Zeitraum um 46 Prozent erhöht. Nachzulesen beim Statistischen Bundesamt (2009). Fast jede zweite Neueinstellung 2009 ist befristet. In Betrieben mit mehr als 250 Beschäftigten liegt dieser Anteil sogar bei 67 Prozent, von drei neuen Stellen ist also nur eine unbefristet. Nachzulesen beim IAB (2010). Die junge Generation ist besonders betroffen. Von den bis zu 25-jährigen haben 40 Prozent keine unbefristete Vollzeitstelle, sondern sind atypisch beschäftigt. Das haben die Arbeitsmarktforscher um Thomas Langhoff herausgefunden. Die Leiharbeit hat nach der Krise einen historischen Höchststand von 826 000 Personen im Juni 2010 erreicht. Das sind keine Gewerkschaftsrechnungen, sondern Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft.

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