IG Metall
IGMetall.de - Springe direkt:
Inhalt
     
Studierende_in_der_IGMetall_klein

Ausbildungsinadäquate Beschäftigung - Studie der Universität Hohenheim

Qualifikationen bleiben häufig ungenutzt

24.07.2012 Ι Nicht wenige Arbeitnehmer werden weit unter ihrem Qualifikationsstand beschäftigt. Das legt eine Studie der Hochschule Hohenheim offen. Die IG Metall kritisiert das und fordert mehr Chancen für die Beschäftigten, ihre Kenntnisse und Fähigkeiten im Job einbringen zu können. So könnte dem Fachkräftemangel wirksam begegnet werden.

Spare, lerne, leiste was, dann hast Du, bist Du, kannst Du was -  diesen Rat haben ganze Generationen junger Menschen beherzigt. Doch stimmt diese Aussage noch? Inzwischen kommen Zweifel auf. Natürlich ist es immer noch so, dass die beste Vorbereitung auf das Arbeitsleben ein guter Schul-, Ausbildungs- oder Hochschulabschluss ist. Trotzdem sind in Deutschland fast ein Fünftel aller Erwerbstätigen unterhalb ihrer erworbenen Qualifikation beschäftigt. Obwohl sie eine abgeschlossene Berufsausbildung oder ein Hochschulstudium vorweisen können. Das hat die Universität Hohenheim herausgefunden.


Risiko bei prekär Beschäftigten erhöht

Die Studie, durchgeführt im Auftrag der IG Metall, widmet sich verschiedenen  Personengruppen. Die Ergebnisse sind ernüchternd: Nur 45 Prozent der Hochschulabsolventen mit einem Bachelorabschluss in den MINT-Fächern bewerten ihre ausgeübte Tätigkeit bezogen auf den Inhalt und die Anforderungen als voll adäquat zu ihrer Ausbildung. Und auch jeder dritte Schlosser oder Werkzeugmacher arbeitet laut Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) an einem Arbeitsplatz, der als nicht fachadäquat einzustufen ist. Bei den prekär Beschäftigten ist das Risiko der unterwertigen Beschäftigung erhöht. Von den Teilzeitbeschäftigten sind fast 28 Prozent nicht entsprechend ihrer Ausbildung eingesetzt, bei befristet Beschäftigten sind es 22,6 Prozent.


Der Autor der Studie, Ralf Rukwid von der Uni Hohenheim, spricht sogar von weitreichenden Folgen für die Volkswirtschaft, wenn wertvolle personelle Ressourcen nicht genutzt werden. Das wirkt sich auch negativ auf die betroffenen Arbeitnehmer aus. Sie müssen erhebliche Verdiensteinbußen hinnehmen und die persönliche Lebenszufriedenheit sinkt.


Es ist nicht nur die diplomierte polnische Innenarchitektin, die abends die Büros und Schreibtische putzt. Dass junge Menschen keinen Arbeitsplatz entsprechend ihres Bildungsabschlusses finden, ist keine Seltenheit. Die Ergebnisse der Studie zeigen auch, dass hierzulande beträchtliche Qualifikationsreservern brach liegen. Angesichts des Fachkräftemangels kann eine solche Situation nicht akzeptiert werden. Jörg Hofmann, IG Metall-Bezirksleiter in Baden Württemberg forderte: "Die Beschäftigten müssen stärker als bisher die Chance erhalten, ihre Kenntnisse und Fähigkeiten bei der Ausübung ihres Berufes auch tatsächlich einzubringen und weiterzuentwickeln."


Frauen und Migranten besonders betroffen

Zu den Gruppen, die ganz besonders diskriminiert sind, gehören Frauen und Migranten, sowie Teilzeit- und befristet Beschäftigte. Jörg Hofmann spricht sich für bessere Aufstiegschancen für Frauen und ein Ende der Diskriminierung von Beschäftigten mit Migrationshintergrund aus. Zudem müssen Befristungen, Leiharbeit, Minijobs und Teilzeit zurückgedrängt werden, denn sie führen zu einem erhöhten Risiko bei der Dequalifizierung der Beschäftigten. Die Unternehmen müssten ihre Anstrengungen bei der Weiterbidung und der Beruforientierung verstärken. Zudem müssen die Ausbildungskapazitäten in den Ausbildungsbetrieben, den Berufs- und Hochschulen erweitert werden.

Themen

Alles rund um Ihren Arbeitsplatz.

Links und Zusatzinformationen
Servicebereich