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Altersgerechtes Arbeiten - flexibler Ausstieg: Die Arbeitgeber sind in der Pflicht

Altersgerechtes Arbeiten - flexibler Ausstieg: Die Arbeitgeber sind in der Pflicht

Die wichtigsten Details der Betriebsrätebefragung

17.08.2012 Ι Das Thema alternsgerechtes Arbeiten ist ein wichtiges Thema für die Beschäftigten der IG Metall. Doch die Arbeitgeber tun zu wenig. Das ergab eine Umfrage unter Betriebsräten der IG Metall. Hier die wichtigsten Ergebnisse auf einen Blick.
Die IG Metall hat in den vergangenen Monaten ihre Betriebsräte zum Thema altersgerechtes Arbeiten befragt. Die Ergebnisse zeigen ganz deutlich: Es besteht Handlungsbedarf. "Die Unternehmens- und Betriebsleitungen stehen in der Pflicht, Maßnahmen zur Bewältigung des Altersstrukturwandels zu entwickeln und den Beschäftigten anzubieten", betont Detlef Wetzel, Zweiter Vorsitzender der IG Metall.

So ergab die Umfrage, dass insgesamt 53 Prozent der Betriebsräte der Auffassung sind, dass Maßnahmen zum Altersstrukturwandel für ihre Belegschaft ein wichtiges oder sehr wichtiges Thema sind. Doch die Betriebe bieten zu wenig. Denn tatsächlich geschieht aktuell in den untersuchten Branchen relativ wenig. Nur ein Viertel der Unternehmen berücksichtigt den demografischen Wandel in der mittelfristigen Personalplanung.

Zu wenig Maßnahmen

In nur wenigen Betrieben wird auf die Bedürfnisse älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eingegangen. Lediglich in sechs Prozent der Betriebe werden "häufig" Maßnahmen zur altersgerechten Arbeitsgestaltung angeboten. In vier von zehn Betrieben werden zumindest "selten" Maßnahmen ergriffen. Die Antworten auf die Frage nach der Art der Maßnahme lassen den Schluss zu, dass lediglich die bestehenden gesetzlichen Verpflichtungen umgesetzt werden. Innovative Formen altersgerechter Arbeitsgestaltung werden kaum genutzt.

Zu wenig innovative Konzepte

In den Betrieben, die Maßnahmen durchführen, sind diese insbesondere konventionelle wie ergonomische Erleichterungen bei der Arbeitsausführung oder die gesetzlich vorgeschriebene Gefährdungsbeurteilung. Nicht geklärt ist, in welchem Umfang in diese Beurteilungen auch psychische Gefährdungen eingehen. Maßnahmen wie altersgemischte Teams oder spezielle Angebote für ältere Beschäftigte werden erheblich zurückhaltender ergriffen. Hier besteht nach Meinung der IG Metall dringender Handlungsbedarf.

Qualifizierung Älterer fehlt

Ein weiteres Problem: Spezifische Qualifizierungsangebote für ältere Beschäftigte gibt es so gut wie gar nicht. Die Betriebs- und Unternehmensleitungen kümmern sich praktisch überhaupt nicht um das Thema. Anpassungs- und Umqualifizierungen sind angesichts des rasanten technologischen Wandels für nahezu alle Tätigkeiten mindestens sinnvoll, oft zwingend erforderlich, um dauerhaft im Erwerbsleben bestehen zu können. In der Praxis scheitert "lebenslanges Lernen" bei älteren Beschäftigten laut der Befragung offenbar häufig an fehlenden Möglichkeiten.

Schlechte Perspektiven für Ältere

Das Fehlen ausreichender Maßnahmen für altersgerechte Arbeit hat gravierende Folgen. Fast 80 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass Beschäftigte das gesetzliche Rentenalter von über 65 Jahren nicht gesund und leistungsfähig erreichen können. Auf die Frage, "Können Beschäftigte gesund und leistungsfähig das gesetzliche Rentenalter von über 65 Jahren erreichen?", antworteten 79 Prozent mit einem Nein.


Arbeitsgeber tun zu wenig

Und wie steht es um das Angebot, dass die Unternehmen den Beschäftigten machen, um einen Ausstieg vor dem gesetzlichen Rentenalter zu ermöglichen? Auch hier mangelhafte Noten für die Geschäftsführungen: Nur in jedem fünften Betrieb bestehen ausreichende Möglichkeiten, vor Beginn des gesetzlichen Rentenalters aus dem Erwerbsleben - in der Regel durch Altersteilzeit - auszuscheiden. Für die IG Metall steht deshalb fest: "Flexible Ausstiegsmöglichkeiten sind nötig", sagt Hans-Jürgen Urban, IG Metall-Vorstandmitglied und zuständig für Sozialpolitik.


Angst vor Altersarmut

Die schlechten Perspektiven wirken sich auch aus auf die Zukunftsaussichten der Beschäftigten. Es mangelt schon heute an Vertrauen in die Alterssicherung: 46 Prozent der befragten Betriebsräte schätzen, dass die Mehrheit der Beschäftigten davon ausgehe, ihre Rente reiche gerade so, um über die Runden zu kommen. Und 45 Prozent meinen, dass die Mehrheit befürchte, die Rente werde nicht ausreichen.

Hans-Jürgen Urban: "Es muss sowohl die Unternehmen als auch den Gesetzgeber alarmieren, dass lediglich zwei Prozent der Betriebsräte davon ausgehen, dass die Beschäftigten einschätzen, die Rente werde für ein abgesichertes Leben ausreichen."

Junge haben wenig Vertrauen

Noch düsterer sehen Jüngere ihre Zukunft. Die IG Metall hat hierzu gefragt speziell nach der Einschätzung der Beschäftigten ab Jahrgang 1964 und jünger - die die Rente ab 67 voll trifft. Nur 15 Prozent der Betriebsräte gehen davon aus, dass die Rente nach deren Einschätzung reiche, um über die Runden zu kommen.

Auch eine relativ breit verankerte betriebliche Altersversorgung vermag diese Gesamteinschätzung nicht zu verbessern. Immerhin gut die Hälfte der Befragten gibt an, dass es eine betriebliche Altersvorsorge für alle Beschäftigten gebe. Allerdings ist damit noch keine Aussage getroffen, wie hoch Versorgung ist und wie sie finanziert wird - zumal es in einem Drittel der Betriebe keinerlei betriebliche Altersversorgung gibt.

Es besteht Handlungsbedarf

Kein Wunder, dass die Betriebsräte die Unternehmensleitungen zum Handeln auffordern. Betriebsräte und Vertrauensleute sind häufig diejenigen, die aktiv werden, denn sie haben die Bedeutung des Themas erkannt und angenommen. 70 Prozent der befragten Betriebsräte haben das Thema behandelt, fand die Umfrage heraus.


In den Unternehmen und Betrieben, die sich mit dem demografischen Wandel und den betrieblichen Folgen der Anhebung des gesetzlichen Rentenalters beschäftigten, geschieht dies in aller Regel auf Initiative der Betriebsräte und Vertrauensleute sowie der Belegschaften. Lediglich in zehn Prozent der Betriebe gingen Impulse von der Firmenleitung aus.

Arbeit: Sicher und fair

Die IG Metall wird im Rahmen ihrer Kampagne "Arbeit: Sicher und fair" diese Initiative der Betriebsräte und Vertrauensleute unterstützten. Die IG Metall will mit flexiblen Ausstiegen aus dem Berufsleben auf den Unsinn der verlängerten Lebensarbeitszeit aufmerksam machen. Und so den Druck aufbauen, der Verbesserungen möglich macht.


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Methoden der Betriebsrätebefragung

Die IG Metall hat zwischen dem 14. Juni und dem 6. Juli 2012 Betriebsräte zu altersgerechter Arbeit befragt. 8485 Betriebsratsvorsitzende im Organi- sationsbereich der IG Metall haben den Fragebogen erhalten. Insgesamt haben sich 3716 Befragte beteiligt. Das entspricht einer Quote von 44 Prozent. Die Auswertung erfolgte anonymisiert. Der Rücklauf entspricht den Betriebs- strukturen der IG Metall. Er weist auch eine breite Streuung hinsichtlich der Branchen und der regionalen Verteilung auf. Damit haben die Daten repräsentativen Charakter.

Der IG Metall liegen somit authentische und valide Einschätzungen der Betriebsräte zur Arbeitssituation der älteren Beschäftigten in ihrem Organisationsbereich vor, die bestehende sozialwissenschaftliche Studien ergänzen. Die Befragungs- ergebnisse sind eine Grundlage für die Aktivitäten der IG Metall im Rahmen der Kampagne "Gute Arbeit - gut in Rente".

Alters- und alternsgerechtes Arbeiten
Hans-Jürgen Urban, IG Metall-Vorstands-mitglied zur Umfrage unter Betriebsräten.
 
Kampagne "Gute Arbeit - gut in Rente"
Detlef Wetzel, Zweiter Vorsitzender der IG Metall, erläutert die IG Metall-Kampagne.

 

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