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Industrie 4.0

Beschäftigte und Industrie 4.0

Mit guter Qualifizierung wird ein Schuh draus

25.09.2014 Ι Industrie 4.0 wird nur erfolgreich sein, wenn man die Beschäftigten mitnimmt und ihnen frühzeitig Chancen zur Beteiligung und Qualifizierung bietet. Denn auch künftig wird Expertenwissen gebraucht, das kein noch so schlaues Netzwerk ersetzt.
Der Begriff Industrie 4.0 ist derzeit in aller Munde. Manche halten ihn für ein Modewort. Tatsache ist, dass sich die industrielle Welt durch die Möglichkeiten der Digitalisierung und Vernetzung verändert. Ob das so rasant vonstatten geht, wie manche Technikverliebte glauben, sei dahin gestellt. Die IG Metall plädierte auf der 6. Engineering und IT-Tagung, bei Industrie 4.0 mit Besonnenheit und Augenmaß vorzugehen.

Umsetzung in der Praxis dauert Jahre

Noch kennt niemand die wirklichen Dimensionen von Industrie 4.0. Bei der sogenannten vierten industriellen Revolution geht es um die Vernetzung von realer und virtueller Welt (Internet der Dinge). Produktions- und Informationstechnologien werden zusammengeführt. Maschinen, Geräte und Beschäftigte sind in diesem Szenario innerhalb eines Unternehmens vollständig vernetzt. Viele Jobs gerade im verarbeitenden Gewerbe werden davon betroffen sein. 

"Noch sind längst nicht alle Prozesse miteinander vernetzt, allenfalls Teilbereiche sind davon bisher betroffen", erklärte Lars Windelband, Professor an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd auf der Engineering und IT-Tagung der Hans-Böckler-Stiftung in Zusammenarbeit mit der IG Metall. Die Umsetzung vom Internet der Dinge wird in der Praxis noch einige Jahre dauern. Doch schon heute muss man sich mit der Frage beschäftigen, was für die einzelne Fachkraft noch zu tun bleibt, wenn in einer smarten Fabrik alle Teile miteinander kommunizieren. Entscheidet noch der Mensch oder die Technik? Wo hat der Mensch noch die Möglichkeit einzugreifen? Werden die Beschäftigten zur kleinen Rädchen im Getriebe ohne nennenswerte Handlungskompetenz, weil sie den Überblick des komplexen Gesamtprozesses verlieren? Oder werden durch Industrie 4.0 immer mehr Spezialisten gebraucht? 

Gefragt ist Überblickswissen

Nach Einschätzung von Experten dürften sich durch Industrie 4.0 die Anforderungen an technische Bildung erhöhen. "Das Prozesscontrolling gewinnt an Bedeutung", meint Lars Windelband. Einer muss das Überblickswissen über die Prozesse haben, er muss Daten zu Wartung, Service und Reparatur interpretieren können. Durch Industrie 4.0 steigen die Anforderungen an die Kompetenz eines Prozesscontrollers, ein Beruf, den es noch nicht gibt, der aber im Zuge der Entwicklung von Industrie 4.0 entstehen könnte.  

Der Erfolg von Betrieben mit Industrie 4.0 wird entscheidend auch davon abhängen, ob es ihnen gelingt, dabei die Beschäftigten einzubeziehen und mitzunehmen. Christiane Benner, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, plädierte auf der Tagung für Gute Arbeit in der digitalen Welt. Beschäftigte brauchen Persönlichkeitsschutz und Souveränität, Bildung und Entwicklungschancen. Gerade das Thema Weiterbildung ist ein Dauerbrenner in den Betrieben. Die Beschäftigtenbefragung der IG Metall hat ergeben, dass selbst 46 Prozent der Hochqualifizierten keine aktive Unterstützung bei ihren Weiterbildungsbemühungen erfahren. Oft fehlen Zeit und Geld dafür. Die IG Metall packt deshalb das Thema in der Tarifrunde 2015 an.  

Qualifizierung ist strategischer Erfolgsfaktor

Gerade in der digitalisierten Welt heißt Gute Arbeit auch gute Bildung in allen Lebensphasen und berufliche Entwicklungschancen für alle. Qualifizierung wird zum strategischen Erfolgsfaktor für Unternehmen und jeden Einzelnen. Das gilt in besonderem Maße für Industrie 4.0. Bisher werden die Folgen der Digitalisierung für die Menschen zu wenig berücksichtigt. Der Erste Vorsitzende der IG Metall, Detlef Wetzel, forderte deshalb eine fundierte Technikfolgenabschätzung von Industrie 4.0 aus der Perspektive der Beschäftigten. "Wir brauchen eine Vorstellung davon, was auf uns zukommt. Dann können Wirtschaft, Politik und IG Metall die richtigen Maßnahmen für gute digitale Arbeit entwickeln", sagte Wetzel.

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Links und Zusatzinformationen
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Industrie 4.0 und "Smart Factory"

Hintergründe zum Arbeitskreis Industrie 4.0 und zu den Umsetzungsempfehlungen an die Bundesregierung:
http://acatech.de/industrie4.0

Berichte und Bilder zur Pilotanlage "Smart Factory" im Deutschen Forschungs-zentrum für künstliche Intelligenz in
Kaiserslautern:
http://smartfactory.dfki.uni-kl.de/
Dort findet Ihr unter "Partner" auch Unternehmen, die an der "Smart Factory" beteiligt sind.

Foto: panthermedia / Mykola Velychko
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