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Beispiele alternsgerechter Beschäftigung in den Unternehmen. Foto: Ralf Wilke

Beispiele alternsgerechter Beschäftigung in den Unternehmen

Auch Jüngere wollen gesund alt werden

19.04.2013 Ι Alters- und alternsgerechte Arbeitsplätze nutzen nicht nur den älteren Arbeitnehmern, auch Jüngere wollen gesund bis zum Renteneintrittsalter arbeiten. Daher sind Betriebsrat und Belegschaft bei Mercedes Benz in Bremen aktiv in Sachen demografischer Wandel. Sie haben bereits erste Erfolge erzielt.

Es ist nur ein kleiner Schritt - doch er geht in die richtige Richtung: Die Werksleitung von Mercedes Benz Bremen will vorerst darauf verzichten "leichtere" Tätigkeiten auszulagern. Dieser Verzicht war eine Forderung des Betriebsrats im Rahmen des Projektes "Demografischer Wandel", in dem die Werksleitung und der Betriebsrat zusammen arbeiten. Doch die Werksleitung hatte erst eingelenkt, nachdem Belegschaft und Interessenvertretung das Unternehmen unter Druck gesetzt haben. "Wir drohten damit, aus dem Projekt auszusteigen, wenn weitere Fremdvergaben nicht gestoppt werden", erklärt Ralf Wilke, Betriebsrat bei Mercedes Benz Bremen. Dass die Werksleitung nun vorerst auf die Fremdvergabe verzichtet, ist für Wilke ein erster Erfolg.

Seit Jahren war dem Betriebsrat und der Belegschaft klar: Um den demografischen Wandel im Werk Bremen zu gestalten muss etwas passieren. Bei einer Umfrage 2008 dann zeigte sich, wie massiv dieses Problem ist. 74 Prozent der 12 600 Beschäftigen konnten sich nicht vorstellen, an ihrem Arbeitsplatz bis zur Rente durchzuhalten.


Auch Jüngere wollen gesund alt werden

Die Arbeitsbedingungen müssen humaner werden. Nicht nur wegen der älteren Arbeitnehmer. Auch die Jüngeren müssen länger durchhalten und wollen irgendwann gesund in Rente gehen. Der Betriebsrat fordert daher von der Werksleitung Antworten auf die folgenden Fragen: Wie können die Beschäftigten besser vor Verschleiß geschützt werden? Wie können Beschäftigte mit gesundheitlichen Einschränkungen auf passenden Arbeitsplätzen eingesetzt werden? Wie können Akkordarbeitsplätze alternsgerecht umgebaut werden? Wie muss ein Gesundheitsmanagement aussehen?

Doch die Interessenvertretung hat nicht nur Fragen gestellt. Gemeinsam mit der Belegschaft wurden Vorschläge und Ansatzpunkte erarbeitet. Aber eines war auch klar: "Für sinnvolle Lösungen brauchen wir den Arbeitgeber", erklärt Wilke. Nach rund drei Jahren hatten sie es geschafft und die Werksleitung überzeugt. Das Unternehmen stieg bei dem Demografieprojekt ein und brachte einige gute Dinge auf den Weg.


Zum Beispiel wurden Qualifizierungspfade eingeführt, um den Beschäftigen aus der akkordabhängigen Montage die Chance zu geben, sich in anspruchsvolleren Tätigkeiten weiterzubilden, damit sie dort nicht bis zur im 72-Sekundentakt arbeiten müssen. Dieser Qualifizierungsansatz war erfolgreich. Trotzdem sind weitere Maßnahmen notwendig. 
Auch die Arbeitsplätze im Akkord müssen ergonomisch umgebaut werden. Statt über dem Kopf Fahrzeugteile an der Karosserie zu montieren, könnte die Montage mit Hänge-Dreh-Modulen ausgestattet werden. Dann würden die Mitarbeiter nicht ausschließlich die Montageteile über dem Kopf montieren. Dabei werden die Karosserien vor dem Beschäftigten gekippt und die Arbeiten können bequem von vorne ausgeführt werden. Zudem könnte man auch ein langsamer laufendes Montageband einrichten. An dieses Band könnten die Mitarbeiter wechseln, für die der 72-Sekunden-Takt zu schnell ist. Auch ein Mitfahrband könnte ergonomisch Entlastung bringen.


Besser in die Belegschaft investieren

Diese Forderungen sind zum Teil jedoch noch nicht umgesetzt. "Dazu brauchen wir eine Unternehmensleitung, die erkennt, dass es sinnvoller ist, in die Belegschaft zu investieren als nur kurzfristige Renditeziele zu verfolgen", erklärt Ralf Wilke. Der Belegschaft ist es jedenfalls sehr ernst. Das haben die Mitarbeiter schon mehrfach gezeigt. Mit einer Unterschriftenaktion mit 5000 Unterzeichnern und auch ein zweites Mal haben sie das eindrucksvoll demonstriert. Auch die Visite von etwa 2500 Mitarbeitern bei der Geschäftsleitung hatte letztendlich dazu geführt, dass diese auf die weitere Auslagerung der leichteren Tätigkeiten während des Projektes verzichten will.

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