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© Bernd Geller

Arcelor-Mittal in Eisenhüttenstadt

80 Prozent entschieden sich für Zeit und gegen Geld

17.11.2016 Ι Bei Arcelor-Mittal in Eisenhüttenstadt haben die Beschäftigten die Wahl zwischen mehr Zeit und mehr Geld. 32 Stunden heißt mehr Zeit. 35 Stunden heißt mehr Geld. Fast 80 Prozent der Beschäftigten entschieden sich für mehr Zeit. 32plus heißt das Modell, das der Betriebsrat 2010 mit dem Arbeitgeber vereinbarte.

Mit ihrer Kampagne "Mein Leben - meine Zeit: Arbeit neu denken!" unterstützt die IG Metall Beschäftigte, wieder mehr selbst über ihre Arbeitszeit zu bestimmen. Dass das vielen Beschäftigten wichtig ist, zeigt Arcelor-Mittal in Eisenhüttenstadt. Dort können die Beschäftigten wählen zwischen Zeit und Geld.

In der Krise hatte der Stahlhersteller die Arbeitszeit auf 32 Stunden pro Woche gesenkt. Als die Aufträge stiegen, wollte der Arbeitgeber sie auf 35 Stunden erhöhen. Der Betriebsrat sagte: "Ja, aber ..." Wer wollte, sollte weiter 32 Stunden arbeiten und dafür auf Geld verzichten können. Wie viele sich für weniger Geld entschieden, überraschte Betriebsrat Frank Balzer. Seine Erklärung: "Die Kollegen wollen sich ihre Freizeit selbst einteilen. Bei 35 Stunden müssen sie Verfügungsschichten einschieben. Das macht lange Wochenenden öfter kaputt. Die freie Zeit am Stück war vielen wichtiger."
 

Steffen Hafki, Scherenbauer bei Arcelor-Mittal (links), und Betriebsrat Frank Balzer. Foto: Bernd Geller


Freie Zeit am Stück

Ein Stahlwerk läuft rund um die Uhr. Bei Arcelor-Mittal in Eisenhüttenstadt arbeiten rund 70 Prozent in Kontischicht. Bis 2010 hatten sie nur einmal im Monat ein komplettes Wochenende frei. Dann stellte der Betrieb auf ein neues Schichtsystem um. Die Beschäftigten arbeiten nun zwei Tage früh, zwei Tage spät, drei Tage nachts und haben dann vier oder fünf Tage am Stück frei. Der Betriebsrat hatte die Belegschaft über verschiedene Modelle abstimmen lassen. Die Entscheidung für das Modell fiel knapp aus. Deshalb wurde es zunächst auf Probe eingeführt. "Nach einem Jahr sagten alle: 'Ändert das bloß nicht!'", erzählt Betriebsrat Balzer.
 

Zeit zum Angeln

Für Steffen Hafki kam das neue System aus Familiensicht ein paar Jahre zu spät. Hafkis Kinder sind inzwischen groß, 16 und 21 Jahre alt. Als sie klein waren, arbeitete er in Kontischicht: "Damals kam vieles zu kurz, die Familie, die Freizeit, die Erholung." Dennoch ist er froh, dass der Betrieb auf das neue Schichtsystem umgestellt wurde - für seine Kollegen mit kleinen Kindern und für sich selbst. Hafki ist stellvertretender Vorsitzender des örtlichen Anglervereins.

Am Wochenende schult er den Nachwuchs, zeigt ihm, wie man Haken und Köder befestigt und Fische ausnimmt. Freie Zeit ist für den Angler wichtig. Schichtarbeit lässt sich mit manchem schwer vereinbaren, mit kleinen Kindern, mit Qualifizierung oder mit dem Alter, in dem der Wechsel zunehmend zur Last wird. Da muss der Betriebsrat viel regeln. Aber Balzer kann sich nicht erinnern, für ein Problem noch keine Lösung gefunden zu haben.

Wenn Beschäftigte der Kinder wegen weniger Schichten arbeiten wollten, fand der Betriebsrat bislang immer eine Alternative. Wer kurzfristig umplanen muss, kann Schichten bis zu drei Tage verschieben. In Ausnahmen können Beschäftigte Arbeitszeit an einem Tag verschieben, etwa später kommen und länger arbeiten. "Das Unternehmen will ein familienfreundlicher Betrieb sein. Da muss man Rücksicht nehmen", sagt Balzer. Das heißt aber nicht, dass immer alles geht. "Viele haben Familie. Da müssen die Kollegen auch untereinander Rücksicht nehmen."

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