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Erfolg der Solidarität - Tarifbindung bei PTM

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Erfolg der Solidarität - Tarifbindung bei PTM

In sieben Monaten zum Tarif

16.07.2018 Ι Hungerlöhne, undurchsichtige Entgelte, nicht einmal einen Betriebsrat - die Beschäftigten des Automobilzulieferers PTM hatten genug. Sie traten geschlossen auf und erstritten einen Tarifvertrag.

Der Westerwälder PTM GmbH in Nauroth scheint es gut zu gehen. Sie beliefert Großkunden wie Porsche, VW oder Audi. Der Grund des Erfolgs? Die "Qualifikation und die Liebe unserer Mitarbeiter zum Beruf", wie sich der Automobilzulieferer auf seiner Homepage brüstet. Aber wo war die eigene Wertschätzung für die Beschäftigten?

 

Jahrelang mussten diese sich mit Löhnen abfinden, die bis zu 35 Prozent unter Tarifniveau lagen. Gleiches Gehalt für gleiche Arbeit? Fehlanzeige. Der eine bekam mehr Geld, der andere weniger im Monat. Je nachdem, was der Einzelne für sich herausholen konnte. Einen Betriebsrat, der sich einbringen kann? Gab es auch nicht.

 

Als der Arbeitgeber vorhatte, noch das Urlaubs- und Weihnachtsgeld an die Krankheitstage der Beschäftigten "anzupassen", lief das Fass über. "Wir wollten endlich einen Betriebsrat und einen Tarifvertrag, der Klarheit bringt", sagt Patrick Euteneuer, nun als Betriebsratsvorsitzender im Amt. "Wir haben Unterschriften gesammelt und unsere Forderungen übermittelt."

 

Alle für ein Ziel

Die knapp 100 Beschäftigten traten der IG Metall bei. "Wir waren beeindruckt, wie geschlossen die Beschäftigten aufgetreten sind. Nur so geht es", meint Uwe Wallbrecher, Erster Bevollmächtigter der IG Metall-Geschäftsstelle Betzdorf. Mit über 90 Prozent Beteiligung wählten die Mitarbeiter Ende 2017 einen Betriebsrat. Doch sie wollten mehr: einen Tarifvertrag, der ihnen Sicherheit und Wertschätzung gibt. Gemäß dem IG Metall-Slogan "MehrWert mit Tarif".

 

Dieses Ziel verfolgten die Beschäftigten hartnäckig, Betriebsversammlungen wurden abgehalten. Die IG Metall schulte die Belegschaft für bevorstehende Auseinandersetzungen. Der Arbeitgeber wurde schnell kleinlaut. Vorher hatte er noch die IG Metall als Verhandlungspartner abgelehnt und mit dem Gedanken gespielt, die Produktion nach Tschechien zu verlagern.

 

Aber das konnte die Geschäftsführung schnell vergessen. Grund dafür war auch die große Rückendeckung, die die Belegschaft deutschlandweit erfuhr. "Wir erhielten Solidaritätsschreiben vom Porsche-Betriebsrat als auch von den VW-Kollegen aus Hannover, was uns ungemein geholfen hat. So konnten wir unseren Forderungen Nachdruck verleihen", sagt Uwe Zabel, Verhandlungsführer vom IG Metall-Bezirk Mitte.

 

Am Ende stand die Tarifbindung - nur sieben Monate nach der Betriebsratswahl. Ab dem 1. Juli 2018 steigen die Löhne um zunächst 2 Euro pro Stunde, am Monatsende haben die Beschäftigten knapp 330 Euro mehr auf dem Konto. Schritt für Schritt kommt dann der Tarifvertrag. Langfristig werden die Beschäftigten dann nur noch 35 Stunden in der Woche arbeiten müssen - bei vollem Lohnausgleich, versteht sich. Uwe Zabel lobt vor allem die Belegschaft: "Unser Ergebnis zeigt, was möglich ist, wenn die Beschäftigten geschlossen für ihre Ziele einstehen. Wir haben den Arbeitgeber mit unserem Zusammenhalt beeindruckt."

 

Bemerkenswert ist auch die Entwicklung insgesamt in der Region. "In den letzten Jahren haben wir über 1100 Beschäftigte in die Tarifbindung gebracht. Das kann sich sehen lassen", freut sich Uwe Wallbrecher. "Wir sind überzeugt, dass noch mehr Betriebe in der Region unserem Beispiel folgen werden."

Tarif

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Werner Bachmeier
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