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Arbeitszeiten familienbewusster gestalten. Foto: Panthermedia

Arbeitszeiten familienbewusster gestalten

Für eine familienfreundliche Arbeitswelt

03.06.2013 Ι Alle sprechen darüber. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist für Arbeitgeber, Politik und Medien eines der wichtigsten Themen in diesem Jahr. Trotzdem tut sich wenig. Nur in jedem zehnten Unternehmen gibt es familienfreundliche Regelungen.

Zu einem guten und erfüllten Leben gehören die Vereinbarkeit von Arbeit und Leben, Zeit für Freundschaften, Hobbys, ehrenamtliches und politisches Engagement. Planbare Arbeitszeiten sind dafür ebenso wichtig wie Kitaplätze. Doch die Wirklichkeit ist meist eine andere.


Und wer kümmert sich um die Kinder? Diese Frage stellen sich berufstätige Eltern tagtäglich und sie werden bei der Suche nach akzeptablen Lösungen oft allein gelassen. Trautes Familienglück heißt für viele junge Eltern, dass ihnen gar nichts anderes übrig bleibt als das klassische Familienmodell zu leben. Die Mutter bleibt zuhause oder arbeitet Teilzeit. Der Vater hat einen Vollzeitjob, um das Familieneinkommen zu sichern.


Karriere und Familie - beides muss gehen. Diesen Anspruch hat die Mehrheit der Jungen Generation. Bei einer Befragung durch TNS Infratest Politikforschung im Auftrag der IG Metall gaben im Juni 2012 neun von zehn jungen Beschäftigten unter 35 Jahren an, dass sie sich erweiterte Rechtsansprüche zur besseren Vereinbarkeit von Arbeit und Leben wünschen. Tatsächlich gibt es solche Regelung.  Doch nur in zehn Prozent der Unternehmen. Das heißt: In neun von zehn Betrieben passiert bislang nichts.


Die Wünsche der Beschäftigten berücksichtigen ...

Eine familienfreundliche Unternehmenskultur akzeptiert Familien- und Privatleben und unterstützt mit den passenden betrieblichen Maßnahmen. Verbindliche Ansprüche sind dafür wichtig. Allerdings gehen bislang die Initiativen dafür fast immer von Betriebsräten und Vertrauensleuten aus.

Bei Verhandlungen um eine gute Vereinbarkeit ist die Arbeitszeit der wichtigste und meistens der schwierigste Part. Denn familienfreundliche, planbare Arbeitszeiten bedeuten konkret: Keine Termine am späten Nachmittag und den flexiblen Wechsel in Teilzeit und die Rückkehr in Vollzeit. Diese Rückkehrmöglichkeit ist besonders wichtig. Ohne sie ist jede schöne Teilzeitregelung nichts wert. Denn wer traut sich schon, die Arbeitszeit zu reduzieren, wenn er oder sie befürchten muss, hinterher in der Teilzeit-Falle hängen zu bleiben.

Die IG Metall fordert, dass bei der Arbeitszeitgestaltung stärker die Wünsche der Beschäftigten berücksichtigt werden. Unabhängig davon, ob sie Familienaufgaben übernehmen, sich weiterqualifizieren, früher aus dem Erwerbsleben aussteigen oder eine Zeitlang pausieren wollen. Grundsätzlich brauchen die Beschäftigten mehr Zeitsouveränität. Die Mitarbeiter sollten bei Bedarf ihre Arbeitszeit außerberuflichen Anforderungen anpassen können. Ungeplante Überstunden, Wochenendeinsätze oder Arbeiten auf Abruf sind Hemmnisse beim Vorhaben Worklife-Balance. Arbeitszeiten dürfen sich nicht in erster Linie an betrieblichen Anforderungen orientieren.


... nicht nur auf dem Papier, sondern ganz konkret

Ob ein Unternehmen familienfreundlich ist, das zeigt sich auch beim Betriebsklima. Da reicht es jedoch nicht, das Motto "Familienfreundlichkeit" ins Firmenlogo aufzunehmen. Es beginnt damit, die Führungskräfte zu qualifizieren und als zentrales Thema bei der Personal- und Organisationsentwicklung aufzugreifen. Personalmanagement muss sich grundsätzlich stärker an den Lebensereignissen und -verläufen der Mitarbeiter orientieren. Zu einer besseren familienfreundlicheren Arbeitswelt gehören aber auch alltagsnahe Lösungen:

  • Arbeitsorganisation
    Ein Anspruch auf kurzfristige Freistellung für Not- und Härtefälle, Sabbaticals sowie Weiterbildungsangebote während der Eltern- und Pflegezeit.
  • Kinderbetreuung
    Es muss nicht immer gleich ein Betriebskindergarten sein. Helfen kann auch, wenn Betreuungsplätze vermittelt werden oder eine Notfallbetreuung im Betrieb eingerichtet wird. Ebenso hilfreich ist es, wenn die Beschäftigtenkinder am Kantinenessen teilnehmen können.
  • Elternzeit / Pflegezeit
    Wer eine Zeitlang aussteigt, wird leicht abgehängt. Wenn man während dieser Zeit an den betrieblichen Qualifizierungen teilnehmen kann, hilft das bei der Rückkehr. Um den Wiedereinstieg zu erleichtern, sollten die Mitarbeiter einen Anspruch auf den alten oder einen gleichwertigen Arbeitsplatz haben.
  • Betriebliche Sozialleistungen
    Dazu gehören beispielsweise finanzielle Zuschüsse zu den Kinderbetreuungsangeboten. Aber nicht nur. Auch ein Stillraum und ein Kinderspielzimmer sind gute Angebote.
  • Betriebliche Gesundheitsförderung
    Wenn Arbeitsbedingungen und Arbeitsorganisation gesundheits- und alternsgerecht sind, hilft das allen Mitarbeitern. 

Politik muss handeln

Es gibt viele Wege, ein Unternehmen familienfreundlicher zu gestalten. Gleichzeitig muss jedoch auch die Politik handeln. Die IG Metall fordert, dass das Ehegattensplitting und das kürzlich erst eingeführte Betreuungsgeld wieder abgeschafft wird. Beides schafft falsche Anreize und hält Frauen vom Arbeitsmarkt ab. Notwendig sind dagegen gesetzliche Regelungen, die unterstützen, dass Männer und Frauen gleichberechtigt die Verantwortung für die Familie übernehmen können - bei der Hausarbeit, der Kindererziehung und der Pflege von Angehörigen.

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