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Abschied von Werner Thönnessen

Ein Lebensweg als Gewerkschafter ist zu Ende

12.07.2011 Ι Er galt als Intellektueller und war leidenschaftlicher Gewerkschafter: Werner Thönnessen, ein enger Weggefährte des früheren IG Metall-Vorsitzenden Otto Brenner, ist im Alter von 82 Jahren gestorben.

Der Weg zur Gewerkschaft war für Werner Thönnessen nicht vorgezeichnet. Er wurde 1928 als Sohn eines saarländischen Unternehmers geboren. Nach dem Krieg studierte er zuerst Medizin in Paris und Mainz und wechselte dann zu Soziologie in Frankfurt am Main. Eine Zeit lang war er Vorsitzender des Sozialistischen Studentenbunds (SDS) in Frankfurt. Seine Doktorarbeit schrieb er bei Theodor Adorno, einem der führenden Köpfe der "Krtitischen Theorie" und Vordenker der Studentenbewegung.

Nach der Promotion entschied Thönnessen sich gegen eine wissenschaftliche Karriere, sondern ging zur IG Metall. In seinen Erinnerungen, die er in einem Buch ("Mein Tor zur Welt. Ein Lebensweg als Gewerkschafter und Intellektueller") verarbeitet hat, beschrieb er, dass sein Denken stark durch antifaschistische Gewerkschafter geprägt wurde. Thönnessen hatte die Nazizeit als Teenager erlebt, sein Vater war in das Regime verstrickt gewesen.
In der jungen Bundesrepublik sah Werner Thönnessen in der IG Metall die Chance, die Zukunft des Landes im Interesse der Menschen - demokratisch-emanzipatorisch und sozial gerecht - mitzugestalten.

Er war zuerst persönlicher Referent des IG Metall-Vorsitzenden Otto Brenner. Anfang der 60er-Jahre baute er eine professionelle Pressearbeit in der Vorstandsverwaltung auf und war lange Leiter der Pressestelle. Zurzeit der Studentenunruhen setzte sich das ehemalige SDS-Mitglied für eine Kooperation der Gewerkschaften mit den Studenten ein, um gemeinsam die Notstandsgesetze abzuwehren. Er galt als Linker, suchte die Zusammenarbeit mit kritischen Intellektuellen und mit der "Neuen Linken" die sich gerade herausbildete. 1972 wechselte Thönnessen nach Genf, wurde stellvertretender Vorsitzender des Internationalen Metallgewerkschaftsbunds (IMB) und blieb das bis 1989.

Werner Thönnessen engagierte sich auch für den Aufbau von Gewerkschaften in Indien, in West- und Nordafrika sowie in der östlichen Mittelmeerregion. Er hat die politischen und sozialen Entwicklungen in diesen Regionen in hervorragender Weise beobachtet und analysiert. In den letzten Jahren seiner Tätigkeit als stellvertretender Generalsekretär des IMB baute er Beziehungen zu den Gewerkschaften im Kongo und in den meisten westafrikanischen Staaten auf. Ihm ist es zu verdanken, dass diese Organisationen Anfang der 90er Jahre dem IMB beitraten. Er starb schon am 15. Juni.

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