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ATIKA in Ahlen: Betriebsrat und IG Metall verhindern Insolvenz und Tarifbruch

ATIKA in Ahlen: Betriebsrat und IG Metall verhindern Insolvenz und Tarifbruch

Krisenintervention - Betriebsrat enttarnt Drohkulisse Insolvenz

18.10.2013 Ι Ein langer Winter kann einem Bau- und Gartenproduktanbieter zusetzen. Die Folgen bei ATIKA in Ahlen waren Umsatzeinbrüche, eine Insolvenz drohte. Auf Druck der Banken ließ der Betrieb von Unternehmensberatern ein Sparkonzept entwickeln, das auf Tarifbruch und Entlassungen hinauslief. Das konnte der Betriebsrat verhindern - mit Hilfe der IG Metall-Task-Force Krisenintervention.
27 der rund 130 Beschäftigten sollten den Betrieb ganz verlassen. Für den Rest der Belegschaft stand das Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie die Lohnerhöhung zur Disposition. Diesen Tarifbruch wollte die Geschäftsleitung durch Einzelverträge den Mitarbeitern abringen. "Das entbehrte meiner Ansicht nach jeder Grundlage", sagt Thomas Albert-Schwarte, der seit 1994 Betriebsratsvorsitzender bei ATIKA im westfälischen Ahlen ist.

Das Unternehmen produziert Betonmischer, Baukreissägen und Gartengeräte. Ein langer Winter in Europa ließ die Umsätze des exportorientierten Bau- und Gartenproduktanbieters einbrechen. Ende 2008 ging die Mischerproduktion stark zurück. Daraufhin reduzierte der Betrieb Anfang 2009 die Arbeitszeit der Belegschaft - zunächst über den Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung, danach über Kurzarbeit.

Ohne Tarif wären die Beschäftigten schutzlos gewesen

Und obwohl ATIKA trotz Kurzarbeit eine ausgeglichene Bilanz vorweisen konnte und handlungsfähig war, schwebte auf einmal das Damokles-Schwert Insolvenz über dem Unternehmen. Die Hausbank verlangte ein Tribut und forderte ein Sparkonzept. Auf deren Druck beauftragte die Geschäftsleitung eine Unternehmensberatung. Für den Betriebsrat war schnell klar, dass die bankorientierten Firmenberater dem Betrieb nicht helfen, sondern ihn "besenrein" machen wollten. "Die haben fast ausschließlich zahlenorientiert gearbeitet", meint Thomas Albert-Schwarte. "Denn was uns die Unternehmensberatung präsentierte, das stimmte hinten und vorne nicht. Die haben sich nur an der Gesamtproduktion orientiert, andere Faktoren aber unter den Tisch fallen lassen", erinnert sich der Betriebsratsvorsitzende.

Um die drohende Insolvenz abzuwenden, sollten die Mitarbeiter nicht nur auf ihre Lohnerhöhung verzichten, sondern komplett auf ihr Weihnachts- und Urlaubsgeld. Außerdem sollte die Firma 27 Beschäftigte entlassen und anschließend bei Bedarf durch Leiharbeiter ersetzen. Die Berater empfahlen der Geschäftsleitung, die Beschäftigten in Einzelgesprächen davon zu "überzeugen", dass sie in Arbeitsverträgen auf die Tarifbindung verzichten. Ohne Tarif wären die Arbeitnehmer jedoch schutzlos und der Betriebsrat zahnlos gewesen.

Beteiligungsorientierte "Krisenintervention" der IG Metall

"Das alles konnten wir abwehren", betont Thomas Albert-Schwarte. Als "Anwalt der Arbeitnehmer" war er bei jedem Einzelgespräch persönlich dabei und erreichte damit, dass kein einziger Vertrag unterschrieben wurde. Parallel beantragte der Arbeitnehmervertreter ein Gegengutachten, das die Geschäftsleitung zunächst nur widerwillig bewilligte. Und er holte die IG Metall in Oelde mit ins Boot. Mit der Task-Force "Krisenintervention" der IG Metall fiel die Wahl auf die beteiligungsorientierte Beraterfirma arbeco GmbH in Dortmund.

Nun erhielten der Betriebsrat und die arbeco-Berater Einsicht in dieselben Unterlagen wie zuvor der Unternehmensberater der Geschäftsleitung. Nach intensivem Datencheck und wenigen Beratertagen konnten die Arbeitnehmervertreter belegen, dass ATIKA gut aufgestellt und die Insolvenz eine Drohkulisse war. Die von den Beratern genannten Zahlen waren einseitig ausgelegt, es fehlten geleistete Arbeitsstunden aus den Zeit- und Urlaubskonten. Zudem bestätigte der Bericht, dass nicht ein rigides Spar- und Kündigungskonzept den Standort sichert, sondern vielmehr ein beteiligungsorientierter Innovationsprozess zur Krisenintervention.

Preis für engagierte Betriebsratsarbeit

"Und dann war es von einer Sekunde zur anderen ausgestanden", resümiert Thomas Albert-Schwarte. Die Streichliste der Unternehmensberater war vom Tisch. Die Geschäftsleitung wich von ihrem Vorhaben ab und war bereit, mit dem Betriebsrat zu verhandeln. Das Ergebnis: Die Tarifbindung blieb, niemand wurde entlassen und Leiharbeiter kamen nicht zum Einsatz. Zusätzlich konnte der Betriebsrat eine 23-monatige Kündigungssperre durchsetzen.

Mit Hilfe der IG Metall-Task-Force hat der Betriebsrat bei ATIKA Tarifbruch verhindert und Arbeitsplätze gesichert. Dafür wurde er 2011 auf dem Deutschen Betriebsrätetag gewürdigt und erhielt dort den Betriebsrätepreis in der Kategorie Krisenbewältigung.

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Task Force und ARIBERA

Die Task Force Krisenintervention und das Projekt ARIBERA werden gefördert durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales, den Europäischen Sozialfonds und die Europäische Union.

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