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Alterssicherung von Frauen. Foto: piqs.de/fotos

Alterssicherung von Frauen

Altersarmut ist überwiegend weiblich

11.03.2010 Ι Die IG Metall hat in einer aktuellen Studie die Situation der Alterssicherung von Frauen in Deutschland analysiert. Ihr Fazit: Die Altersarmut hierzulande betrifft überwiegend Frauen. 2007 war die Rente der Frauen mit durchschnittlich 468 Euro pro Monat nur halb so hoch wie die der Männer. Der Grund für die sehr niedrigen Frauenrenten sind vor allem die geringen Einkommen und die geringen Versicherungsjahre.

Die Altersarmut in Deutschland ist überwiegend weiblich. Zu diesem Ergebnis kommt die IG Metall in ihrer aktuellen Studie zur Alterssicherung von Frauen. 2007 erhielten Frauen eine durchschnittliche Rente von 468 Euro pro Monat. Damit liegt die Rente von Frauen nur halb so hoch wie die der Männer. In den neuen Bundesländern betrugen die Altersbezüge von Frauen 665 Euro. Das entspricht etwa zwei Drittel der Versichertenrenten der Männer.

Ost-West-Unterschied bei den Frauenrenten
Der auffallend hohe Ost-West-Unterschied bei den Frauenrenten erklärt sich aus den längeren Versicherungszeiten der DDR-Frauen. Fast alle Frauen in der DDR waren in Vollzeit erwerbstätig. Seit der Wende ist die Frauenarbeitslosigkeit in Ostdeutschland allerdings stark angestiegen. Deshalb wird die Altersarmut von Rentnerinnen vermutlich bald das niedrige West-Niveau erreicht haben. Zudem haben ostdeutsche Frauen ein niedrigeres Durchschnittseinkommen als westdeutsche Frauen.

Der Grund für die niedrigeren Frauenrenten sind vor allem die geringeren Einkommen und die geringeren Versicherungsjahre. Das hängt mit den geschlechtsspezifischen Erwerbs- und Einkommenssituationen zusammen. Die Alterssicherung der Frauen ist im hohen Maße vom Einkommen ihrer Ehemänner abhängig. Häufig erreichen die meisten Frauen erst durch die Komibination ihrer eigenen sehr niedrigen Rente und einer Hinterbliebenenrente ein ausreichendes Einkommen.

Aufbau und Struktur der Alterssicherung
Die Alterssicherung in Deutschland beruht auf einem Drei-Säulen-Modell:

  • Die erste Säule ist die gesetzliche Rentenversicherung (GRV). Sie sichert Beschäftigte sozialversicherungspflichtig im Umlageverfahren ab und umfasst rund 80 Prozent der Bevölkerung.
  • Die zweite Säule ist die betriebliche Altersvorsorge (bAV). Sie ist zumeist eine Kapitalrente. Die Arbeitgeber ziehen sich zunehmend aus den klassischen Betriebsrenten mit Leistungszusagen zu Gunsten neuerer Formen zurück.
  • Die dritte Säule umfasst die individuelle private Vorsorge (pAV). Mit der Rentenreform 2001 ist sie zu einem Bestandteil des Rentensystems geworden. Die pAV soll künftig die Rentenausfälle in der gesetzlichen Rente (erste Säule) kompensieren. Private Vorsorge funktioniert nach privatwirtschaftlicher Versicherungslogik und kennt keinen Solidarausgleich. Wer länger lebt, muss bei gleicher Leistung höhere Beiträge zahlen. Langfristig soll der Anteil der Alterseinkünfte aus der ersten Säule zurückgehen zugunsten der Alterseinkünfte aus der betrieblichen Altersvorsorge (zweite Säule) sowie der privaten Vorsorge (dritte Säule).


Die Rente mit 67
Die alte Bundesregierung hat 2007 die Rentenaltersgrenze von 65 auf 67 Jahre heraufgesetzt. Ab 2012 wird das gesetzliche Rentenalter stufenweise bis 2029 angehoben. Die Regierung begründet die Heraufsetzung der Altersgrenzen damit, dass die Gesellschaft altert und die Rentenversicherung angepasst werden müsse.

Fakt ist: Die Sicherheit unseres Rentensystems hängt nicht davon ab, wie viele Jüngere es im Verhältnis zu den Älteren gibt. Vielmehr ist entscheidend, wieviel Beitragszahler auf Rentenbezieher kommen. Vor allem aber, wie hoch ihr Einkommen ist, aus dem die Rente finanziert wird. Die Rente mit 67 entlastet die Rentenversicherung höchstens um 0,5 Beitragssatzpunkte. Dafür sollen Ältere länger arbeiten oder massive Rentenkürzungen in Kauf nehmen und viele junge Menschen bleiben arbeitslos. Frauen mit unregelmäßigen Erwerbsverläufen arbeiten schon heute in der Regel nicht bis zum 65. Lebensjahr. Sie müssen hauptsächlich Einbußen verkraften, da sie mehr als Männer in ihrer Alterssicherung auf Hinterbliebenenrenten angewiesen sind. Die Rente mit 67 setzt das Alter für den Bezug einer Witwenrenten von 45 auf 47 herauf und führt damit zu einer Rentenkürzung, weil sie sich künftig stärker als bisher von reduzierten Renten ableiten.

Sozial flankierte Ausstiegsoptionen
Die IG Metall lehnt die Rente mit 67 ab und fordert einen abschlagsfreien Rentenzugang ab 60, den auch Frauen nach einer Anzahl von Versicherungsjahren erreichen. Sozial flankierte Ausstiegsoptionen bis zum 65. Lebensjahr würden jedem und jeder Einzelnen ermöglichen, selbst zu entscheiden, wann er bzw. sie ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen in Rente geht. Möglich wäre auch, die gesetzliche Altersgrenze als einen Rechtsanspruch auf den Rentenbeginn zu formulieren und nach oben keine Altersgrenzen zu setzen. Das wäre vor allem für jene aus dem akademischen Milieu attraktiv, die über das gesetzliche Rentenalter hinaus weiter arbeiten können und wollen.

Die Studie der IG Metall
Die Broschüre "Alterssicherung von Frauen" erklärt unter anderem die Rolle der Kindererziehungszeiten und der häuslichen Pflege bei der Altersvorsorge. Weiterhin behandelt sie das Thema der betrieblichen und privaten Vorsorge und setzt sich mit der Rente mit 67 auseinander. Und schließlich zeigt sie Alternativen für eine moderene eigenständige Alterssicherung für Frauen und Männer auf.

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