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Angestelltenkonferenz der IG Metall in Sprockhövel

Metaller fordern nach Japan Atomausstieg

22.03.2011 Ι Angesichts der Atomkatastrophe in Japan hat sich die IG Metall auf ihrer Angestelltenkonferenz in Sprockhövel für einen ökologischen Kurswechsel ausgesprochen. Der Erste Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, sprach von einem Desaster und zog Parallelen zwischen der Wucht der Zerstörung in Japan und der Finanzkrise als "Kernschmelze des Kapitalismus".

"Es reicht nicht die Straßenseite zu wechseln und weiter in dieselbe falsche Richtung zu marschieren", sagte Huber vor mehreren hundert Konferenzteilnehmern. "Die industrielle Basis der hochentwickelten Welt ist durch den drohenden Atom-GAU schwer erschüttert." Es sei mit globalen Auswirkungen der Katastrophe zu rechnen, sagte Huber.

Lieferketten unterbrochen
Produktions- und Wertschöpfungsketten auf dem ganzen Globus seien betroffen. In zahlenreichen Betrieben der Metall- und Elektroindustrie werde über Krisenszenarien nachgedacht. Wenn Bauteile aus Japan fehlen, die in Drittländern verarbeitet werden, könne auch in Europa die Fertigung ins Stocken kommen. Huber forderte mehr Investitionen und Förderung von grünen Technologien. Nur der Umstieg auf Erneuerbare Energien sei der Weg der Zukunft. Dabei könnten Ingenieure und technische Experten einen wesentlichen Beitrag leisten, sagte Huber zu den Delegierten.

Wie die Diskussionen auf der Angestelltenkonferenz zeigten, sind viele IG Metall-Mitglieder durch die Ereignisse in Japan noch stärker sensibilisiert. Ingenieure forderten den Ausstieg aus der Atomenergie und den Umstieg auf Ökostrom. Betriebsräte regten die Bildung von Energie-Arbeitskreisen in den Betrieben an, denn gerade Ingenieure seien einem ökologischen Gewissen verpflichtet. "Wir haben das Know-how und müssen in unseren Betrieben konkret prüfen, wo wir Energie einsparen können", sagte ein Betriebsrat, der selbst Ingenieur ist.

 

Spendenaufruf für Japan
Vorstandsmitglied Helga Schwitzer plädierte für einen raschen Ausstieg aus der Atompolitik und einen sofortigen Umstieg auf Erneuerbare Energien. "Wir als Gewekschaften haben schon lange auf die Risiken dieser Technologie hingewiesen und gegen die Atomkraft mit Menschenketten demonstriert", sagte Schwitzer. Sie warb um Unterstützung für den Spendenaufruf der IG Metall zugunsten der Opfer in Japan. 1500 Euro wurden spontan auf der Angestelltenkonferenz für die Kollegen in Japan eingesammelt. Das Geld fließt in einen von den japanischen Gewekschaften eingerichteten Hilfsfonds.

Wie der japanische Vetreter des Internationalen Metallgewerkschaftsbundes IMB Kan Matsuzaki auf der Angestelltenkonferenz erklärte, ist das Geld für die Betroffenen vor Ort auch bitter nötig. Durch die Zerstörung durch den Tsunami und den verordneten Stromausfall können viele Unternehmen nicht produzieren. Die Bänder in der Auto- und Elektroindustrie stehen still. In großen Unternehmen mit Tarifvertrag bekommen die Beschäftigten einen Ausgleich für den Verdienstausfall. "In kleineren und mittleren Betrieben sieht es jedoch deutlich schlechter aus", sagte Matsuzaki. Dort bekämen sie vielleicht 50 Prozent ihres Lohns und hätten gleichzeitig den Wiederaufbau ihrer Häuser zu schultern.

Kontakt mit Schwestergewerkschaften
Über das Ausmaß der Zerstörungen im Tsunami-Gebiet und die Lage der Menschen informiert sich derzeit der japanische Gewerkschaftsdachverband Rengo, der in dieser Woche Zugang zu den Sperrgebieten erhalten habe. Wie lange die Produktionsstätten brach liegen, sei noch nicht absehbar, sagte Matsuzaki. Die IG Metall ist in Kontakt mit den japanischen Schwestergewerkschaften in der Metall- und Textilindustrie. 

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