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Arbeitszeitkonflikt beim Automobilzulieferer Sulzer in Bremen. Foto: Fotolia

Arbeitszeitkonflikt beim Automobilzulieferer Sulzer in Bremen

Skandalöse Arbeitsbedingungen bei Sulzer in Bremen

26.05.2011 Ι Teile und herrsche - unter diesem Motto könnte die Firmenphilosophie des Automobilzulieferers Sulzer in Bremen stehen: Drei verschiedene Arbeitszeiten in der Produktion. Eine zweigeteilte Belegschaft: Leiharbeiter und Stammbeschäftigte. Auf einen Dialog über einheitliche Arbeitszeiten und Entgelte will sich Sulzer nicht einlassen.

An der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens kann es nicht liegen. Der Schweizer Konzern ist mit VW, Audi und Porsche gut im Geschäft. Sulzer produziert in seiner Niederlassung in Bremen vor allem Reiboberflächen für Kupplungen und Getriebe. PKW-Zulieferteile also, ohne die sich ein Fahrzeug nicht fortbewegen kann. Trotzdem knirscht es im Getriebe. Die  Zusammenarbeit zwischen Betriebsrat, IG Metall und Unternehmensleitung läuft überhaupt nicht rund. 

Sulzer setzt weitgehend auf Leiharbeit. Mehr als die Hälfte der 200 Beschäftigten sind Leiharbeiter. Dass keiner der Leiharbeiter Equal Pay bekommt, ist nur eines der Konflikte zwischen dem Automobilzulieferer und der IG Metall. Auch bei den Arbeitsverträgen der Stammbeschäftigten ist so einiges nicht in Ordnung. Hier gibt es drei verschiedene Arbeitszeitvarianten. Für sogenannte Altbeschäftigte gilt noch die 35-Stundenwoche. Diese Mitarbeiter profitieren zumindest für eine gewisse Zeit noch von der Wirkung des Tarifvertrages. Da jedoch Sulzer Anfang 2009 aus dem Arbeitgeberverband ausgetreten ist, gelten danach vereinbarte Tarifabschlüsse in diesem Unternehmen nicht.  

Seither erhalten neue Mitarbeiter bei Sulzer nur noch Arbeitsverträge mit einer Wochenarbeitszeit von 37,5 Stunden. Doch damit nicht genug. Seit kurzem legt die Unternehmensleitung den Beschäftigten Zusatzvereinbarungen zu den bestehenden Arbeitsverträgen vor. Diese Zusatzvereinbarungen sehen eine Wochenarbeitszeit von 38 Stunden vor. Mit Hilfe dieser Zusatzvereinbarung will Sulzer die Arbeitszeit "im Rahmen des Zumutbaren" ausdehnen und bei Bedarf Mehr- oder Minderarbeit anordnen können. Auch beim Entgelt will das Unternehmen den Tarifvertrag aushebeln und nur noch "branchenübliche Entgelterhöhungen" gewähren. Der Schweizer Konzern arbeitet hier mit allen Tricks: Wenn die Mehrarbeitsstunden bezahlt werden, soll der Stundenlohn entsprechend abgesenkt werden. Auch die Altersvorsorge, die bisher von Sulzer gezahlt wurde, soll plötzlich mit Mehrarbeit verrechnet werden.

 

Viele Beschäftigte bei Sulzer haben Angst. Besonders die neu eingestellten Mitarbeiter fürchten um ihren Job. Meist wollen sie den Betriebsrat gar nicht erst über die einzelnen Regelungen ihres Arbeitsvertrages informieren. Inzwischen droht die Unternehmensleitung sogar mit Verlagerung von Produktionsteilen. Sie blockt inzwischen alle Gesprächsangebote von Seiten des Betriebsrats und der IG Metall konsequent ab.


Solche Praktiken sind mit der IG Metall nicht zu machen, stellte Volker Stahmann, IG Metall Bremen, klar. Stahmann fordert die Geschäftsleitung der Firma Sulzer in Bremen auf, mit der IG Metall über einheitliche Arbeits- und Entgeltbedingungen auf der Basis eines Haustarifvertrages für die Stammbelegschaft zu verhandeln.

 

Auch über die völlig unangemessen hohe Zahl von Leiharbeitern will die IG Metall sprechen. Da das Unternehmen keinerlei saisonalen Schwankungen unterliegt, sieht die IG Metall hier keine Gründe für eine derart hohe Leiharbeitsquote.

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