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Wolfgang Rhode. Foto: IG Metall

Arbeitsplätze sichern: Interview mit Wolfgang Rhode

Entlassungen müssen geächtet werden

09.09.2009 Ι Die IG Metall-Umfrage hat ergeben, dass 64,5 Prozent der Befragten es für "sehr wichtig" halten, dass von den Managern im Betrieb mehr getan wird, um die Arbeitsplätze zu sichern. Wir haben Wolfgang Rhode gefragt, was in den Unternehmen getan werden kann, um Arbeitsplätze auch über die Krise hinaus sicher zu machen.

Arbeitsplatzsicherheit ist ein Dauerbrenner in der Krise. Wie unterscheiden sich die Situationen in Konzernen, mittelständischen Unternehmen und Kleinbetrieben?
Ob kleines oder großes Unternehmen, das ist nicht die Messlatte. Letztlich hängt die Sicherheit des Arbeitsplatzes davon ab, ob sich genügend Bestellungen in den Büchern finden. Ob viel oder wenig zu tun ist, dies entscheidet sich derzeit eher entlang der einzelnen Branchen. So überraschend es klingen mag: Vor allem drückt es heute dort, wo das Exportgeschäft über Jahre hinweg das Standbein war. Mit Blick auf die Zukunft läßt sich sagen: Je länger die Auftragsflaute anhält, desto größer wird der Druck auf die Arbeitsplätze.

Was müssen die Parteien und die Politik unternehmen, damit auch Manager mehr zur Sicherung von Arbeitsplätzen tun?
Zunächst einmal etwas Ursachenforschung: Die Politik hat mit ihrem Glauben an die Ideologie "der Markt wird es schon richten" die Privatisierung und die Deregulierung befördert. Und über diesen Weg ist doch die Finanzmarktkrise verursacht worden. Aber nun der Blick nach vorne! Von der Politik muss jetzt die klare Botschaft ausgehen: Entlassungen müssen geächtet werden. Aber es muss natürlich noch mehr passieren. Die Parteien können dazu beitragen, einen Wandel in der Ökonomie zu befördern.

Ist das überhaupt realistisch?
Es ist sicherlich kein Selbstläufer. In vielen Unternehmen wird heute nur auf die Quartalsberichte geschaut, die nachhaltige Entwicklung mit guter Arbeit gerät hingegen unter die Räder. So sieht die Realität aus! Über Jahren hinweg haben die Unternehmen richtig Geld verdient. Jetzt müssen wir deutlich machen, es gibt kein Grundrecht auf Profit in jedem Jahr. Um Arbeitsplätze zu sichern, müssen die Eigentümer auch über längere Zeit hinweg auf Rendite verzichten! Dies durchzusetzen, ist die Aufgabe der IG Metall.

Welche Erfahrungen macht die IG Metall derzeit in den Betrieben?
Unser Ziel ist eindeutig: Wir kämpfen um jeden einzelnen Arbeitsplatz. Wir tun das, weil es um die Lebensgrundlage von Millionen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern geht. Es ist nicht hinzunehmen, das die Krise auf unserem Rücken abgeladen wird. In der Fläche halten sich die Unternehmen mit der Ankündigung von Massenentlassungen zurück. Entscheidend ist die Frage, wie lange noch? Es ist zu hoffen, dass es sich im Arbeitgeberlager mit Blick auf den Wahltag nicht um eine Taktik handelt. Allen muss klar sein: An unserem Willen zur Sicherung von Arbeitsplätzen gibt es keinen Zweifel.

Was muss in den Betrieben getan werden, um in der Krise und darüber hinaus Arbeitsplätze zu sichern?
Da gibt es viele Ansatzpunkte, laßt mich zwei Punkte ansprechen. Kurzfristig müssen jetzt alle Instrumente zur Beschäftigungssicherung voll und ganz genutzt werden. Die Stichworte sind hier Kurzarbeit, Weiterbildung und Qualifizierung. Zweitens - und das zielt auf die mittelere Frist - müssen wir in den Betrieben ein andere Logik stärken. Statt eines Kostensenkungswettlaufs muss es um Wirtschaftlichkeit gehen. Dies wäre eine nachhaltige Orientierung, die auch mit Blick auf Arbeitsplätze erfolgversprechend ist. Ich bin überzeugt, dass auch die Mitbestimmung uns hier helfen kann, unsere Punkte stark zu machen.

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Wolfgang Rhode

Wolfgang Rhode, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, ist Leiter der Bereiche Wirtschaft, Technologie und Umwelt sowie Handwerk, Maschinenbau und Mittelstand.

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